Unter der Sonne Almerías

In der Forschungsanlage „Plataforma Solar de Almería“ in Südspanien werden verschiedene Techniken für den Solarstrom von morgen entwickelt und getestet. Bild: DLR, Markus-Steur.de
In der Forschungsanlage „Plataforma Solar de Almería“ in Südspanien werden verschiedene Techniken für den Solarstrom von morgen entwickelt und getestet. Bild: DLR, Markus-Steur.de

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Spanien kennen bestimmt viele als Urlaubsland. Dort ist es schön warm, es gibt tolle Strände, leckeres Essen … Aber nicht nur Urlauber zieht es nach Spanien, sondern auch Forscher. Denn am Rande der einzigen Wüste Europas, inmitten einer kargen, trockenen Landschaft befindet sich Europas größtes Testzentrum für Solartechnik: die Plataforma Solar de Almería – kurz PSA. Machen wir uns also mal gemeinsam auf die Reise und besuchen wir deutsche und spanische Wissenschaftler unter der Sonne Spaniens!

Unsere Reise führt uns also nach Almería, einer Provinz im Süden von Spanien. Hier gibt es eine traumhafte Küste mit Strandbuchten und kleinen Fischerdörfchen – aber wir sind schließlich nicht zum Spaß hier. Also ab ins Landesinnere: in die Wüste von Tabernas. Hier sieht es ein wenig aus wie in einer bizarren Mond-Landschaft. Und mittendrin in einem Talkessel liegt die große Forschungsplattform für Sonnenenergie. Ganz in der Nähe von „Mini Hollywood“, einer Filmstadt, die schon als Kulisse für viele Kinofilme gedient hat: Hier wurden „Lawrence von Arabien“ und einer der berühmtesten Western aller Zeiten – „Spiel mir das Lied vom Tod“ – gedreht. Auch Indiana Jones hat hier eines seiner Abenteuer erlebt. Aber nun wirklich zur Testanlage!

Ein Turm mitten in der Wüste

Eine Luftaufnahme der Testanlage in Almería. In dieser Wüstenlandschaft in Südspanien scheint die Sonne fast das ganze Jahr. Bild: DLR
Eine Luftaufnahme der Testanlage in Almería. In dieser Wüstenlandschaft in Südspanien scheint die Sonne fast das ganze Jahr. Bild: DLR

Schon aus der Ferne sieht man einen großen Turm, der in die Höhe ragt. Ein Aussichtsturm? Nein – es ist ein Solarturm: rund 60 Meter hoch und so etwas wie das Wahrzeichen der Anlage. Dort angekommen, staunt man nicht schlecht: riesige Spiegel, wohin man auch schaut. In vielen verschiedenen Größen und Formen: gerade, gebogen oder gewölbt wie Suppenteller. Und alle fangen die Sonne ein. Die Spiegel, die um den Turm verteilt sind, nennt man Heliostate. Sie sind flach – normale Spiegel eben, nur viel größer: jeder groß wie ein Garagentor. Scheint die Sonne – was in Almería an über 3.000 Stunden im Jahr der Fall ist –, werden die Spiegel so ausgerichtet, dass sie das Licht auf einen zentralen Punkt im Turm reflektieren. Und da wird es dann erst einmal heiß! Richtig heiß! Dort können Temperaturen von rund 1.000 Grad Celsius entstehen. Dadurch wird Wasser in Dampf umgewandelt und dieser treibt eine Turbine an. Bewegt sich die Sonne im Laufe des Tages weiter, so drehen sich auch die Heliostate mit. Immer der Sonne hinterher, so wie auch die „Sonnenanbeter“ am Strand.

Ufos in Spanien?

Gigantische Dimensionen: Die Spiegel der „Dish-Stirling-Anlage“ haben einen Durchmesser von etwa acht Metern.<BR>Bild: DLR
Gigantische Dimensionen: Die Spiegel der „Dish-Stirling-Anlage“ haben einen Durchmesser von etwa acht Metern.
Bild: DLR

Aber auf dem riesigen Gelände der Testanlage – immerhin über 100 Hektar, also viele Fußballfelder groß – gibt es noch mehr zu entdecken. Denn hier werden viele verschiedene solarthermische Kraftwerke erprobt. Was sind das zum Beispiel für seltsame Objekte, die wie Ufos aussehen? Auch das sind Spiegel. Gekrümmt wie Kosmetik- oder Rasierspiegel. Aber etwas größer: Über acht Meter Durchmesser hat jeder einzelne Parabolspiegel, der Bestandteil der sogenannten „Dish-Stirling-Anlage“ ist. Die Wärme, die auf die Spiegel fällt, wird durch einen besonderen Motor in mechanische Energie und anschließend in Strom umgewandelt.

Öliger Strom und kalte Cola

Die Mittagssonne strahlt vom Himmel! Es wird immer heißer. Und dazu noch die ganzen Spiegel! Bei so viel gebündeltem Sonnenlicht gerät man erst recht ins Schwitzen. Auch unsere nächste Station – die Parabolrinnen-Kraftwerke – bietet kein Schattenplätzchen. Puhh! Machen wir lieber erst mal Pause – oder besser „Siesta“, wie das hier in Spanien heißt – und setzen uns auf eine extra-kalte Cola ins Lokal …

Diese Sonnenkollektoren sehen aus wie überdimensionale Dachrinnen. In der Röhre, die in der Mitte zu sehen ist, wird ein spezielles Öl erhitzt. Bild: DLR, Markus-Steur.de
Diese Sonnenkollektoren sehen aus wie überdimensionale Dachrinnen. In der Röhre, die in der Mitte zu sehen ist, wird ein spezielles Öl erhitzt. Bild: DLR, Markus-Steur.de

Kurze Pause.

Und weiter geht’s – gut, dass du auf uns gewartet hast! Also auf zu den Sonnenkollektoren da drüben, die wie überdimensionale Dachrinnen aussehen. Nur eben verspiegelt. Und exakt so gebogen, dass sie das Licht genau auf einer Linie konzentrieren: auf der „Brennlinie“. Darin verläuft ein Rohr durch das eine spezielle Flüssigkeit – Thermoöl – fließt. Das erzeugt in einem Wärmeaustauscher Dampf, der an eine Turbine plus Generator weitergeleitet wird. Sinn und Zweck – wie hier (fast) immer: Strom erzeugen.

Forschen unter der Sonne

Du siehst: Auf der Anlage gibt es viel zu entdecken. Auch für die Forscher. Wissenschaftlern des DLR ist es zum Beispiel in einer kleinen 100-Kilowatt-Pilotanlage gelungen, durch gebündelte Sonnenenergie Wasserstoff zu erzeugen. Und Wasserstoff ist ein ausgezeichneter Energieträger. Er könnte eines Tages die Elektro-Autos der Zukunft antreiben – ganz ohne Schadstoffe! Vielleicht tanken wir dann irgendwann einmal Wasserstoff aus der Kraft der Sonne …

Unser Rundgang endet hier – denn wir gehen jetzt zum Strand. Und während wir uns dann sonnen oder baden, läuft die solare Testanlage weiter auf vollen Touren: unter der glühenden Sonne Almerías, was übrigens passenderweise die „Spiegel des Meeres“ bedeutet.