Von Sonntag bis Dienstag trafen sich Parlamentarier nationaler Parlamente unter deutscher Präsidentschaft zur Jahrestagung der Europäischen Interparlamentarischen Weltraumkonferenz (EIWK) im Paul-Löbe-Haus des deutschen Bundestags in Berlin. „Die Raumfahrt ist ein wirklich europäisches Projekt, das nur in gemeinsamer Zusammenarbeit gelingen kann“, begrüßte der CDU-Bundestagsabgeordnete Klaus-Peter Willsch, Vorsitzender der Parlamentsgruppe Luft- und Raumfahrt (PGLR), die EIWK-Delegationen aus Belgien, Deutschland, Großbritannien, Italien, Luxemburg, Polen, Rumänien, Tschechien und Russland sowie den Beisitzern aus Estland, Japan und Taiwan.
Vor allem im Bereich des europäischen Raumfahrtflaggschiffprogramms GMES (Global Monitoring for Environment and Security) mahnten die Parlamentarier die Europäische Kommission zur Weitsicht: GMES dürfe nicht - wie derzeit von der Kommission vorgesehen - aus dem mittelfristigen Finainzrahmen der EU genommen werden. Diese Ansicht wurde auch von Vittorio Prodi, dem Vorsitzenden der Sky and Space Intergroup des Europäischen Parlaments und Jean-Jacques Dordain, dem Generaldirektor der ESA unterstützt.
Der Vorstandsvorsitzende des DLR, Prof.-Dr. Ing. Johann-Dietrich Wörner, unterstrich die Vielzahl von Aufgaben des DLR, auch im Bereich Verkehr und Energie, mit Nutzen für die Allgemeinheit. Der Vertreter des Verteidigungsministeriums, Parlamentarischer Staatsekretär Christian Schmidt, ergänzte, dass Raumfahrtanwendungen aus dem militärischen Bereich nicht mehr wegzudenken seien. Prof.-Dr. Ing. Johann-Dietrich Wörner betonte des Weiteren den Nutzen von Satellitenbildern für das zivile Krisenmanagement. Die Beteiligten waren sich einige: Das Bewußtsein für die Bedeutung der Raumfahrt für die Gesellschaft gelte es, dringend weiter zu fördern.
Ein weiterer Schwerpunkt des Beitrages von Vorstandsvorsitzendem Prof. Dr.-Ing. Wörner war die Arbeitsverteilung auf europäischer Ebene nach in Kraft treten des Vertrags von Lissabon. Neben der ESA hat mit dem Lissabonner-Vertrag auch die EU eine parallele Kompetenz in der Raumfahrt erhalten. Auf Basis einer Analyse der Stärken und Schwächen, gilt es die einzelnen Akteure, d.h. EU, ESA und die einzelnen Mitgliedstaaten, zu einer optimalen Synergie zusammenzuführen.
Der Koordinator der Bundesregierung für die deutsche Luft- und Raumfahrt, Parlamentarischer Staatssekretär Peter Hintze, machte die Bedeutung der Internationalen Raumstation ISS deutlich. Die Raumstation sollte mindestens bis zum Jahr 2020 in Betrieb bleiben, um die einzigartigen Forschungsmöglichkeiten zum Wohle der Allgemeinheit optimal zu nutzen.
Am zweiten und abschließenden Konferenztag verabschiedeten die anwesenden Vollmitglieder der EIWK die XIII. Resolution sowie ihre neuen Statuten. Die wichtigsten Neuerungen dieser sogenannten Charta sind die Einführung der Trio-Präsidentschaft und die Klarifizierung der Mitgliedschaft. Im kommenden Jahr wird Polen die Präsidentschaft übernehmen, 2013 Belgien. Die Präsidentin des estnischen Parlaments hat während der diesjährigen Jahrestagung Ihren Beitrittswunsch offiziell bekundet und sich für ein schnelles Beitrittsverfahren ausgesprochen. Die Vollmitglieder haben dies positiv aufgenommen und werden während der Jahrestagung 2012 darüber beraten.
Die deutsche Delegation unter dem Vorsitz von Klaus-Peter Willsch (MdB) wurde sowohl inhaltlich als auch organisatorisch vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt unterstützt.