EGNOS



 

 

Ein neuer Navigations-Ergänzungsdienst für Europa

Der Navigationsdienst EGNOS basiert auf der Kombination eines Satelliten- und Bodensystems, welches mit GPS arbeitet, aber für Europa präzisere Daten zur Positionsbestimmung liefert. EGNOS erweitert das bestehende militärische Navigationssystem GPS für zivile sicherheitskritische Anwendungen vor allem im Luftverkehr, aber auch für die Schiene und Schifffahrt. Die Genauigkeit der Positionsbestimmung wird von zirka 20 Metern auf rund zwei Meter durch die Kombination von GPS mit EGNOS verbessert. Gleichzeitig erhöht sich für Europa die Verfügbarkeit der Navigationssignale. Außerdem wird ein zusätzliches Kontrollsignal (Integrität) gesendet, das die Nutzer vor fehlerhaften Signalen warnt.

Korrektur von GPS -Daten

Im Bodensegment empfangen hochgenau positionierte Empfangsstationen (RIMS = Ranging and Integrity Monitoring Station) die GPS- Daten und senden sie über ein weit verzweigtes Kommunikationsnetzwerk an die vier Kontrollzentren (Master Control Centren, MCC). Diese errechnen durch Vergleich der bekannten Bodenstandorte der Empfangsstationen mit den GPS-Signalen Korrekturdaten für die präzisere Positionsbestimmung. Diese Korrekturdaten berücksichtigen auch Fehler in der Positionsbestimmung, die durch die Ionosphäre hervorgerufen werden.

Positionskorrekturdaten und Zeitinformationen werden dann über die Bodenstationen (Navigation Land Earth Stations, NLES) und über drei geostationäre Satelliten, die sich in einer Höhe von 36.000 Kilometern befinden, an die Nutzer auf der Erde gesendet. Diese Satelliten erzeugen also nicht eigenständig GPS-Signale, wie das amerikanische System, sondern geben nur mittels Navigationstranspondern die am Boden ermittelten Korrektur-Daten an die Nutzer weiter. Die EGNOS-Signale sind nicht nur in Europa, sondern auch teilweise im Mittleren Osten, Asien sowie Afrika zu empfangen. Dabei sind zwei der Satelliten über dem östlichen Teil des Atlantiks und über dem Indischen Ozean positioniert. Ein Dritter ist auf Afrika und Europa ausgerichtet.

EGNOS-Signale werden bereits heute über Europa mit hoher Genauigkeit abgestrahlt, ohne dass der Nutzer hierfür eine Garantie erhält. Für die Belange der Luftfahrt muss EGNOS noch zertifiziert werden. EGNOS dient Europa als erster wichtiger Schritt auf dem Weg zum eigenständigen unabhängigen Satellitennavigationssystem Galileo. EGNOS ermöglicht bereits heute, Spitzentechnologien für die Satellitennavigation zu entwickeln und so einen Markt zu fördern, der neue Geschäftsfelder und Arbeitsplätze in der Industrie schaffen wird.

Finanzierung aus dem EU-Haushalt

Nach dem Beschluss der EU Verkehrsminister hat die Europäische Kommission (KOM) die Gesamtverantwortung für GALILEO und EGNOS übertragen bekommen. Für den Zeitraum von 2008 bis 2013 werden aus dem EU-Haushalt für EGNOS 330 Millionen EURO zur Verfügung gestellt.

Als nächste Aufgabe steht die Auswahl eines geeigneten Betreibers für EGNOS an. Es ist geplant, dass die von den europäischen Flugsicherungen gegründete European Satellite Service Provider (ESSP) den Auftrag hierfür erhält.

Globale Nutzungsmöglichkeiten für EGNOS

EGNOS kann sich mit ähnlichen regionalen Erweiterungssystemen ergänzen. Die USA schaffen das Wide Area Augmentation System (WASS), Japan das Multitransport Satellite based Augmentation System (MBAS) und Indien das GPS Aided Geo Augmented Navigation System (GAGAN). Das gemeinsame Ziel aller Programme ist eine globale Abdeckung und ein gemeinsamer Standard, so dass Anwender, vor allem in der Luftfahrt, aber auch in der Schifffahrt und im Straßenverkehr, alle Systeme mit einheitlichen Empfängern nutzen können.


Kontakt
Rene Kleeßen
Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)

Raumfahrtmanagement
, Navigation
Tel: +49 228 447-555

Fax: +49 228 447-703

E-Mail: Rene.Kleessen@dlr.de
URL dieses Artikels
http://www.dlr.de/rd/desktopdefault.aspx/tabid-2439/3577_read-5295/