Mit High-Tech-Satelliten den „Verkehrsinfarkt“ vermeiden

Verkehrsführung aus dem All: Satelliten liefern jederzeit genaue Daten, mit denen die Fachleute den Verkehr besser lenken können. Bild: K.-A.
Verkehrsführung aus dem All: Satelliten liefern jederzeit genaue Daten, mit denen die Fachleute den Verkehr besser lenken können. Bild: K.-A.

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Dass der Verkehr auf unseren Straßen immer dichter wird, ist bekannt. Doch was kann man dagegen tun? Weniger Autos zulassen? Keine Chance! Jeder hat das Recht auf Mobilität – wenn er einen Führerschein hat. Einfach noch mehr Straßen bauen? Auch keine wirklich gute Idee: Denn dadurch würde immer mehr Landschaft „verbraucht“. Deshalb suchen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nach anderen Wegen, wie man den Verkehr auf den bestehenden Straßen besser organisieren kann.

Nur mal so zum Mitschreiben: Allein in Deutschland gibt es insgesamt 56 Millionen Kraftfahrzeuge – also Autos, Lastwagen, Motorräder und so weiter. Unser Straßennetz – alles zusammengerechnet – hat eine Länge von etwa 630.000 Kilometern. Und jeden Tag werden auf diesen Straßen insgesamt über 2,5 Milliarden Kilometer zurückgelegt. Mit diesen Zahlen lässt sich zwar nicht ausrechnen, wie weit man fahren kann, ohne in einen Stau zu geraten. Aber man ahnt schon: Da sind so viele Fahrzeuge gleichzeitig unterwegs, dass der Verkehr einfach irgendwann und irgendwo zwangsläufig ins Stocken geraten muss.

Kritische Streckenabschnitte

Der Satellit TerraSAR-X umkreist die Erde und liefert präzise Daten – auch über den Verkehr. Bild: DLR
Der Satellit TerraSAR-X umkreist die Erde und liefert präzise Daten – auch über den Verkehr. Bild: DLR

Verkehrsforscher arbeiten daran, den sogenannten „Verkehrsfluss“ zu verbessern. Dafür messen sie den Verkehr auf besonders dicht befahrenen Strecken und nehmen kritische Abschnitte unter die Lupe: Straßen in den Städten oder auch Autobahnen, auf denen es häufig zum Stau kommt. Oder Stellen, wo erhöhte Unfallgefahr besteht und daher auch aus Gründen der Sicherheit etwas verändert werden müsste. Und die Experten geben dann Empfehlungen, was man dort im Einzelfall tun sollte, um Abhilfe zu schaffen: Tempolimits, elektronische Anzeigetafeln, die vor Staus warnen oder auch Umleitungen anzeigen. Dabei nutzen die Verkehrsforscher ganz verschiedene Informationsquellen. Unter anderem auch Daten aus dem Weltraum: Satelliten erkennen aus großer Höhe die Verkehrssituation auf einer Autobahn – und sogar die Geschwindigkeit jedes einzelnen Fahrzeugs. Künftig sollen diese Informationen aus dem All auch für Stauwarnungen genutzt werden.

Die „nette Stimme“ aus dem Navi

Aber auch die Fahrer selbst können etwas tun, um den Verkehr zu entzerren. Wenn sie ein modernes Navigationssystem im Wagen nutzen und auf die nette Stimme im „Navi“ hören, die da vor dem nächsten Stau warnt und die Strecke neu berechnet, damit man ihn umfährt. Solche Navigationshilfen schonen nicht nur die Nerven der Autofahrer, sondern auch die Umwelt. Denn so wird weniger CO2 in die Atmosphäre „gepustet“.

Und woher weiß die „Stimme“ aus dem Gerät, wie ein Fahrer am schnellsten an sein Ziel kommt? Ebenfalls unter anderem dank der Informationen aus dem Weltraum: Navigationssatelliten berechnen den aktuellen Standort des Fahrzeugs und die Koordinaten des Ziels – und eine im Gerät gespeicherte Datenbank, die mit aktuellen Verkehrsinformationen gefüttert wird, findet dann die schnellste Strecke.

Was Züge mit Satelliten zu tun haben …

Verkehrsmessung aus der Umlaufbahn: Jedes Dreieck auf der Straße ist ein Fahrzeug. Und die Farben zeigen an, wie schnell die Autos unterwegs sind.   Bild: DLR
Verkehrsmessung aus der Umlaufbahn: Jedes Dreieck auf der Straße ist ein Fahrzeug. Und die Farben zeigen an, wie schnell die Autos unterwegs sind. Bild: DLR

Es gibt noch einen anderen Verkehrsbereich, bei dem Satelliten nützlich sind: die Bahn. Seltsam, denn Züge können ja schlecht eine Umleitung nehmen, um einen Stau zu vermeiden. Doch darum geht es hier auch gar nicht. Aber es geht zum Beispiel um die Ortung von Waren, die im Güterverkehr auf den Gleisen unterwegs sind. Die meisten dieser Güter werden heute in Containern transportiert, die auch auf Schiffen genutzt und so problemlos umgeladen werden können. Damit aber Absender und Empfänger einer Ware – und auch die Transporteure – genau wissen, wo sich „ihr“ Container gerade befindet, werden Satelliten eingesetzt: Jeder Container hat dafür einen GPS-Empfänger und kann so geortet werden. Außerdem helfen die Satellitendaten den Fachleuten beim Zusammenstellen der Züge. Und auch im Notfall können die Einsatzkräfte ganz genau erkennen, wo sich ein bestimmter Waggon befindet, der zum Beispiel mit gefährlichen Gütern beladen ist.

Wie du siehst, werden High-Tech-Satelliten schon in vielen unterschiedlichen Bereichen des modernen Verkehrs genutzt. In Zukunft werden aber sicher noch mehr Anwendungen dazukommen, denn ein reibungslos funktionierender Verkehr ist für uns alle sehr wichtig.