Ziemlich spektakulär: ISS vom Boden aus gefilmt


Vielleicht hast du schon einmal in der Abenddämmerung die Internationale Raumstation ISS als hellen Punkt über den Himmel ziehen sehen. Wenn nicht: Hol das irgendwann mal nach – es lohnt sich! Mit einem guten Fernglas und ein wenig Glück kannst du dabei sogar etwas von der Form der ISS erahnen. Für mehr Einzelheiten reicht die Vergrößerung dann aber nicht aus. Wie ein ISS-Überflug in einem großen Fernrohr bei hoher Vergrößerung aussieht, siehst du in dem kurzen aber spektakulären Film, den du auf dieser Seite abspielen kannst.

Die ISS im Anflug. Eigentlich ist sie als heller Punkt zu sehen. Durch die Langzeitbelichtung wird beim Foto dann daraus ein Strich. Und wie die Raumstation im „Fernrohr-Film“ aussieht, erfahrt ihr hier ebenfalls. Bild: K.-A.

6. Dezember 2010 – Die ISS ist etwa 100 Meter lang und mit ihren Sonnensegeln auch ungefähr so breit. Damit ist sie zwar die größte Struktur, die Menschen bisher in die Umlaufbahn um die Erde gebracht haben. Trotzdem erscheint sie vom Boden aus winzig klein. Der Grund: Auch bei einem direkten Überflug kommt sie uns nicht näher als 350 Kilometer. Dann erscheint sie so groß wie der Kölner Dom – allerdings von Berlin aus betrachtet!

 7.12 Ziemlich spektakulär: ISS vom Boden aus gefilmt

Dieses Video zeigt die ISS – gefilmt vom Boden aus. Quelle: Lindemann, Huber, Nagel

Wer Einzelheiten sehen will, braucht ein Fernrohr mit sehr hoher Vergrößerung. Das Dumme ist nur, dass die ISS mit 28.000 Stundenkilometern über die Erde hinwegrast. Selbst wenn man sie in das kleine Gesichtsfeld eines starken Teleskops hineinbekommen hat, ist sie daher ganz schnell wieder daraus verschwunden.

ISS per „Huckepack“ aufgespürt

Um die ISS mit einem großen Fernrohr länger im Blick zu haben, hilft nur eine automatische Steuerung. Und genau so etwas haben drei Münchner Sternfreunde für das große Teleskop ihrer Volkssternwarte gebaut.

Das funktioniert so: Zuerst holt sich der Steuercomputer aus dem Internet die neuesten Bahndaten der ISS und rechnet aus, wo am Horizont die ISS beim nächsten Umlauf auftauchen wird. Er fährt das Teleskop zu dieser Position und lässt es dort in Wartestellung lauern. Huckepack auf dem großen Hauptfernrohr sitzt ein kleines Nachführ-Teleskop mit einer Videokamera.

Die Münchner Sternfreunde Josef Huber, Dr. Klaus Nagel und Tobias Lindemann (von links nach rechts) vor dem Spiegelteleskop der Münchner Sternwarte, das sie für die ISS-Beobachtung benutzt haben. Bild: Lindemann, Huber, Nagel
Im Bild dieser Kamera sucht der Computer nach dem Lichtpunkt der sich nähernden Raumstation. Und sobald der Computer die ISS entdeckt hat, setzt er die Motoren des großen Teleskops in Bewegung und richtet es so aus, dass die ISS genau in der Bildmitte ist – und da auch so lange bleibt, bis sie auf der anderen Seite des Himmels wieder am Horizont verschwindet. Damit kann die Raumstation in aller Ruhe bei 250-facher Vergrößerung betrachtet oder mit einer Videokamera selbst von der Erde aus gefilmt werden. Die drei Münchner Sternfreunde haben das so gemacht – und DLR_next dankt ihnen herzlich für das Video und unserem DLR-Kollegen Rolf Hempel für den erklärenden Text dazu.

Übrigens: Tipps, wann und wo und wie du selbst die ISS am Himmel sehen kannst, findest du hier.