aktuelle Videos

Kunst schwebt



Wien, Kunsthalle, Sommer 2011: 50 Jahre nach dem ersten astronautischen Raumflug zeigt eines der führenden Kunsthäuser Europas eine ungewöhnliche Ausstellung: „Weltraum – Die Kunst und ein Traum“. Das DLR entsendet einen Mitarbeiter nach Wien, der für das DLR Magazin berichten soll. Die Kuratorin der Ausstellung führt durch ein halbes Jahrhundert Kunst und Raumfahrt, Raumfahrt und Kunst. Große sind in Wien vertreten: Keith Tyson, Turner-Preisträger 2002, und Julieta Aranda, Biennale-Künstlerin; aber mit Rauschenberg, Warhol u.a. viele Vertreter der Moderne. Wie wäre es aber, Wissenschaftler, Künstler und Politiker zusammenzubringen und in der Schwerelosigkeit wirken zu lassen? Es geht. Noch in der Kunsthalle initiiert das DLR das Projekt „Kunst schwebt“.

Die Leichtigkeit des Grundgesetzes

Die Antwort findet sich an überraschendem Ort: im Grundgesetz (GG). Schnell werden sich die Partner einig, einen Gedanken mit Leben zu erfüllen, der in der Verfassung so ausgedrückt wird: „Kunst und Wissenschaft, Forschung und Lehre sind frei.“ (Art. 5 GG). Die Väter und die eine Mutter des „GG“ wollten diese zwei Bereiche kulturellen Lebens, die in Zeiten des Nationalsozialismus zu Terrorzwecken instrumentalisiert oder mit Terrormitteln bekämpft worden waren, vorbehaltlos schützen. Auch heute schützen, fördern, und vor allem sichern Politiker die Rahmenbedingungen der Freiheit von Wissenschaft und Kunst, ja, politische Arbeit schafft erst diese Freiheiten. So entstand in einer Kunstausstellung… ein politisches Projekt; es sollte die Themen Wissenschaftsfreiheit und Freiheit der Kunst in die Schwerelosigkeit führen

Die Gravität der Schwerelosigkeit

Dr. Ulrike Friedrich leitet im DLR die Parabelflugprojekte. „Forschung unter Weltraumbedingungen“ heißt ihr Fachgebiet, Mikrogravitation lautet das Fachwort für das, was Laien als „Schwerelosigkeit“ bezeichnen. Auf Parabelflügen experimentieren Wissenschaftler mit besonders ausgesuchten und für diese Flüge zugelassenen Projekten; die Auswirkungen der Mikrogravitation auf die Experimentanordnungen werden erfasst. Jeweils 22 Sekunden herrscht an Bord des Flugzeugs während einer parabelförmigen Flugkurve quasi Schwerelosigkeit. Bis zu 60 Parabeln werden geflogen; schweben Personen mit, sind es 15 bis 30 Parabeln. Dr. Ulrike Friedrich musste von der Idee eines gemeinsamen Parabelflugs von Wissenschaftlern, Künstlern und Politikern nicht überzeugt werden: Sie sagte begeistert „Ja“ und regte für das Projekt einen Jahrestag an: den der 20. Parabelflugkampagne des DLR im September 2012. Von nun an begann das Projektteam die Arbeit: Drei Künstler, der Düsseldorfer Professor der Kunstakademie, Thomas Ruff, die Mexikanerin Julieta Aranda und der österreichische Autor Clemens Berger schufen ihre Kunst – an Bord der „ZERO G“. Die hoch anerkannten Künstler waren von Kuratorin Catherine Hug angefragt worden. Hug kuratierte später auch „Kunst schwebt“ an Bord des Parabelflugzeugs. Die Künstler selbst hatten freudig, wenn auch teilweise skeptisch zugesagt. Skeptisch, weil nicht jeder von ihnen sich vorstellen konnte, wie er in der Schwerelosigkeit ein Kunstprojekt würde ausführen können. Der Autor und Schriftsteller Clemens Berger versuchte, wohl als erster Mensch überhaupt, eine Dichterlesung in Schwerelosigkeit. Sogar Kulturstaatsminister Bernhard Neumann wäre „liebend gerne“ mitgeflogen. Er ist der Raumfahrt lange verbunden, war aber am Flug verhindert. Dennoch: Die Idee entlockte ihm ein großes Lob: „Ich war immer von der Schwerelosigkeit fasziniert, aber dass man sie zur künstlerischen Arbeit nutzt, daran hätte ich nicht zu denken vermocht, eine tolle Sache. Ein großes Lob dem DLR!“

Die Schwere der Leichtigkeit

Bordeaux, Flughafen Merignac, Februar 2012: Was leicht aussieht, ist hart erarbeitet. Vor dem Flug wurden die Künstler vom Projektteam, insbesondere von Dr. Friedrich und ihrem Stellvertreter, Dr. Hans-Ulrich Hoffmann, ausführlich eigewiesen. Selbst der zunächst skeptische Künstler schlug nun eigene Projekte vor; die Spannung und die Erwartungshaltung wuchsen. In den folgenden Wochen mussten die von den Künstlern eingereichten „Experiment“-Vorschläge aufihre „Flugtauglichkeit“ hin bewertet werden. Kunst und Wissenschaft blieben frei und ordneten sich allein technischen und betrieblichen Rahmenbedingungen unter. Niemand griff in die Entscheidungsfindung und die Ideen der Künstler ein. Wenn wir sagen: Kunst und Wissenschaft, dann ist dies in doppeltem Sinne zu verstehen: Beim Flug selbst sollten nämlich neben der Kunst/den Künstlern auch Wissenschaftsexperimente geflogen werden; außerdem hatten sich Thomas Ruff und Julieta Aranda Experimente überlegt, die Bezug zu Wissenschaft und Hochtechnologie aufwiesen: Ruff würde sich auf eine Marsmission beziehen, Aranda bei einem ihrer drei Projekte Bezug auf die Raumflüge von Gagarin und Armstrong nehmen.

Kunst, schwerelos…

Bordeaux, Berlin, September 2012: Als erster schwebt MdB Klaus Ernst ins Bild, neben ihm ein Projektwissenschaftler und Julieta Aranda. Kurz zuvor saß die Künstlerin noch entspannt am Boden der ZERO G. Sekunden später ein Kommando aus dem Cockpit, und alles beginnt zu schweben. Die Künstlerin, der Wissenschaftler, der Politiker, ja, sogar der Text des Grundgesetzes …

Kunst schwebte tatsächlich: zunächst in Bordeaux, und dann während der damaligen Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung (ILA) in Berlin. Die Freiheit, die Politiker nach dem Krieg im Grundgesetz der Wissenschaft und der Kunst gewährleisteten wurde an Bord der ZERO G Im Umfeld aus Forschung, Wissenschaft und Hochtechnologie brachten Künstler Neues in die Welt.

Sehen Sie selbst…


Kontakt
Dr. Ulrike Friedrich
Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)

Raumfahrt-Agentur
, Forschung unter Weltraumbedingungen
Tel: +49 228 447-323

Fax: +49 228 447-735

E-Mail: Ulrike.Friedrich@dlr.de
Vanadis Weber
Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)

Politik- und Wirtschaftsbeziehungen

Tel: +49 2203 601-3068

Fax: +49 2203 601-4053

E-Mail: Vanadis.Weber@dlr.de
Peter Zarth
Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)

Politik- und Wirtschaftsbeziehungen

Tel: +49 2203 601-3285

Mobil: +49 173 2504220

Fax: +49 2203 601-4053

E-Mail: Peter.Zarth@dlr.de
URL dieses Artikels
http://www.dlr.de/pw/desktopdefault.aspx/tabid-7966/13557_read-37793/
Links zu diesem Artikel
http://www.clemensberger.at/
http://www.galeriemichaeljanssen.de/julieta-aranda
http://de.wikipedia.org/wiki/Thomas_Ruff
http://www.kunsthallewien.at/
http://www.bundesregierung.de/Webs/Breg/DE/Bundesregierung/BeauftragterfuerKulturundMedien/beauftragter-fuer-kultur-und-medien.html
http://www.dlr.de/pw/
http://www.dlr.de/media/desktopdefault.aspx/tabid-4991/
http://www.novespace.fr
http://www.dlr.de/rd/desktopdefault.aspx/tabid-2207/3368_read-5043/
Downloads zu diesem Artikel
"Kunst schwebt" (http://www.dlr.de/pw/Portaldata/68/Resources/videos/Kunst_schwebt_WEB_klein.mp4)