Chaos im Verkehr – und wie man es vermeidet

Ob wie hier auf den Straßen, ob auf den Schienen oder in der Luft: Der Verkehr wird überall immer dichter. Bild: BMU
Ob wie hier auf den Straßen, ob auf den Schienen oder in der Luft: Der Verkehr wird überall immer dichter. Bild: BMU

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Wenn Eltern von „Chaos“ und „Unordnung“ sprechen, heißt das meist nichts Gutes: Denn dann ist mit einiger Wahrscheinlichkeit der Zustand deines Zimmers gemeint und es droht mal wieder eine größere Aufräum-Aktion. Doch auch Wissenschaftler beschäftigen sich – nein, nicht mit dem Chaos in Zimmern, obwohl das vielleicht auch eine lohnende Aufgabe wäre, sondern mit dem Chaos und der Unordnung im Verkehrssystem. Die Millionen-Frage lautet dabei: Wie kann man den immer dichteren Verkehr möglichst geordnet ablaufen lassen?

Jeder, der zu Fuß, mit dem Fahrrad oder dem Auto auf öffentlichen Straßen unterwegs ist, nimmt am Straßenverkehr teil. Bevor man allerdings ein Auto fahren darf, muss man zur Fahrschule gehen und den Führerschein machen. Doch auch die Fußgänger und Radfahrer werden für den Verkehr „geschult“ – meistens schon im Kindergarten oder in der Schule. Denn es ist wichtig, dass alle die Verkehrsregeln kennen und auch beachten!

„Intelligente“ Straßen …

Um möglichst rechtzeitig auf die Situation im Verkehr reagieren zu können, beobachten Kameras und Sensoren die Straßen.<BR>Bild: DLR, Markus-Steur.de
Um möglichst rechtzeitig auf die Situation im Verkehr reagieren zu können, beobachten Kameras und Sensoren die Straßen.
Bild: DLR, Markus-Steur.de

Aber selbst wenn sich alle im Straßenverkehr an die Regeln halten, kommt es immer wieder zu Staus und anderen Störungen. Wie kann man das vermeiden oder wenigstens minimieren – also auf ein Mindestmaß beschränken? Zum Beispiel durch „intelligente“ Straßen, die „wissen“, wie viele Fahrzeuge da gerade auf ihnen unterwegs sind. Dafür werden Sensoren und Kameras eingesetzt, die das aktuelle Verkehrsaufkommen etwa auf einer Autobahn messen. Wenn dann ein Stau droht, leuchten an den Schilderbrücken über der Fahrbahn – du hast das vielleicht auch schon mal gesehen – Hinweise auf. Wo man sonst mit 120 Stundenkilometern fahren darf, gilt dann beispielsweise nur „Tempo 80“. Der Effekt: Alle fahren jetzt zwar etwas langsamer, dafür aber gleichmäßig und ohne dauernd stoppen, wieder anfahren und nach ein paar Metern erneut anhalten zu müssen. Oder es werden automatische Umleitungen aktiviert, wenn der Verkehr auf einer Ausweichroute flüssiger vorankommt. Solche „intelligenten“ Systeme können viel zum Verkehrsfluss und auch zur Sicherheit beitragen: Sie springen zum Beispiel auch an, wenn Nebel die Sicht behindert: Dabei messen Kameras die Sichtweite und lösen ein Tempo-Limit aus, bevor es kritisch wird und zu Auffahrunfällen kommt.

… und andere „Baustellen“

Auch auf einem Flughafen und drum herum muss der reibungslose Ablauf – hier wird gerade Frachtgut verladen – organisiert werden. Bild: Fraport AG
Auch auf einem Flughafen und drum herum muss der reibungslose Ablauf – hier wird gerade Frachtgut verladen – organisiert werden. Bild: Fraport AG

Doch nicht nur auf den Straßen muss der Verkehr organisiert werden. Auch auf den Schienen gibt es einiges zu tun, damit die Züge ihre Fahrgäste oder Güter pünktlich und sicher ans Ziel bringen. Und es gibt noch eine andere „Baustelle“, an der die Verkehrsforscher des DLR arbeiten: den Flughafen. Denn die Airports sind wichtige Verkehrsknoten für ganze Regionen. Tausende von Passagieren kommen und gehen da jeden Tag, unzählige Tonnen von Gütern werden angeliefert und verschickt. Damit all diese Dinge möglichst reibungslos ablaufen, muss innerhalb des Flughafens – wie in einer überdimensionalen Maschinerie – ein Rad ins andere greifen. Und auch die vielen Verbindungen zur „Außenwelt“ müssen gut geplant und organisiert sein: S-Bahn-Anschluss, ausreichend Parkplätze – all das mit möglichst kurzem Fußweg: Wer will schließlich Kilometer weit den Koffer rollen oder für die Anfahrt mit dem Auto mehr Zeit benötigen als für den Flug selbst?

Verkehrs-Management und „Mega-Events“

Um einen besseren Überblick der Verkehrslage bei Großereignissen zu bekommen, werden auch speziell ausgerüstete Zeppeline eingesetzt. Bild: DLR
Um einen besseren Überblick der Verkehrslage bei Großereignissen zu bekommen, werden auch speziell ausgerüstete Zeppeline eingesetzt. Bild: DLR

All diese Fragen haben mit dem sogenannten Verkehrs-Management zu tun. Das stellt oft schon im Alltag – eben dem berühmten „ganz normalen Wahnsinn“ – eine ziemliche Herausforderung dar. Doch bekanntlich gibt es im Leben nicht nur den Normalfall. Sondern zum Beispiel auch Mega-Events wie eine Fußball-WM. Oder Naturkatastrophen oder schwere Unfälle. In solchen Momenten ist plötzlich nichts mehr normal: Straßen müssen dann gesperrt und Umleitungen eingerichtet werden, Einsatzfahrzeuge und -hubschrauber schnell zum Ort des Geschehens vordringen, Menschen rechtzeitig und genau informiert werden – und die Einsatzzentrale oder der Krisenstab muss bei all dem auch noch die Übersicht behalten.

Bei Sportereignissen ist das lange im Voraus planbar, bei großen Notfällen in aller Regel nicht. Dennoch gilt es, auch für solche Situationen vorzusorgen. Und zwar eben auch mit Blick auf das Verkehrs-Management. Bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland hat das DLR beispielsweise Zeppeline und Flugzeuge eingesetzt, um Informationen über die Verkehrslage zu sammeln. So konnte die Polizei den Verkehr besser lenken – und nicht nur die Spieler, sondern auch viele Besucher kamen dadurch ohne Stau ins Stadion. Und in vielen Katastrophenfällen in aller Welt kommen die Informationen, die das DLR bereitstellt, aus noch größerer Höhe: Satellitenbilder zeigen da beispielsweise, welche Straßen nach einem Erdbeben für die Hilfsmannschaften noch befahrbar sind.