Astronauten-Sensor künftig auch bei Operationen im Einsatz


Wenn Astronauten nach dem Start und Aufstieg ins All in der Schwerelosigkeit angekommen sind, fließen Teile ihrer Körperflüssigkeiten – wie Blut und Gewebeflüssigkeiten – sehr schnell von der unteren in die obere Körperhälfte. Denn es fehlt ja nun plötzlich die Schwerkraft, die auf der Erde gewissermaßen alles nach unten zieht.

Der belgische ESA-Astronaut Frank De Winne: Er erprobte den neuen Sensor zur Messung der inneren Körpertemperatur.<BR> Bild: ESA
Der belgische ESA-Astronaut Frank De Winne: Er erprobte den neuen Sensor zur Messung der inneren Körpertemperatur.
Bild: ESA

Um nun diese Veränderungen – besonders mit Blick auf die Gesundheit der Astronauten – genau zu beobachten, ist die Messung der sogenannten „Körperkerntemperatur“ wichtig. Denn auch der „Wärmehaushalt“ des Menschen ändert sich in Schwerelosigkeit. Ein einfaches Thermometer, wie wir es vom Fiebermessen her kennen, genügt da jedoch nicht. Denn es geht vor allem um die genaue Temperatur der lebenswichtigen inneren Organe. In Kliniken und Arztpraxen wurde sie bisher mit einer Sonde im Körperinneren gemessen. Dieses Verfahren kann jedoch bei Astronauten nicht angewendet werden. Deshalb hat eine große deutsche Klinik – nämlich die Charité Berlin – zusammen mit dem DLR und den Draegerwerken Lübeck ein neues, einfacheres Verfahren entwickelt: Dabei erfasst ein Sensor den Wärmefluss am Kopf und auf der Brust. Der Sensor wird also ganz einfach außen am Körper angebracht – etwa mit einer Art „Stirnband“. Die Messwerte erlauben dann exakte Rückschlüsse auf die Temperatur im Inneren des Körpers.

Vor seinem Einsatz auf der Internationalen Raumstation ISS wurde der neue Sensor getestet. Bild: DLR
Vor seinem Einsatz auf der Internationalen Raumstation ISS wurde der neue Sensor getestet. Bild: DLR

Zusammen mit Daten zum Herz-Kreislaufsystem können Ärzte so auch den Erschöpfungszustand eines Astronauten beurteilen – das ist zum Beispiel wichtig, wenn Astronauten anstrengende Außenbordarbeiten im freien Weltraum durchführen und dabei bis an die Grenzen der Leistungsfähigkeit gehen. Aber das Verfahren kann auch auf der Erde angewendet werden: etwa bei Feuerwehreinsätzen, bei Operationen oder der Überwachung von Säuglingen im Brutkasten. Erste Tests haben gezeigt: Das neue Verfahren ist sehr genau und liefert dieselben Ergebnisse wie die alten Methoden. Im Herbst 2009 wurde es schließlich auf der ISS erprobt – unter anderem auch vom belgischen ESA-Astronauten Frank De Winne.