DLR-Parabelflug-Tagebuch

Stippvisite mit dem A300 ZERO-G auf der ILA

19. Mai 2006

Gegen 7.20 Uhr besteigt die Gruppe das Flugzeug.
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Bei seiner Ankunft auf dem ILA-Gelände wird der Airbus A300 ZERO-G bereits von einer Menschenmenge erwartet.
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Pressekonferenz im Flugzeug
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Nach der Pressekonferenz suchen die Journalisten das Gespräch mit den Wissenschaftlern.
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Interview mit den Teilnehmern
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Am DLR-Pavillion auf der ILA sind die modernsten Flugsimulationen zu sehen.
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Gegen 13.30 Uhr hat sich bereits eine über hundert Meter lange Schlange vor dem A300 ZERO-G gebildet.
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Für die Jüngsten hat das DLR-Team eine ganz besondere Überraschung.

Der fünfte Tag der Parabelflug-Kampagne beginnt früh, denn heute fliegt das DLR-Team mit einigen der Wissenschaftler zur Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung (ILA) in Berlin. Zwischen 6 und 7 Uhr treffen die ersten Mitreisenden am Terminal West ein. Noch ein wenig verschlafen ziehen sie ihre blauen Fluganzüge an.

Trotz offensichtlicher Müdigkeit steht Kaffee nicht hoch im Kurs, und das hat seinen Grund: An Bord des A300 ZERO-G gibt es kein "stilles Örtchen". Toiletten wären auf einer Maschine, die fast ausschließlich für Schwerelosigkeitsflüge eingesetzt wird, eine ingenieurstechnische Herausforderung. Doch es geht auch ohne Kaffee: Die Vorfreude und Spannung auf die ILA machen auch munter.

Gegen 7.20 Uhr besteigt die Gruppe das Flugzeug, eine halbe Stunde später startet der A300 ZERO-G vom Köln Bonn Airport erstmals nach Berlin. In steilem Winkel steigt die Maschine in die Höhe und vermittelt einen ersten Eindruck von der Kraft ihrer Triebwerke.

Der etwa einstündige Flug verläuft angenehm, erwartungsgemäß allerdings ohne Bordservice - und heute einmal ohne Parabel. Nur die Landung fällt etwas unsanfter aus als gewohnt, denn der A300 ZERO-G fliegt ohne Gepäck und mit lediglich 40 Personen an Bord. Damit ist er deutlich leichter als ein im regulären Betrieb eingesetzter A300, für den die Fahrwerke ausgelegt sind.

Leider empfängt die Parabelflieger in Berlin-Schönefeld ein kräftiger Regenschauer. Während der Airbus nach der Landung langsam durch das dicht mit Hubschraubern und Flugzeugen bestandene Gelände der ILA rollt, blickt das Team interessiert durch die verregneten Fensterscheiben nach draußen.

Eine neugierige Menschenmenge erwartet das außergewöhnliche Flugzeug bereits. Auch das neueste Mitglied der Airbus-Familie, der großräumige A380, landet kurze Zeit später in Berlin-Schönefeld. Somit sind der jüngste und der älteste noch fliegende Airbus auf der ILA vereint. Nach einigem Rangieren steht der A300 ZERO-G auf dem richtigen Platz.

Kaum sind die Türen geöffnet und die Treppen herangefahren, wollen die Ersten auch schon das Flugzeug besichtigen. Doch das geht erst später, denn jetzt sind erst einmal die Medien zu einer Pressekonferenz im Flugzeug geladen.

25 Vertreter von Radio, Zeitung, Magazinen und Fernsehen besuchen den A300 ZERO-G, um sich vor Ort über die Parabelflüge und die wissenschaftlichen Untersuchungen informieren zu lassen.

Der Vorsitzende des Vorstandes, Prof. Dr. Wittig, eröffnet die Veranstaltung mit einführenden Worten zum Thema und stellt einen der Piloten des heutigen Fluges vor, den französischen ESA-Astronauten Philippe Perrin. Dieser erläutert den Journalisten gestenreich, wie ein Parabelflug von statten geht.

Im Anschluss schildern Herr Dr. Peter Preu, der Leiter der Abteilung für Forschung unter Weltraumbedingungen in der DLR Raumfahrtmanagement, und Frau Dr. Friedrich das Parabelflugprogramm.

Danach besichtigen die Journalisten die Forschungsanlagen und lassen sich von den Wissenschaftlern ausgiebig über deren Experimente informieren.

In der Zwischenzeit scharen sich draußen die ILA-Gäste, um einen Blick in das Flugzeug werfen. "Gibt es noch einen anderen Airbus A300 ZERO-G?", will ein Besucher wissen. "Nein, dies ist der einzige, der existiert", wird ihm erklärt.

Ein anderer Herr schaltet sich erregt ein: "Das stimmt doch gar nicht. Heute Morgen habe ich in Köln auch so einen gesehen". Der DLR-Mitarbeiter lacht und erklärt dem Besucher, dass es sich tatsächlich um ein und dieselbe Maschine handelt.

Trotz des wechselhaften und windigen Wetters ist die ILA gut besucht. Tausende von Menschen schlendern an den ausgestellten Flugzeugen und Hubschraubern vorbei oder bestaunen die Flugkünste der Staffel- und Militärpiloten. Dann bricht ein heftiger Schauer los. Kräftige Windböen peitschen den Regen über das Gelände. Alles flüchtet ins Trockene: Das ist die Stunde der Hallen-Stände. Auch am DLR-Pavillion stehen die Besucher dicht gedrängt.

Das verwundert nicht, denn hier gibt es neben neuesten Informationen aus Forschung und Technik auch viele außergewöhnliche Ausstellungsstücke und Computersimulationen, die unmittelbar aus den Laboren der DLR-Institute auf die ILA gebracht wurden. Das ist Forschung zum Anfassen.

Gegen 13.30 Uhr hat sich bereits eine über hundert Meter lange Schlange vor dem A300 ZERO-G gebildet. Nachdem die Vertreter der Medien die Maschine verlassen haben, öffnet das Parabelflug-Team die Türen für die Öffentlichkeit.

Immer nur Schubweise können die Interessierten ins Innere des Flugzeugs gehen. Dennoch wird es hier jetzt ein wenig eng. Der Kabinenabschnitt, in dem sich die Forschungsanlagen befinden, und der Bereich vor dem Cockpit sind aus Sicherheitsgründen abgesperrt, so dass der Publikumsverkehr auf einen Durchgang begrenzt ist.

Von hier aus können die Besucher den gesamten Innenraum überschauen. Herr Dr. Hoffmann, der stellvertretende Projektleiter, und viele Wissenschaftler erläutern ihnen Ablauf und Zweck der Parabelflüge. Zudem gibt es ein Faltblatt mit Hintergrundinformationen. Schließlich verlassen die Gäste das Flugzeug über die zweite Treppe auf der gegenüber liegenden Seite, um den Wartenden in der Schlange hinter ihnen Platz zu machen.

Für die Jüngsten hat das DLR-Team eine ganz besondere Überraschung: Sie dürfen auch einen Blick ins Cockpit werfen. Ein Erwachsener, der gleich hinterher will, wird freundlich, aber bestimmt zurückgehalten: Der Zutritt ist nur für Kinder gestattet.

Neben den ILA-Gästen besichtigen auch DLR-Mitarbeiter, die auf der Ausstellung arbeiten, das "Parabelflugzeug". Denn das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt verfügt über acht Standorte in ganz Deutschland, und nur auf solchen Großveranstaltungen können viele die Projekte der anderen Niederlassungen in Augenschein nehmen.

Der Nachmittag neigt sich dem Ende zu, und noch immer reißt der Strom der Besucher nicht ab. Obwohl die erklärenden Experimentatoren schon leichte Ermüdungserscheinungen zeigen, beschließt das Team, die Öffnungszeit aufgrund des großen Publikumsinteresses um eine Stunde zu verlängern. Um 18 Uhr werden die Türen dann aber endgültig geschlossen. Erschöpft nehmen alle auf ihren Sitzen Platz. Ein letztes Winken, dann rollt der Airbus gemächlich aus dem ILA-Gelände heraus und auf die Startbahn.

Während des Rückflugs sind die Passagiere deutlich ruhiger als auf dem Hinflug. Einige unterhalten sich über die Geschehnisse des Tages, doch viele dösen oder schauen gedankenverloren auf die Wolkenschichten unter ihnen. Kurz nach 20 Uhr erreicht die Maschine den Köln Bonn Airport. Müde, aber zufrieden mit dem Ablauf des Tages verabschieden sich alle. Nun gilt es, zwei Tage lang Kraft zu sammeln für nächste Woche, wenn endlich die Parabelflüge in die Schwerelosigkeit starten.




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