Der Herzschlag des Astronauten

Bei Außenbordeinsätzen wird der Gesundheitszustand des Astronauten von den Ärzten am Boden überwacht. Bild: NASA
Bei Außenbordeinsätzen wird der Gesundheitszustand des Astronauten von den Ärzten am Boden überwacht. Bild: NASA

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Viele neue Technologien, die in der Raumfahrt eingesetzt werden, können wir auch auf der Erde nutzen. Hier ein Beispiel aus einem Bereich, an den man dabei zunächst vielleicht gar nicht denkt: nämlich aus der Medizintechnik.

ESA-Astronaut Christer Fuglesang beim Spacewalk. Bild: NASA, ESA
ESA-Astronaut Christer Fuglesang beim Spacewalk. Bild: NASA, ESA

Es sieht so wunderbar leicht und schwerelos aus, wenn Astronauten außerhalb der Raumstation im Weltraum schweben. Und meist winken sie dabei auch noch freundlich lächelnd in die Kamera – weil sie eben nette Leute sind und weil sie wissen, dass wir solche Fotos gern betrachten. Doch diese „Spacewalks“ sind eine echte körperliche Belastung. Sie dauern viele Stunden, in denen man in den unförmigen Raumanzug eingesperrt ist. Und es müssen oft anstrengende Dinge erledigt werden: Sonnensegel repariert, Instrumente ausgetauscht oder andere große Elemente an der Raumstation befestigt werden und so weiter. Das ist ungefähr so, als ob ihr in dicken Winterklamotten und mit Fahrradhelm, Taucherbrille und Handschuhen bewaffnet ein größeres Ikea-Regal zusammenschrauben müsstet – und zwar auf dem Kopf stehend. Leider dürft ihr dabei zwischendurch nicht einfach mal auf die Toilette gehen – das geht im Weltraum schließlich auch nicht. Die gute Nachricht lautet: Ihr habt euch vorher Windeln angezogen. Tja, ihr seht schon: Das alles muss man nicht unbedingt selbst ausprobieren – es soll ja auch nur ein kleiner Vergleich sein, um zu zeigen: Die sogenannten „Weltraumspaziergänge“ sind alles andere als Spaziergänge. Eher schon ziemlich harte Arbeit. Und zwar unter extremen Bedingungen und daher nicht ganz ungefährlich.

Telemedizin

Weltraumspaziergänge sind harte Arbeit: Hier repariert Claude Nicollier aus der Schweiz einen Satelliten. Bild: ESA, NASA
Weltraumspaziergänge sind harte Arbeit: Hier repariert Claude Nicollier aus der Schweiz einen Satelliten. Bild: ESA, NASA

Jetzt aber zum eigentlichen Thema, der Medizintechnik: Weil Spacewalks eben so belastend für den Organismus sind, will man natürlich ganz sicher sein, dass es den Astronauten während all dieser Arbeiten gesundheitlich gut geht. Deshalb wurden Verfahren entwickelt, mit denen die Ärzte in den Kontrollzentren am Boden die wichtigsten Körperfunktionen der Astronauten in Echtzeit – also „live“ – überwachen können. Das betrifft zum Beispiel die Körpertemperatur, den Puls und vieles andere. Jeder Herzschlag eines Astronauten wird so von Sensoren – kleinen Messgeräten und „Fühlern“, die in der Kleidung und am Körper angebracht sind – erfasst und zur Erde übertragen. Diese Technik der Übermittlung medizinischer Daten nennt man Telemedizin – manchmal auch Medizin-Telematik.

Astro-Unterwäsche für Babys

Ein Baby mit Telemedizin-Anzug und Sender. Bild: DLR
Ein Baby mit Telemedizin-Anzug und Sender. Bild: DLR

Auf der Erde kann man das Verfahren anwenden, um zum Beispiel um Babys, die mit einer bestimmten Krankheit zur Welt gekommen sind, im Schlaf zu überwachen. Es geht dabei um Risiko-Babys, die vom „Plötzlichen Kindstod“ bedroht sind – bei dieser Erkrankung kann plötzlich die Atmung aussetzen. Um dann schnell handeln zu können, hat man nach dem Vorbild der Astronauten-Unterwäsche kleine Schlafanzüge für Säuglinge entwickelt. Wie im Unterhemd für Raumfahrer sind auch im Strampelanzug für Babys Mini-Sensoren enthalten, mit denen die Atmung kontrolliert wird. Und wenn sich dann im Schlaf ein Problem andeutet, wird automatisch der Notarzt im Krankenhaus alarmiert – so wie beim Astronauten der Arzt im Kontrollzentrum immer auf dem aktuellen Stand ist.

Operation aus der Ferne

Die Telemedizin lässt sich auch bei anderen Personengruppen einsetzen: Manche ältere Menschen wären durch diese Gesundheitsüberwachung aus der Ferne in der Lage, länger in ihrer Wohnung zu leben statt in einem Heim betreut werden zu müssen. Oder: Aus einem Krankenwagen werden schon während der Fahrt Informationen an die Klinik übermittelt, so dass sich die Ärzte dort auf den Notfall vorbereiten können, bevor der Patient eintrifft.

Bei Operationen sind noch ganz andere Dinge möglich: Da kann ein Chirurg beispielsweise einen Spezialisten, der sich an einem ganz anderen Ort der Welt befindet, in den Operationssaal „hinzuschalten“ und um Rat fragen. Im DLR wurde sogar schon einmal erprobt, wie ein solcher Experte aus der Ferne per Funk eine Magensonde bedienen kann: Der Arzt saß in München und der Patient lag rund 30 Kilometer entfernt im DLR in Oberpfaffenhofen. Der Eingriff verlief übrigens für alle Beteiligten völlig problemlos.

Viele dieser Anwendungen werden erst erprobt. In Zukunft aber wird die Telemedizin vielleicht so alltäglich sein, wie es Computer für uns heute sind. Die gab es nämlich anfangs auch nur hier und da an ganz wenigen Orten – und ein Rechner, der im Vergleich zu eurem PC richtig schwach und lahm war, füllte damals ein ganzes Zimmer …