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Zehn Jahre wissenschaftliche Parabelflüge des DLR



 Zero-G-high
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Mit dabei: Vertreter aus Politik und Wirtschaft

Vom 7. bis zum 21. September 2009 veranstaltete das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) zum 14. Mal eine Serie von Forschungsflügen in Schwerelosigkeit mit dem Airbus A300 ZERO-G und feierte zugleich dabei das zehnjährige Bestehen seiner Parabelflugkampagnen. Vom Flughafen Köln/Bonn aus hob das größte fliegende Labor der Welt zu insgesamt fünf Forschungsflügen ab. Diese nutzten die Wissenschaftler für Experimente in Biologie, Medizin, Physik, Materialforschung und Technologie. Während zwei Flügen bot sich auch wieder für Vertreter aus Politik und Wirtschaft die Gelegenheit zur „Institutsbesichtigung der besonderen Art“, nämlich die Mikrogravitationsforschung des DLR aus der Nähe kennen zu lernen und dabei auch das Faszinosum Schwerelosigkeit zu erleben.

 Airbus A-300 Zero-G von Novespace auf dem Flughafen Köln/Bonn
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Schwerelos im Himmel

Der Airbus A300 ZERO-G der französischen Firma Novespace flog bei den drei- bis vierstündigen Flügen täglich bis zu 31 Parabeln. Dabei stieg das Flugzeug aus dem horizontalen Flug in einem Winkel von bis zu 52 Grad steil nach oben. Dann drosselte der Pilot die Schubkraft der Turbinen und flog eine Bahn, die einer Wurfparabel entspricht. Im nun folgenden, freien Fall (dem oberen Teil der Parabel) herrschte für Passagiere und Experimente für etwa 22 Sekunden annähernd Schwerelosigkeit. Wissenschaftler nutzten diesen Zustand für die Forschung und zur Vorbereitung aufwändiger Experimente für die Internationale Raumstation (ISS). Medizinische Untersuchungen sollen dazu beitragen, die Gesundheit von Astronauten im All und von Menschen auf der Erde zu verbessern.

 Cockpit des A-300 Zero-G
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Unter den 14 Experimenten der aktuellen Parabelflug-Serie befand sich auch ein Versuch der Universität Magdeburg zur Analyse von Zellen, die zum Knochenaufbau beziehungsweise -abbau beitragen. Die Ergebnisse dienen als Grundlage für die Entwicklung erfolgversprechender Maßnahmen gegen Osteoporose. Hintergrund: Osteoporose, also Knochenabbau, ist ein großes Problem des menschlichen Alterungsprozesses. Aber auch bei jungen, körperlich gesunden und durchtrainierten Astronauten tritt Osteoporose während ihres Aufenthaltes im Weltraum auf. Sie ist jedoch nach der Rückkehr zur Erde vollständig umkehrbar. Flüge unter Weltraumbedingungen bieten eine gute Möglichkeit, um die Ursachen der Osteoporose an eigentlich gesunden Menschen zu untersuchen.

Ein anderes Experiment aus dem Leibniz-Institut für Neue Materialien in Saarbrücken widmete sich der Frage, wie man bestimmte Nanomaterialien, die zum Beispiel Oberflächen kratzfest oder antibakteriell gestalten, technisch verbessern kann. Eine wichtige Rolle spielen in diesem Zusammenhang Nanodrähte aus verschiedenen Legierungen. Bisher weiß man, dass die Schwerkraft bei deren Herstellung eine Rolle spielt. Jetzt will man diesen Prozess erstmals in Schwerelosigkeit untersuchen, um ihn besser zu verstehen und auf der Erde optimieren zu können.

 Erlebnis Schwerelosigkeit 1
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 Erlebnis Schwerelosigkeit 2
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 Erlebnis Schwerelosigkeit 3
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 Erlebnis Schwerelosigkeit 4
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Forschen in Schwerelosigkeit

Die Evolution des Lebens und alle biologischen, physikalischen und chemischen Prozesse auf der Erde laufen immer unter Einwirkung der Erdschwerkraft ab. Wird dieser Einfluss ausgeschaltet, können sich Wissenschaftler auf die Beobachtung anderer maßgeblicher Faktoren konzentrieren. Mit dem dadurch gewonnenen Wissen können sowohl die Behandlung von Patienten als auch die Gestaltung von Materialien verbessert werden. Auch die physikalische, biologische und humanmedizinische Grundlagenforschung profitiert hiervon. Als Bindeglied zwischen der Langzeitforschung auf der ISS und der Forschung beziehungsweise Entwicklung auf der Erde stellen Parabelflüge wissenschaftlich und technologisch eine "Brücke ins All" dar.


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