„Und nun die Verkehrshinweise aus dem Weltraum …“

Der deutsche Satellit TerraSAR-X kann auch zur Verbesserung des Verkehrsflusses eingesetzt werden. Bild: DLR
Der deutsche Satellit TerraSAR-X kann auch zur Verbesserung des Verkehrsflusses eingesetzt werden. Bild: DLR

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„Fünf Kilometer Stau auf der A3 …“. Die Verkehrsnachrichten halten Autofahrer auf dem Laufenden, wo es im Straßenverkehr mal wieder eng wird. Und auch das „Navi“ informiert über Staus und Behinderungen. Doch wie genau und wie aktuell sind diese Infos? Lohnt es sich, bei einer Stauwarnung der Umleitung zu folgen? Oft stellt man ja fest: Der Stau hat sich längst wieder aufgelöst, wenn man dort ankommt? Und andere Staus entstehen manchmal wie aus dem Nichts, ohne dass sie im Radio schon gemeldet wurden. Wie also kann man die Verkehrsteilnehmer künftig noch besser informieren? Zum Beispiel durch Daten aus dem Weltraum …

Der deutsche Satellit TerraSAR-X ist ein wahres technisches Meisterwerk. Er umkreist die Erde in einer Höhe von rund 500 Kilometern und arbeitet unabhängig von Wetterbedingungen, Wolkenbedeckung und Tageslicht. Denn es handelt sich um einen Radarsatelliten, der mit seinen Instrumenten auch durch Wolken und bei Nacht „sehen“ kann. Zum Beispiel auch, was auf den Straßen los ist. Und wie dicht der Verkehr fließt – oder eben nicht mehr fließt, wenn es zu Staus kommt.

Für Verkehrsforscher sind solche Informationen wichtig. Denn wenn man Staus künftig vermeiden will, muss man natürlich erst einmal wissen, an welchen Stellen die Straßen immer wieder verstopft sind. Das ermittelt man zwar auch am Boden mit Hilfe von Sensoren oder Kameras, die zum Beispiel auf Autobahnen angebracht sind. Bei schlechter Sicht oder nachts funktioniert das aber nicht immer. Der Satellit kann mit seinem „Radar-Auge“ diese Lücke schließen. Er ist in der Lage, aus der Umlaufbahn das Tempo der einzelnen Fahrzeuge zu messen und so zu erkennen, wo sich der Verkehr staut. Die Daten aus dem All zeigen den Verkehrsforschern damit, wo etwas verbessert werden muss – sei es eine zusätzliche „Kriech-Spur“ für langsame Lastwagen am Berg, neue Schilderbrücken mit automatischer Tempo-Regelung oder Umleitungsempfehlung.

„Fliegender Staumelder“

 TerraSAR-X: Radar-Späher aus dem All

TerraSAR-X umkreist die Erde und „sieht“ dabei auch durch Wolken hindurch.

Aber nicht nur für künftige Verbesserungen, sondern auch ganz direkt für aktuelle Verkehrsmeldungen kann TerraSAR-X genutzt werden. Der Satellit wird so gewissermaßen zum „fliegenden Staumelder“ – und seine Informationen werden dann von Verkehrsdiensten wie dem Radio genutzt, um Verkehrshinweise zu geben.

Aber es geht nicht nur um Staus: Der Satellit kann auch die Reisezeiten der Autos berechnen. Er ermittelt also, wie lange die Autos etwa auf einer Autobahn für eine bestimmte Strecke benötigen. Das sind Informationen, die von Navigationssystemen genutzt werden: Denn so „weiß“ das Navi-Gerät im Auto, wie lange man noch bis zum Ziel braucht – und das künftig eben auch, wenn Sensoren auf der Straße wegen Nebels oder starken Regens ausfallen.

All diese Verfahren werden zurzeit zwar erst noch in Testläufen erprobt. Da hat aber alles schon prima geklappt. Und daher dauert es möglicherweise nicht mehr lang, bis die Verkehrsdurchsage auch routinemäßig aus dem Weltraum kommt: wetterunabhängig, großflächig und immer aktuell ...

Und nur der Vollständigkeit halber sei hinzugefügt: TerraSAR-X wird auch zu vielen anderen Zwecken eingesetzt – vom Hochwasserschutz über die Klimaforschung bis zur Sicherheit.