Die im Inneren eines planetaren Körpers ablaufenden Prozesse bewirken an dessen Oberfläche unter anderem die Bildung von tektonischen Strukuren wie Gebirgsketten und Gräben. Dabei spiegeln die heute vorhandenen Strukturen die physikalischen Eigenschaften der Lithosphäre zur Zeit ihrer Entstehung wider. Ihre Analyse ermöglicht es uns somit, Aufschlüsse über die Entwicklung der planetaren Lithosphäre zu gewinnen. Beispiele für durch tektonische Prozesse gebildete Oberflächenformationen finden sich im gesamten Sonnensystem: Kompressive Strukturen prägen die Oberflächen von Mond und Merkur, Mars und Venus zeigen zusätzlich ausgeprägte Dehnungsstrukturen und auch die Oberflächen der Eismonde im äußeren Sonnensystem sind von derartigen Stukturen überzogen. Dabei können sich die für die Deformationen verantwortlichen Prozesse unter Umständen erheblich unterscheiden. Bei ihrer Simulation müssen so immer die Besonderheiten der jeweiligen planetaren Körper berücksichtigt werden. Datenmaterial Tektonische Strukturen können anhand von Bildmaterial identifiziert werden, das inzwischen für viele Monde und Planeten in hoher Qualität vorliegt. Für eine physikalische Modellierung werden zusätzlich topographische Informationen benötigt, die z.B. durch stereographische Rekonstruktion des vorhandenen Bildmaterials gewonnen werden können. Digitale Höhenmodelle, die mit speziellen Instrumenten im Rahmen von Satellitenmissionen erstellt wurden, liegen für Erde, Venus, Mond und Mars sogar global vor. Ein topographisches Modell des Merkurs soll im Rahmen der 2004 gestarteten Messenger Mission der NASA aufgenommen werden. Numerische Simulationen Wir simulieren die Bildung tektonischen Strukturen mit Hilfe von ein- und zweidimensionalen strukturmechanischen Modellen. Dabei kommen sowohl halbanalytische als auch Finite Elemente Modelle zum Einsatz. Diese werden mit der tatsächlichen Topographie verglichen, um die elastischen Eigenschaften der Lithosphäre zu bestimmen. So ist es möglich, einen Blick unter die Oberfläche und in die Vergangenheit des Planeten zu werfen und Aufschlüsse über die physikalischen Eigenschaften der Lithosphäre zu gewinnen. Da diese wiederum sehr stark temperaturabhängig sind, erlauben die so gewonnenen Daten auch Rückschlüsse auf die thermische Evolution des Planeten.