Bild: CNES–E. Grimault
 

Bis auf den Meter genau: Navigation mit Galileo

In solchen Kontrollräumen wird das Galileo-System überwacht. Immerhin geht es um bis zu 30 Satelliten, die die Erde umkreisen. Nur so kann erreicht werden, dass eine präzise Navigation weltweit funktioniert. Bild: CNES–E. Grimault
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Zurzeit wird das europäische Satelliten-Navigationssystem Galileo aufgebaut. Hier die wichtigsten Infos dazu in Kürze.

Präzision aus dem Weltraum für den Verkehr auf der Erde: Das europäische Satelliten-Navigationssystem Galileo soll auf den Meter genau zeigen, wo man sich befindet. Bild: ESA
Präzision aus dem Weltraum für den Verkehr auf der Erde: Das europäische Satelliten-Navigationssystem Galileo soll auf den Meter genau zeigen, wo man sich befindet. Bild: ESA

Eine wichtige Frage sollte vielleicht direkt am Anfang geklärt werden: Warum – so werden sich viele fragen – muss es ein weiteres Satelliten-Navigationssystem geben, wenn man mit dem bekannten GPS heute doch schon so wunderbar navigieren kann? Die Antwort: Das GPS-System wird von der Regierung der USA betrieben und wurde ursprünglich für militärische Zwecke entwickelt. Zwar gibt es seit einigen Jahren auch eine öffentliche Nutzung. Aber die Europäer hatten den Wunsch, selbst ein eigenes ziviles Satellitensystem zu entwickeln, um möglichst unabhängig zu sein. Unter anderem auch deshalb, weil die US-Regierung ihr GPS-System im Krisenfall jederzeit einschränken oder seine Genauigkeit verschlechtern, das System also möglicherweise künstlich „verdummen“ könnte. Und Geld verdienen kann man mit der Geräteherstellung und all den Zusatzdiensten auch, so dass europäische Firmen es hier dank Galileo auf dem Weltmarkt leichter haben könnten.

Viele Anwendungsgebiete

Diese künstlerische Darstellung zeigt das Galileo-System. Bild: ESA
Diese künstlerische Darstellung zeigt das Galileo-System. Bild: ESA

Der Plan für Galileo sieht so aus: Insgesamt 30 Satelliten werden auf eine Höhe von etwa 23.000 Kilometer gebracht, wo sie andauernd die Erde umkreisen. Mit Hilfe eines kleinen Empfängers kann man dann sehr genau seine eigene Position bestimmen. In der frei zugänglichen Version soll eine Genauigkeit von etwa vier Metern erzielt werden. Wenn man gegen Gebühr auch noch Zusatzdienste nutzt, lassen sich sogar Genauigkeiten von unter einem Meter erreichen. Zum Vergleich: Das GPS liefert in der öffentlichen Version eine Genauigkeit von nur zehn Metern. Wenn zum Beispiel zwei Straßen dicht nebeneinander verlaufen, hat Galileo also deutliche Vorteile: Dann kann das europäische System ganz genau erkennen, auf welcher der beiden Straßen man fährt – Verwechslungen praktisch ausgeschlossen. Oder ob man auf einer mehrspurigen Fahrbahn jetzt die Spur wechseln sollte, weil man gleich rechts abbiegen muss. Unglaublich: Ein Auto „hört“ die Signale von Satelliten, die Tausende von Kilometern weit weg im All sind! Und das System „weiß“, ob du einen Meter weiter links oder rechts stehst …

Keine Konkurrenz zum GPS

Hier wird einer der Galileo-Satelliten vor dem Start gründlich überprüft. Bild: ESA
Hier wird einer der Galileo-Satelliten vor dem Start gründlich überprüft. Bild: ESA

Im Dezember 2016 erklärte die EU, dass jetzt erste Galileo-Dienste in Betrieb gehen. Bis Galileo in vollem Umfang genutzt werden kann, müssen aber noch einige der Navi-Satelliten ins All befördert werden. Und wenn das Navigationssystem eines Tages komplett ist, wird es keine Konkurrenz zum GPS sein. Die unterschiedlichen Systeme sollen sich vielmehr gegenseitig ergänzen. Das haben Europäer und Amerikaner so vereinbart.