1.2 m Teleskop auf Calar Alto

14. April 2010

Ein Abkommen über wissenschaftliche Zusammenarbeit mit dem Deutsch-Spanischen Astronomie Zentrum am Calar Alto in Spanien ermöglicht unseren Wissenschaftlern den Zugriff auf das 1.2 m Fernrohr des Observatoriums für 100 Nächte im Jahr.

 Das 1.23m Teleskop des deutsch-spanischen Observatoriums auf dem Calar Alto
zum Bild Das 1.23m Teleskop des deutsch-spanischen Observatoriums auf dem Calar Alto

Die Beobachtungen können dank einer aus Deutschland stammenden Montierung am Ritchey-Chretien Teleskop vollkommen ferngesteuert vom Kontrollraum in Berlin über das Internet gesteuert werden. Das mit einer großformatigen CCD Kamera ausgestattete Teleskop wird hauptsächlich für fotometrische, spektroskopische und astrometrische Messungen an Asteroiden und Kometen im visuellen Spektralbereich verwendet.

Für ein besseres Verständnis der Entstehung und Entwicklung des Sonnensystems ist eine genaue Untersuchung der unzähligen Asteroiden und Kometen notwendig. Dabei handelt es sich um eine schwierige Aufgabe, da fast kein Teleskop auf der Erde in der Lage ist, Asteroiden und Kometen räumlich aufzulösen. Trotz dieses Hindernisses existieren Methoden mit denen man auch ohne die Objekte aufzulösen deren physikalischen Eigenschaften untersuchen kann. Im Mittelpunkt steht dabei die Interpretation von Lichtkurven (periodische Helligkeitsschwankungen), aus denen auf das Rotationsverhalten und die Form der Objekte geschlossen werden kann. Weiterhin werden mit den komplexen Modellen Asteroidensysteme (Asteroiden mit Monden) entdeckt und charakterisiert. Eine Klasse von Himmelskörpern, die häufig beobachtet werden sind die Jupiter-Trojaner, eine spezielle Gruppe von Asteroiden in Resonanz mit Jupiter.

 Verteilung der Jupiter-Trojaner im Sonnensystem.
zum Bild Verteilung der Jupiter-Trojaner im Sonnensystem.

Eine weitere Methode zur Erforschung der Asteroiden ist die Beobachtung der von ihnen verursachten Okkultation (Bedeckung) von Sternen. Durch die Länge des Ereignisses und die genaue Kenntnis der Umlaufbahn des Asteroiden lässt sich dessen Größe trotz der enormen Distanz zum Beobachter relativ genau bestimmen. Weiterhin werden Kometen zur Untersuchung deren Koma sowie erdnahe Objekte (NEOs) studiert.

Um den wissenschaftlichen Nutzen der mit Calar Alto aufgenommenen Daten zu maximieren, wird auch nach zufällig auf den Bildern befindlichen Asteroiden gesucht und deren Positionen zur Auswertung an das Minor Planet Center geschickt. So werden Umlaufbahnen von bereits bekannten Asteroiden genauer bestimmt und neue Asteroiden entdeckt.

In manchen Fällen werden auch Ereignisse außerhalb unseres Sonnensystems wie Transits von extrasolaren Planeten vor deren Sonnen observiert. Solche Beobachtungen dienen der Bestimmung der physikalischen Eigenschaften von extrasolaren Planeten sowie der Charakterisierung der Bahnen, auf denen die Planeten um ihre Sonne ziehen. Weiterhin ist das Teleskop Teil eins Verbunds von Observatorien zur schnellen optischen Beobachtung von spontan auftretenden Gammastrahlenausbrüchen, einer Begleiterscheinung von Supernovae, die über viele Tausend Lichtjahre entfernt sichtbar sind.




URL dieses Artikels
http://www.dlr.de/pf/desktopdefault.aspx/tabid-174/319_read-23708/