Weltraumspaziergänge: kein reines Vergnügen

Astronaut Thomas Reiter beim „Spacewalk“. Bild: ESA, NASA
Astronaut Thomas Reiter beim „Spacewalk“. Bild: ESA, NASA

Weltraumspaziergänge sind kein Spaziergang. Das heißt: Sie dienen nicht dem Vergnügen der Astronauten, sondern sind harte Arbeit unter extremen Bedingungen. Anders gesagt: Sie sind verdammt anstrengend.

Wenn Astronauten aus der Internationalen Raumstation ISS in den Weltraum aussteigen, geschieht das, um Dinge zu reparieren oder zum Beispiel um neue Geräte zu montieren. Mal müssen die Sonnensegel, die die ISS mit Strom versorgen, entfaltet werden, mal wird ein zusätzliches Modul an die Raumstation angedockt. In aller Regel verlassen dann zwei Astronauten als Team die Station und führen die entsprechenden Arbeiten durch. Das dauert meist mehrere Stunden. Der Raumanzug mit Helm und Handschuhen schützt die Astronauten im luftleeren Raum, dem Vakuum des Weltalls. Er versorgt die Raumfahrer mit Atemluft – ähnlich wie bei Tauchern unter Wasser – und verfügt über eine Mini-Klimaanlage, die die Temperatur reguliert. Der Anzug wiegt zwar in Schwerelosigkeit nichts, aber man spürt ihn natürlich und er schränkt die Bewegungsfreiheit deutlich ein. Und mit den dicken Handschuhen ist es auch nicht gerade einfach, eine klemmende Schraube zu lösen oder andere technische Arbeiten auszuführen.

Das Risiko meistern …

Heidemarie M. Stefanyshyn-Piper, amerikanische Astronautin, winkt in die Kamera. Bild: NASA

Außenbordeinsätze zählen zu den gefährlichsten Tätigkeiten, die Astronauten durchführen müssen. Daher werden sie sehr gründlich vorbereitet und es wird alles für die Sicherheit der Crew getan. Lange vor dem Start trainieren Astronauten jeden Handgriff, den sie später durchführen müssen. Das geschieht vor allem in großen Tauchbecken, denn unter Wasser schwebt man beinahe so wie im All – so dass das Training recht realistisch ist. Beim Einsatz im Weltraum selbst verhindern Stahlseile, mit denen die Raumfahrer an der Außenwand der Station befestigt sind, dass man versehentlich davon schwebt. Und vom Kontrollzentrum aus überwachen die Ärzte permanent den Gesundheitszustand der Astronauten: Puls, Körpertemperatur, Atemfrequenz – all diese wichtigen Körperfunktionen werden in Echtzeit – also „live“ – zum Boden übermittelt.

Phantastische Erlebnisse

Man muss schon genau hinsehen, um Bruce McCandless auf diesem Foto zu erkennen. Er schwebt weit von der Raumfähre entfernt durchs All: Statt Sicherheitsleine trägt er einen Düsen-Rucksack, mit dem er sich frei durchs All bewegt. Das Bild stammt aus dem Jahre 1984. Heute sind diese Rucksäcke mit Düsenantrieb nicht mehr im Gebrauch.
Bild: NASA

Aber die Spacewalks sind natürlich nicht nur anstrengend und risikoreich – sie sind zugleich auch phantastische Erlebnisse: „Du siehst alles ganz klar vor dir und du spürst: Du bist mitten im Universum …“ – so und so ähnlich schwärmen Astronauten nach ihrem Flug. Dabei berichtet jeder Astronaut über etwas anderes, das ihn ganz besonders beeindruckt hat: Mal ist es die Tatsache, dass man außerhalb der Atmosphäre viel mehr Sterne sieht als üblich: Tausende auf einen Blick! Mal ist es der Moment, in dem man die Luke öffnet und nach unten schaut: mehr als 300 Kilometer entfernt über der Erde! Oder auch der faszinierende Anblick, den Erde und Mond zusammen bieten: zwei Himmelskörper, die man ganz plastisch bei ihrem majestätischen Flug durchs Schwarz des Alls beobachtet.

Viele spannende Fotos von Spacewalks gibt es unten per Klick.