FAQ Europäisches Feuerkugelnetz

Ostsee-Feuerkugel vom 17.01.2009



 Ionosonde-Ostsee
zum Bild Ionosonde-Ostsee

Das Bild zeigt eine Aufnahme der Ionosonde in Juliusruh auf Rügen um 20:13 Uhr MEZ. Um diese Uhrzeit werden sonst nur Signale aus Höhen über 250 km empfangen. Etwa 5 Minuten nach dem Fall der Feuerkugel zeigt sich ein deutliches Echo zwischen ca. 90 und 100 km über den gesamten Frequenzbereich (waagerechter Streifen). Das Echo resultiert aus der Ionisierung der Atmosphäre durch die Feuerkugel in diesem Höhenbereich.

Feuerkugel in Norddeutschland
Am Samstag, dem 17.01.2009 wurde in Norddeutschland und Skandinavien kurz nach 20:08 MEZ eine sehr helle Feuerkugel beobachtet. Während typische Meteore - im Volksmund auch Sternschnuppen genannt - am Himmel weniger als eine Sekunde leuchten und sich als kurzer heller Strich zeigen, handelt es sich bei einer Feuerkugel um einen besonders hellen Meteor. Die Feuerkugel war heller als der Vollmond und etwa drei Sekunden lang sichtbar. Hinweise auf Spuren entlang der Feuerkugelbahn in der Atmosphäre - ähnlich einem Flugzeugkondensstreifen - wurden noch etwa 5 Minuten später über Nord-Rügen gemessen.

Meteoritenfälle sind selten
Die am 17. Januar 2009 beobachtete Feuerkugel bewegte sich von Schweden kommend in Richtung Mecklenburg-Vorpommern und wurde auf einem Video in Schweden und einem Foto aus den Niederlanden aufgezeichnet. Abschätzungen aufgrund von Augenzeugenberichten deuten auf einen möglichen Meteoritenfall in der Ostsee hin. Die Feuerkugel scheint mehrfach auseinander gebrochen zu sein, weshalb von mehreren Bruchstücken in einer so genannten Streuellipse ausgegangen werden kann. Ohne weitere fotografische Dokumente kann der Ort des Niederganges jedoch nicht näher eingegrenzt werden. Weitere wissenschaftliche Untersuchungen sind auf Grund der geringen zur Verfügung stehenden Daten gegenwärtig nicht möglich. Die teilweise dichte Wolkendichte hat Aufnahmen durch das Europäische Feuerkugelnetz nicht zugelassen.

Meteore und Feuerkugeln
Meteore und Feuerkugeln werden verursacht von kleinen Teilchen aus dem Weltraum, die mit Geschwindigkeiten zwischen 20 und 70 km/sec in die Erdatmosphäre eintreten. Die meisten sind kleiner als Sandkörnchen und verglühen bereits in der Hochatmosphäre. Ab einer gewissen Größe und weiteren gegebenen Voraussetzungen können Reste des ursprünglichen Körpers den Sturz durch die Atmosphäre überstehen; die Fundstücke werden dann Meteorite genannt.

Das Europäische Feuerkugelnetzwerk
Zur photographischen Erfassung von Feuerkugeln betreibt das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt den deutschen Teil des Europäischen Feuerkugelnetzwerks. Das Netz besteht aus 25 Kamerastationen, davon 15 in Deutschland, die jede Nacht ein Bild des gesamten Himmels aufnehmen (All-Sky Bilder). Durch den Abstand von etwa 100 km zwischen den einzelnen Stationen kann aus den unterschiedlichen Blickwinkeln die Bahn des fallenden Körpers berechnet werden. Aus den Bahndaten lässt sich sowohl die Herkunft des Körpers bestimmen, als auch - im Fall eines Meteoriten - der mögliche Absturzort auf der Erde.

Die Kameras des Europäischen Feuerkugelnetzwerks zeichnen über Deutschland etwa drei Feuerkugeln pro Monat auf. Da die Kameras nur Nachts und bei klarem Himmel arbeiten, kann die Gesamtzahl pro Monat auf etwa 10 Feuerkugeln geschätzt werden. Trotz einer Vielzahl von teilweise spektakulären Meteorbeobachtungen geht in Deutschland nur etwa ein Meteorit pro Jahr nieder. Nur in seltenen Fällen wird solch ein Meteorit auch gefunden. Der letzte große Fund war der Meteorit Neuschwanstein, der 2002 in der Nähe des gleichnamigen Schlosses in Südbayern niederging. Die Bestimmung des Fundortes gelang aufgrund von Berechnungen durch Spezialisten des Europäischen Feuerkugelnetzes.

Erweiterte Beobachtungen
Im November 2008 beschloss die ESA (European Space Agency) ein Programm zur Überwachung des erdnahen Weltraums zum Schutz vor Weltraumwetter, Weltraummüll, sowie erdnahen Asteroiden. Das Ereignis vom letzten Wochenende zeigt anschaulich die Notwendigkeit dieses Programms.


Kontakt
Prof.Dr. Jürgen Oberst
Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)

Institut für Planetenforschung
, Planetengeodäsie
Tel: +49 30 67055-336

Fax: +49 30 67055-402

E-Mail: Juergen.Oberst@dlr.de
URL dieses Artikels
http://www.dlr.de/pf/desktopdefault.aspx/tabid-724/1201_read-15404/