Sojus in Kourou



Neue europäische Perspektive für Russlands erprobtestes Trägersystem

 Startbereit: Die erste Sojus-Rakete in Kourou
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Das russische Trägersystem "Sojus" ist eines der erprobtesten und am häufigsten eingesetzten Raumtransportsysteme der Welt. Träger der Sojus-Familie sind schon seit der zweiten Hälfte der fünfziger Jahre des letzten Jahrhunderts im Einsatz und es sind mittlerweile über 1700 Raketen mit einer beeindruckend hohen Erfolgsrate gestartet worden. Bei den Trägern der Sojus-Familie handelt es sich um ein Raumtransportsystem mittlerer Nutzlastkapazität, das sich als vorteilhafte Ergänzung zum Schwerlast-Trägersystem Ariane eignet.

Sojus ist bereits seit Mitte der 90er Jahre im Rahmen eines Russisch-Europäischen Joint Venture, "Starsem", für westliche Kunden verfügbar. Starsem ist eine Partnergesellschaft mit 50 Prozent europäischer und 50 Prozent Russischer Beteiligung, die sich um die Finanzierung, das Marketing, die Weiterentwicklung und den kommerziellen Einsatz der Trägerrakete kümmert. Bisher werden allerdings nur Starts vom Weltraumbahnhof "Baikonur" in Kasachstan angeboten. Dies bringt einige Einschränkungen, sowohl technischer als auch politischer Art bei der Vermarktung mit sich. Schon frühzeitig wurde deshalb über die Nutzung der Sojus von Kourou aus nachgedacht. Die geographische Lage von Kourou ist insbesondere für GTO-Starts interessant und versetzt Sojus in die Lage, in der Sojus/ST Konfiguration mit der FREGAT Oberstufe rund drei Tonnen Nutzlast in den geostationären Transferorbit einzuschießen.

 Start der ersten Sojus-Rakete aus Kourou
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Im Juni 2002 verständigten sich die ESA-Mitgliedstaaten in einer Resolution zur verstärkten Zusammenarbeit mit Russland im Bereich Trägersysteme. Ein Element dieser Vereinbarung ist die Öffnung der europäischen Startanlagen in Kourou für russische "Sojus/ST" Trägerraketen und eine Vermarktung dieses Systems durch Arianespace.

Im Rahmen der Resolution "Perspektiven 2010 für den Europäischen Trägersektor" wurde auf der ESA-Ministerratskonferenz am 27. Mai 2003 das Programm "Sojus in Kourou" durch die europäischen Forschungsminister beschlossen und am 4. Februar 2004 formal gezeichnet. Deutschland beteiligt sich neben Frankreich, Italien, Spanien, Belgien und der Schweiz an dem Programm.

Die offizielle Grundsteinlegung des Startplatzes fand am 26. Februar 2007 statt. Mittlerweile sind die Arbeiten zur Errichtung der Startanlagen auf dem Startgelände in Kourou abgeschlossen.

Der erste Start eines Sojus/ST-Trägers vom europäischen Weltraumzentrum in Französisch Guayana erfolgte am 21. Oktober 2011. An Bord waren die zwei ersten operationellen Galileo-Satelliten. Arianespace hat unterdessen bereits eine zweistellige Anzahl an Sojus-Trägern bestellt und mit der Vermarktung begonnen.

Leistungsparameter Sojus/ST

Erster Start 21. Oktober 2011 in Kourou
Startplatz Centre Spatial Guyanais, Franz. Guayana
GTO Nutzlast 2,7t (Sojus/ST 2-1A)
3,0t (Sojus/ST 2-1B)
Oberstufe FREGAT
Nutzlastverkleidung ST - Länge: 11,4m; Innendurchmesser: 3,8m
Typische Nutzlasten
  • Forschungs- und Erdbeobachtungssatelliten
  • Naviationssatelliten (Galileo)
  • Telekommunikationssatelliten
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    Kontakt
    Dr. Thilo Kranz
    Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)

    Raumfahrtmanagement
    , Trägersysteme
    Tel: +49 228 447-532

    Fax: +49 228 447-706

    E-Mail: Thilo.Kranz@dlr.de
    Thomas Ruwwe
    Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)

    Raumfahrtmanagement
    , Trägersysteme
    Tel: +49 228 447-303

    Fax: +49 228 447-706

    E-Mail: Thomas.Ruwwe@dlr.de
    URL dieses Artikels
    http://www.dlr.de/rd/desktopdefault.aspx/tabid-2279/3410_read-5114/
    Links zu diesem Artikel
    http://www.esa.int/export/SPECIALS/Launchers_Access_to_Space/SEMQ5P57ESD_0.html
    http://www.starsem.com/
    http://www.arianespace.com/