Das Ozonloch und ein tragischer Erfinder

Die Ozonschicht über der südlichen Halbkugel der Erde – man schaut in der Bildmitte auf den Südpol. Je bläulicher ein Ort eingefärbt ist, desto weniger schützendes Ozon ist dort in der Atmosphäre vorhanden. Bild: DLR
Die Ozonschicht über der südlichen Halbkugel der Erde – man schaut in der Bildmitte auf den Südpol. Je bläulicher ein Ort eingefärbt ist, desto weniger schützendes Ozon ist dort in der Atmosphäre vorhanden. Bild: DLR

Über das Ozonloch ist schon viel geschrieben worden. Die Kurzfassung: Es entstand zuerst nur über der Antarktis. Später aber wurde die Ozonschicht auch über der nördlichen Halbkugel der Erde immer dünner. Deshalb schützt uns die Atmosphäre nicht mehr so gut vor aggressiven Sonnenstrahlen. Schuld daran sind Gase, die in der Vergangenheit in Spraydosen und anderen Produkten eingesetzt wurden. Und es wird wohl noch lange dauern, bis sich unsere Atmosphäre davon erholt hat. Wie auch immer: In diesem kleinen Text soll es gar nicht so sehr um das Ozonloch selbst gehen, sondern um die Geschichte eines Mannes – die allerdings auf tragische Weise mit dem Ozonloch zu tun hat …

Thomas Midgley galt zu seiner Zeit als genialer Erfinder. Später sagte man über ihn: Kein anderer Mensch hat unserer Atmosphäre so viel Schaden zugefügt. Wie das? Nun, der amerikanische Ingenieur hat vor allem zwei Dinge erfunden, die der Menschheit bis heute echte Probleme bereiten.

Erstens fand er heraus, wie man Benzin mit Blei anreichern kann. Das war zwar gut für die Motoren, die dadurch besser liefen. Aber natürlich eine Katastrophe für die Luftqualität in unseren Städten. Denn Blei ist giftig. Bis vor einigen Jahren war verbleites Benzin allgemein üblich – erst dann stellten Autofirmen und Tankstellen mehr und mehr auf bleifreies Benzin um.

Und zweitens entwickelte Mr. Midgley ein Gasgemisch, das in Kühlschränken und Spraydosen eingesetzt wurde: abgekürzt FCKW genannt. Dieses Gas wurde in riesigen Mengen verwendet – weltweit und Jahrzehnte lang. Erst dann merkte man: Es zerstört die Ozonschicht, die uns vor den aggressiven Sonnenstrahlen schützt. Inzwischen ist es in den meisten Ländern verboten und wird durch harmlose Substanzen ersetzt. Die Ozonschicht wird aber noch lange brauchen, um sich zu erholen.

Wie das Ozonloch entdeckt wurde ...

Drei interessante Nachbemerkungen zu diesem Thema:

Erstens: Der Buchstabe F in FCKW steht für Fluor – ein Edelgas, das Midgley eher zufällig für seine Formel ausgewählt hatte. Er hätte auch andere Gase verwenden können – und dann wäre die Ozonschicht inzwischen nicht nur geschädigt, sondern längst komplett zerstört.

Zweitens: Dass die Ozonschicht allmählich kaputt zu gehen drohte, merkte man lange Zeit überhaupt nicht. Satelliten funkten zwar schon die Daten zur Erde. Doch die Computer, mit denen man die Daten automatisch auswertete, waren so programmiert, dass sie zu hohe und zu niedrige Werte als Messfehler einstuften und einfach aussortierten. Erst ein Wissenschaftler namens Paul Crutzen, der hartnäckig weiter forschte, machte die Welt auf dieses riesige Problem aufmerksam. Erst glaubte ihm niemand, dann merkte man, dass er Recht hatte. Und dann wurde er dafür mit dem Nobelpreis belohnt.

Und drittens: Midgley selbst wurde tragisches Opfer seiner Erfindungskunst: Nachdem er als erwachsener Mann an Kinderlähmung erkrankt war, baute er über seinem Bett eine Konstruktion mit Rollen und Seilen, um sich besser aufrichten zu können. Und eines Tages im Jahre 1944 verstrickte er sich so unglücklich in diesen ganzen Schnüren, dass er sich daran erhängte und starb.