Mit Astronauten ins All!

Ein Astronaut beim Spacewalk. Bild: NASA
Ein Astronaut beim Spacewalk. Bild: NASA

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Gibt es Außerirdische? Na klar: die Astronauten! Spätestens seit die Internationale Raumstation ISS die Erde umkreist, befinden sich immer einige Menschen im Weltraum. Was da alles passiert, wie eine solche Raumfahrt-Mission vorbereitet wird und abläuft, das erfahrt ihr hier: Begleiten wir also in Gedanken eine Crew auf ihrem Flug zur ISS – einmal Weltraum und zurück ... Und übrigens: In nur 90 Minuten umrunden Astronauten einmal die Erde. Während ihr also diesen Text lest, fliegen sie gerade jetzt dort oben über einen ganzen Kontinent oder Ozean hinweg!

Die Vorbereitungen auf einen Flug beginnen schon Jahre vor dem Start. Die Astronauten üben jeden Handgriff ein, den sie später auf ihrer Mission ausführen müssen. Sie trainieren in Simulatoren, wie der Start abläuft – und müssen dabei auch kritische Situationen meistern. Denn lediglich den Normalfall zu proben, wäre nicht Sinn der Übung. Vielmehr geht es gerade darum, auf Probleme gut vorbereitet zu sein: Was tun, wenn das Raumschiff ein Leck hat? Stromausfall? Feuer an Bord? Für jedes Problem wird die richtige Reaktion der Crew durchgespielt und eingeübt. Und natürlich lernen die Astronauten auch, wie sie die Experimente durchführen müssen, die später im All auf dem Stundenplan stehen. Denn das ist ja der eigentliche Zweck: Forschung in Schwerelosigkeit.

Die Tage vor dem Start

Ein bis zwei Wochen vor dem Start begibt sich die Crew in Quarantäne. Das heißt: Sie wird isoliert, hat also mit anderen Menschen kaum noch Kontakt. Nur die Ärzte und wenige andere Mitarbeiter dürfen jetzt noch in die Räume, in denen die Astronauten während der letzten Tage vor dem Start leben. Der Grund für diese Maßnahme: Die Schwerelosigkeit schwächt unser Immunsystem – also die Abwehrkräfte unseres Körpers. Schon ein Schnupfen kann da zum Problem werden. Deshalb darf sich die Crew kurz vor dem Start nicht anstecken. Auch die engsten Familienmitglieder müssen erst vom Arzt untersucht werden, bevor sie für einen kurzen Abschiedsbesuch in die Quarantäne-Station gelassen werden.

Liegend ins All

Wenige Stunden vor dem Start: Thomas Reiter wird von Technikern zur Einstiegsluke der Raumfähre begleitet. Bild: NASA
Wenige Stunden vor dem Start: Thomas Reiter wird von Technikern zur Einstiegsluke der Raumfähre begleitet. Bild: NASA

Am Starttag selbst nimmt die Crew etwa drei Stunden vor dem Ende des Countdowns im Cockpit Platz. Dann werden alle Bordsysteme noch einmal geprüft – ähnlich wie Piloten dies vor einem Flug tun. Wenn das Kontrollzentrum dann ein „Go“ erteilt und der Countdown bei „Null“ angekommen ist, erfolgt der Start. Immer stärker beschleunigt die Rakete – und die Astronauten spüren die Kraft, mit der sie in den Sitz gepresst werden. Übrigens: Damit Astronauten das gut überstehen, sitzen sie nicht wie auf einem Stuhl mit dem Kopf oben und den Füßen unten, sondern sie liegen in ihren Sitzen – fast wie in einem Liegestuhl. Sonst würde nämlich die enorme Beschleunigung das Blut aus dem Kopf nach unten drücken und man würde bewusstlos.

28.000 Stundenkilometer schnell

Ein Sojus-Raumschiff nähert sich der ISS. Bild: NASA
Ein Sojus-Raumschiff nähert sich der ISS. Bild: NASA

Nun darf man sich den Aufstieg ins All nicht wie eine lange Reise vorstellen. Wenn ihr mit dem Auto in Urlaub fahrt, dauert das länger als der Weg ins All. Nur gerade mal acht Minuten benötigt die Rakete, um das Raumschiff außerhalb der Atmosphäre in die Umlaufbahn zu befördern. Dann werden die Triebwerke abgeschaltet – und von einer Sekunde zur nächsten setzt schlagartig Schwerelosigkeit ein. Alles schwebt. Man spürt keinen Druck mehr. Es ist still. Das Dröhnen und Vibrieren der Triebwerke ist verschwunden – man hört nur noch die Funkverbindung zum Kontrollzentrum, das sich ab und zu mit einem knacksenden „Roger“ – „Alles klar“ – meldet. Jetzt fliegt das Raumschiff in einer Kreisbahn um die Erde: knapp 28.000 Kilometer pro Stunde schnell. Gelegentlich werden die Triebwerke gezündet, um den Kurs in Richtung ISS zu korrigieren. Ein russisches Sojus-Raumschiff benötigt sechs Stunden bis zur ISS. Das Andocken funktioniert meist automatisch. Nur wenn ein Problem auftaucht, übernimmt der Kommandant das Steuer und dockt per Hand an.

Der Schlafsack an der Wand

Hier führen zwei Astronauten auf der ISS medizinische Experimente durch. Bild: ESA
Hier führen zwei Astronauten auf der ISS medizinische Experimente durch. Bild: ESA

Die Abläufe an Bord sind in einer Art Stundenplan – der „Timeline“ – geregelt. Immer wieder müssen die verschiedenen Systeme kontrolliert werden: von der Klimaanlage über die Stromversorgung bis zur Bordtoilette. Und es werden die wissenschaftlichen Experimente durchgeführt: Auf die Ergebnisse warten schließlich Hunderte von Wissenschaftlern auf der Erde. Es geht dabei um viele ganz unterschiedliche Themen: neue Materialien, medizinische Erkenntnisse, Biologie, Physik und vieles andere.

Arbeiten, Essen, Schlafen – fast wie „im richtigen Leben“ ist der Tagesablauf festgelegt. Aber natürlich sorgt die ungewohnte Umgebung der Schwerelosigkeit für die eine oder andere Überraschung: Wer etwa ein Werkzeug mal kurz zur Seite legt, kann es anschließend an der Decke oder sonst wo suchen. Alles muss eben immer irgendwo befestigt werden. Auch man selbst! Zum Beispiel wenn man schläft – denn sonst würde man nachts durch die Station schweben, ohne es zu merken. In den Kabinen für die Crew sind die Schlafsäcke fest an der Wand angebracht. Ein solches „Bett“ an der Wand sieht zwar auf den ersten Blick seltsam aus: Aber man kann natürlich in Schwerelosigkeit genau so gut im „Stehen“ wie im „Liegen“ schlafen. Hauptsache eben: angeschnallt …

In 90 Minuten um die Welt

Sport ist ein „Muss“ für jeden Raumfahrer: Laufband-Training und andere Übungen stehen täglich auf dem Programm. Denn da die Muskeln in Schwerelosigkeit nicht sonderlich stark beansprucht werden, würden sie sonst zu sehr abbauen. Auch andere Abläufe im Körper machen Astronauten den Flug ins All nicht zum reinen Vergnügen: Unwohlsein, Übelkeit, Schwindelgefühle – die Raumkrankheit wirkt sich gerade in der ersten Zeit an Bord manchmal recht unangenehm aus, bis sich der Organismus an die neue Situation gewöhnt hat.

Dafür entschädigt wiederum das einzigartige Erlebnis, unseren Planeten aus dem Weltraum sehen zu können. Nahezu alle Astronauten schwärmen vom Blick auf die Erde. In ihrer Freizeit sehen sie durch die Fenster der Station – und oft sagen sie später, wie dünn und verletzlich unsere Atmosphäre aussieht und dass wir sorgsamer mit unserer kostbaren Welt und Umwelt umgehen sollten. Der Blick auf den „Blauen Planeten“ Erde ist natürlich noch faszinierender, wenn man nicht durch die Fensterscheibe sieht, sondern bei einem Spacewalk außerhalb der Station im All ist. Dabei rast die Station in nur 90 Minuten einmal um die ganze Erde – 16 Mal am Tag.

Rückkehr zur Erde

Ulf Merbold aus Deutschland, der insgesamt drei Mal im Weltraum war, wird von Helfern in Empfang genommen. Bild: ESA
Ulf Merbold aus Deutschland, der insgesamt drei Mal im Weltraum war, wird von Helfern in Empfang genommen. Bild: ESA

Nach einigen Monaten im All geht es zurück zur Erde. Die Rückkehrkapsel taucht dabei mit großer Geschwindigkeit in die immer dichter werdenden Luftschichten der Atmosphäre ein. Dadurch entstehen extrem hohe Temperaturen, gegen die man im Inneren der Kapsel durch den Hitzeschutzschild abgeschirmt wird. Trotzdem ist dies eine eher kritische Flugphase – und wenn die Kapsel dann die letzten Kilometer an Fallschirmen hängend zum Zielgebiet schwebt und schließlich auf dem Boden aufsetzt, sind alle Beteiligten erleichtert. Nach der Landung erholt man sich unter ärztlicher Aufsicht im Crew-Quartier. Denn es dauert eine Weile, bis sich der Körper wieder umgestellt hat: Nach langer Zeit im All fühlt sich die Schwerkraft geradezu übermächtig stark an. Nach einigen Tagen oder Wochen ist man jedoch wieder gesund und fit – und die meisten Astronauten träumen davon, eines Tages wieder ins All zu fliegen.