DLR-Parabelflug-Tagebuch

Der Aufbau der Experimente hat begonnen

15. Mai 2006

Mit Gabelstaplern werden die schweren und empfindlichen Forschungsanlagen vorsichtig ausgeladen.
.
Köln Bonn Airport
.
Die Biologen von der Universität Bonn bereiten ihr Experiment vor.
.
Das Team um Prof. Oliver Ullrich ist geschäftig bei der Arbeit

Ein wolkenverhangener Himmel spannt sich über das Flugfeld des Köln Bonn Airport. Der erste Tag der diesjährigen Parabelflug-Kampagne des DLR hat begonnen. Bei den Forschungsflügen in Schwerelosigkeit führen 23 Wissenschaftsteams aus ganz Deutschland Experimente zu Fragen der Humanphysiologie, Biologie, Physik und Materialforschung durch.

Die "Airbase" des 8. DLR-Parabelfluges

Üblicherweise starten die Parabelflüge mit dem Airbus A300 ZERO-G der Firma Novespace von Bordeaux aus. Die DLR-Flüge hingegen finden abwechseln in Frankreich und in Deutschland statt. Der Köln Bonn Airport ist bereits zum zweiten Mal Ausgangspunkt für die Forschung in Schwerelosigkeit.

Ausschlaggebend für die Wahl des Flughafens waren die Nähe zur DLR Raumfahrtmanagement in Bonn sowie die gute Zusammenarbeit mit dem Flughafen beim 6. DLR-Parabelflug im Jahr 2004.

Von hier aus kann der Airbus zudem gut zur Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung (ILA) in Berlin-Schönefeld geflogen werden. Dort wird der A300 ZERO-G am Freitag, 19. Mai, für alle Interessierten zu besichtigen sein. Die "Airbase" der Parabelflüge befindet sich im Terminal West des Köln Bonn Airport. Zu diesem Sicherheitsbereich haben gewöhnliche Flugpassagiere keinen Zutritt.

Das moderne Gebäude aus Stahl und Glas wurde als Drehkreuz für den Transitverkehr geplant und im Juli 1996 in Betrieb genommen. Heute wird er vor allem für besondere Anlässe benutzt. Herausragende Beispiele hierfür sind der Besuch von Papst Benedikt XVI. beim Weltjugendtag 2005 in Köln - und natürlich der Parabelflug.

Die Vorbereitungsphase für die Experimente läuft

Ab 8.00 Uhr treffen die ersten Wissenschaftsteams am Terminal ein. Beim Ausladen der oft über 100 Kilogramm schweren Experimentieranlagen aus den Lieferwagen reicht Muskelkraft alleine nicht aus.

Mit Gabelstaplern werden die auf Paletten befestigten Forschungsgeräte vorsichtig von der Ladefläche gehoben und anschließend ins Gebäude gebracht. Dort beginnt der Aufbau. Der Vorbereitungsraum für die Experimente gleicht einer Bastelwerkstatt: allenthalben wird geschraubt, justiert, montiert.

Für einige Wissenschaftler ist dieser Parabelflug eine Premiere, andere, wie das Team um Dr. Markus Braun von der Universität Bonn, sind bereits zum wiederholten Mal dabei. In ihrem Experiment will es die Schwerkraftsensoren in höher entwickelten Pflanzen untersuchen.

Dabei sind die Wissenschaftler beeindruckt von den Möglichkeiten, die der Parabelflug bietet. "Es ist erstaunlich, wie man mit einem so einfachen Experiment so grundlegende Dinge erforschen kann. Es geht darum, den Schwerkraftrezeptor in den Pflanzen ausschalten zu können", so Braun.


Auch das Team um Prof. Oliver Ullrich ist geschäftig bei der Arbeit. Es kennzeichnet dutzende Zellkontainer mit farbigen Aufklebern. In ihnen befinden sich später Immunzellen und Zelllinien, also Zellen, die sich immer weiter vermehren können.

Das Experiment soll klären, wie das Immunsystem durch Schwerelosigkeit beeinflusst wird. Denn Astronauten leiden im Weltall unter Immunschwäche. Das Phänomen ist bereits seit den 1980er Jahren bekannt, "aber keiner kennt den molekularen Mechanismus, der dahinter steckt", sagt Prof. Ullrich.





URL dieses Artikels
http://www.dlr.de/rd/desktopdefault.aspx/tabid-2288/3426_read-5231/