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Der „letzte Mann“ auf dem Mond zu Besuch in Berlin - Apollo 17-Kommandant Eugene A. Cernan berichtet über seine Missionen



 Der „letzte Mann auf dem Mond“ auf der Straße des 17. Juni in Berlin.
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„Always shoot for the Moon – even if you miss you will land somewhere among the Stars”, ein Zitat von Apollo-Astronaut Eugene A. Cernan, das den Menschen und Wissenschaftlern von heute Inspiration vermitteln möchte. Es gibt noch viel zu erforschen, und die Ziele sind interessant und wertig.

Vom 3. - 4. Juni hat Eugene A. Cernan, der Kommandant der Mondmission von Apollo 17, dem Deutschen Bundestag, der US Botschaft, der Technischen Universität Berlin und dem DLR in Berlin-Adlershof einen Besuch abgestattet und sowohl über seine Mondlandung von 1972 als auch über seine absolvierten Vorläufer-Missionen Gemini IX und Apollo 10 berichtet.

Cernan verließ am 14. Dezember 1972 als letzter von insgesamt 12 Astronauten des amerikanischen Apollo-Programms den Mond. Von den sechs erfolgreichen Apollo Missionen dauerte Apollo 17 am längsten und war wissenschaftlich mit Abstand am ergiebigsten.

Anlass des Besuchs von ‚Gene’ Cernan in Deutschland war die Übergabe eines Mondsteins an das Technikmuseum Speyer. Die 173 Gramm schwere Mondprobe aus vulkanischem Basalt hatten Cernans Kollegen Dave Scott und Jim Irwin während ihrer Apollo 15-Mission am 1. August 1971 an der Hadley Rille aufgesammelt. Der Stein ist etwa 3,4 Milliarden Jahre alt und eine Dauerleihgabe der NASA an das Museum.

 Eugene Cernan im Gespräch mit deutschen Schülern in der US-Botschaft
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Nach der Veranstaltung in Speyer war der „Moonwalker“ weiter in die Bundeshauptstadt gereist, um Gespräche mit Politik und Wissenschaft zu führen. Erste Station war das Institut für Planetenforschung des DLR in Berlin-Adlershof. Die Wissenschaftler unter der Leitung von Direktor Prof. Dr. Tilman Spohn bereiteten ihm einen herzlichen Empfang. Viele der jungen Wissenschaftler sind heute noch in Projekte mit Mondgestein involviert und nutzten die einmalige Gelegenheit, den arrivierten Astronauten persönlich sowohl zu seinen Missions-Experimenten als auch zur Landesstelle zu befragen und empfanden dies als ein absolutes Highlight ihrer bisherigen Arbeit: „Einer der tollsten Tage beim DLR“, so ein junger Mitarbeiter.

Nächste Station war die US Botschaft. Frau Katharina Gollner-Sweet, Kulturattaché der Botschaft, hatte zum Informationsaustausch geladen, an dem u.a. auch Schüler teilnahmen. Vertreter von drei Berliner Schulen lauschten aufmerksam dem spannenden Vortrag des „letzten Manns“ auf dem Mond. Ulrich Köhler vom Institut für Planetenforschung des DLR gab den Schülern eine Einführung in die Mondforschung in Deutschland im Allgemeinen. Frau Gollner-Sweet dankte dem DLR für die einmalige Gelegenheit dieser hervorragenden Kooperation und sagte weitere Projekte zu.

Weitere Station in Berlin war der Besuch der Technischen Universität, die eng mit dem DLR zusammen arbeitet. Zahlreiche Studenten nehmen teil am DLR „Graduate Programm“ und werden an der Universität durch Mitarbeiter des DLR betreut, die dort als Professoren tätig sind.

 Im Gespräch über die Zukunft der Raumfahrt: Eugene Cernan mit Prof. Dr. Johann-Dietrich Wörner, Prof. Dr. Hansjörg Dittus und Klaus-Peter Willsch MdB.
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Der Vizepräsident der Technischen Universität, Prof. Dr. Hans-Ulrich Heiß, begrüßte den Ehrengast, die DLR Delegation und die mehr als 800 Studenten im vollen Vorlesungssaal und wies dezidiert auf die enge und wichtige Kooperation mit dem DLR hin; dann übergab er das Wort an Prof. Dr. Hansjörg Dittus, Vorstandsmitglied des DLR. In seinem Vortrag warb dieser für den wissenschaftlichen Nachwuchs und sagte, dass das DLR alle Anstrengungen unternehme, zu fördern und auszubilden, um den Forschungsstandort Deutschland weiterhin attraktiv zu erhalten. Schließlich folgte der Höhepunkt der Veranstaltung, die Präsentation von Gene Cernan. Die Studenten zeigten sich begeistert von den Schilderungen der Missionen und über den ungebrochenen Enthusiasmus, den er vermittelte. Die positive Resonanz zeigte sich auch an den zahlreiche Fragen, die an den Astronauten gerichtet wurden. Eine interessante und inspirierende Begegnung für beide Seiten.

Abschluss bildete die Begegnung mit Vertretern des Deutschen Bundestages und Prof. Dr. Johann-Dietrich Wörner, dem Vorstandsvorsitzenden des DLR. Hier stand in erster Linie die Zukunft der Raumfahrt im Mittelpunkt, speziell die Mission zum Mars. Cernan glaubt fest daran, dass man in den nächsten 30 Jahren zum Mars fliegen wird, und erläutere den Abgeordneten, dass dies seines Erachtens aber nur im Rahmen einer internationalen Kooperation gelingen wird. In den Zeiten der Kennedy Ära waren die Voraussetzungen ähnlich schwierig und dennoch war man erfolgreich. Die Arbeit von damals hätte ihren Nutzen nicht nur in konkreten Anwendungsmöglichkeiten, sondern weil sie viele Menschen inspiriert hat, sich für die Wissenschaft zu entscheiden und dies in den unterschiedlichsten Fachgebieten und diesem Gedanken sollte man folgen, so Cernan.

Der heute 79-jährige Eugene A. Cernan ist neben dem 2012 verstorbenen Neil Armstrong und Buzz Aldrin der bekannteste der zwölf so genannten „Moonwalker“. Bei seiner ersten Mission Gemini 9A (1966), einem Vorläuferprojekt von Apollo, führte einen Außenbordeinsatz durch. Bei seiner zweiten Mission, Apollo 10 war er Pilot der Mondfähre. Diese Mission war die Generalprobe für Apollo 11, der ersten Mondlandung am 20. Juli 1969. Bei seiner dritten Mission mit Apollo 17 war er Kommandant und betrat am 11. Dezember 1972 zusammen mit dem Wissenschaftsastronauten Harrison Schmitt den Mond. Cernan ist auch der Astronaut, der den Mond am 14. Dezember 1972 als vorerst letzter Mensch verlassen hat. Er ist derjenige „Moonwalker“, der sich am längsten außerhalb der Mondfähre aufgehalten hat. Während der drei Exkursionen verbrachte er 22 Stunden, 3 Minuten und 57 Sekunden auf der Mondoberfläche.

 Commander Eugene Cernan mit dem Lunar Rover im Landegebiet von Apollo 17 Taurus-Littrow
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Im Rahmen dieser drei Exkursionen legten Schmitt und Cernan mit ihrem Lunar Rover 35,9 Kilometer zurück, das ist die längste Strecke der drei Missionen von Apollo 15-17, bei denen der Rover zum Einsatz kam. Sie sammelten im Gebiet von Taurus-Littrow, einem Tal am Ostrand des Mare Serenitatis, insgesamt 110,4 Kilogramm Mondgestein ein. Nach dem Rückstart landete die Raumkapsel am 17. Dezember 1972 sicher im Pazifischen Ozean.

Wann fliegen wir wieder zum Mond und was können wir dort erforschen?

Die Mondlandungen des Apollo-Programms waren von großer wissenschaftlicher Bedeutung. Erst mit den Gesteinsproben, die von den Astronauten eingesammelt und zur Erde gebracht wurden, konnte geklärt werden, wie sich das Sonnensystem und damit auch die Erde und der Mond vor viereinhalb Milliarden Jahren gebildet und sich die erdähnlichen Planeten entwickelt haben. Ein umfangreiches experimentelles Programm, das von den Astronauten auf der Mondoberfläche durchgeführt wurde, diente zur Beantwortung fundamentaler Fragen zur Frühzeit unseres Sonnensystems.

Die fast 400 Kilogramm Mondproben – manche von ihnen über vier Milliarden Jahre alt – sind das wertvollste Erbe der Apollo-Ära. In ihnen steckt ein Großteil der Geschichte unseres Sonnensystems. Auf der Erde gibt es so gut wie keine Gesteine, die so alt sind wie die Mondproben, weil sich die Erde durch den globalen Prozess der Plattentektonik ständig verändert, die Kruste sozusagen recycelt wird.

Zu dieser Zeit hatte sich die Erde gerade gebildet und umrundete als glühend heiße Kugel die junge Sonne, als sie von einem Körper so groß wie der Planet Mars getroffen wurde. Soweit die aktuell gängige Theorie. Aus dem Material, das dabei verdampfte und ins All geschleudert wurde, entstand der Mond. Erde und Mond kühlten sich langsam ab und es bildete sich eine Kruste aus Gestein. Später erst kam auf der Erde das Wasser dazu. Gleichzeitig wurden beide Himmelskörper aufs Heftigste von Asteroiden und Kometen getroffen. Die Spuren dieses frühen, heftigen Bombardements sehen wir noch heute auf dem Mond in Form der zahlreichen Krater auf der Oberfläche.

Heute ist der Mond vollständig kartiert. Wir kennen durch zahlreiche Satellitenmissionen die gesamte Oberfläche. Das DLR erstellte erst kürzlich mit Stereobilddaten des amerikanischen Orbiters Lunar Reconnaissance-Orbiters das bisher präziseste digitale Oberflächenmodell der gesamten Mondoberfläche. Professor Jürgen Oberst vom Institut für Geodäsie und Geoinformationstechnik der TU Berlin war bei diesem am DLR-Institut für Planetenforschung durchgeführten Projekt federführend. Auch wenn gegenwärtig keine Rückkehr zum Mond mit Menschen geplant ist, bleibt der Mond eines der wichtigsten Forschungsobjekte der Planetenforschung mit robotischen Sonden. Zahlreiche aktuelle und geplante Mondmissionen vor allem der aufstrebenden Raumfahrtnationen Japan, China und Indien unterstreichen das Interesse am Mond.

 

 
 Im Hörsaal der Technischen Universität Berlin hält E. Cernan einen Vortrag vor 800 Studenten.
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 Treffen mit Vertretern des Deutschen Bundestages: Eugene Cernan trifft Klaus-Peter Willsch MdB.
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 Der Vizepräsident der TU Berlin, Prof. Dr. Hans-Ulrich Heiß, im Gespräch mit Eugene Cernan
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Kontakt
Vanadis Weber
Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)

Politik- und Wirtschaftsbeziehungen

Tel: +49 2203 601-3068

E-Mail: vanadis.weber@dlr.de
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