Flug zum „Herrn der Ringe“

Die Doppelsonde Cassini/Huygens am Saturn. Bild: ESA, NASA
Die Doppelsonde Cassini/Huygens am Saturn. Bild: ESA, NASA
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Diese Aufnahme der Titan-Oberfläche machte Huygens direkt nach der Landung. Nie landete eine Sonde auf einem weiter entfernten Himmelskörper! Bild: NASA/JPL/ESA/University of Arizona

Die NASA-Sonde Cassini umkreiste seit 2004 den Saturn und lieferte großartige Bilder des Planeten, seiner Ringe und Monde. Im „Huckepack-Verfahren“ hatte sie auch die ESA-Sonde Huygens an Bord. Huygens wurde Ende 2004 von der Muttersonde abgetrennt und auf einen Kurs zum Saturn-Mond Titan gebracht. Titan ist der zweitgrößte Mond des Sonnensystems – größer als der Planet Merkur. Als einziger Mond hat er eine dichte Atmosphäre, so dass man seine Oberfläche zuvor noch nie gesehen hatte. Die Daten, die Huygens beim Eintauchen in die Atmosphäre und dann in den Minuten nach der Landung zur Erde übermittelte, zeigen: Die Lufthülle des Titan ähnelt der Atmosphäre der Erde, als hier vor Milliarden von Jahren das erste Leben entstand. Dennoch weiß man heute: Auf Titan wird es wohl nie Leben geben können – dort ist es einfach viel zu kalt. Trotzdem regnet es dort und es gibt auch viele Seen. Allerdings ist es bei -170 Grad Celsius kein flüssiges Wasser, das da regnet und sich in Tälern sammelt, sondern flüssiges Ethan und Methan (diese Stoffe sind so ähnlich wie Erdgas, nur eben bei diesen extrem niedrigen Temperaturen flüssig). Die Cassini-Sonde umflog auch nach der Huygens-Landung weiter den Saturn und seine Monde. Am 15. September 2017 endete die Mission, indem die Sonde gezielt in der Saturn-Atmosphäre zum Verglühen gebracht wurde. Dieses Manöver war nötig, da der Sonde nach all den Jahren der Treibstoff ausging. Dadurch wäre sie nicht mehr zu kontrollieren gewesen und hätte schlimmstenfalls einen der Monde „kontaminiert“. Oder anders gesagt: Damit da keine irdischen Schrottteile rumliegen, hat man die Sonde eben zum Verglühen gebracht. Immerhin ist es nicht auszuschließen, dass auf einigen der Saturn-Monde wie Enceladus einfache Lebewesen in einem flüssigen Ozean unter der Eisoberfläche leben. Und wenn man da eines Tages wirklich Leben finden würde, wollte man vorsorglich sichergehen, dass es nicht Bakterien sind, die von der Sonde eingeschleppt wurden. Für besonders Interessierte unter euch: hier ein ausführlicher Fachartikel über die ganze Cassini-Mission.