Internationale Katastrophencharta



 

 Tsunami-Auswirkungen an der japanischen Küste
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Die internationale Charta "Space and Major Disasters" ist ein internationaler Verbund von Raumfahrtagenturen, der 1999 von der Europäischen Weltraumorganisation ESA und der französischen Raumfahrtagentur CNES gegründet wurde.

Der Verbund stellt nationalen Katastrophenschutzbehörden und Hilfsorganisationen bei Naturkatastrophen oder technischen Großunfällen Daten von Erdbeobachtungssatelliten schnell und unbürokratisch zur Verfügung.

Radarsatelliten liefern Bilder bei Tag und Nacht

Hauptbeitrag des DLR sind Daten der Radarsatelliten TerraSAR-X und TanDEM-X. Diese Satelliten können sehr schnell detaillierte Bilder aufnehmen, unabhängig von Wolken oder Tageslicht. Da in den Radaraufnahmen Wasser- und Landflächen sehr gut voneinander zu unterscheiden sind, eignen sie sich bestens für die Kartierung nach Flutkatastrophen. Auch bei anderen Katastrophenereignissen wie beispielsweise Erdbeben können Informationen von TerraSAR-X hilfreich sein. In einigen Fällen stellt das DLR auch optische Daten der RapidEye-Satelliten zur Verfügung, insbesondere bei Waldbrandkatastrophen oder nach besonders großflächigen Ereignissen, wie dem Tsunami in Japan 2011.

Weltweiter Charta-Zugang durch "Universal Access"

Das DLR Raumfahrtmanagement engagiert sich in den koordinierenden Gremien und unterstützt dort eine gezielte Weiterentwicklung der Charta. Im Herbst 2012 starteten die Mitglieder eine Initiative, die einen Meilenstein für die Charta darstellt: "Universal Access". Bisher konnten nur autorisierte Nutzer aus rund 40 Ländern sowie Organisationen der Vereinten Nationen die Hilfe der Charta anfragen - durch "Universal Access" wird dies nun grundsätzlich jeder nationalen Katastrophenschutzbehörde weltweit ermöglicht. Hierdurch sollen insbesondere die großen "weißen Flecken" in Afrika und Teilen von Asien und Süd- und Mittelamerika verschwinden und den nationalen Behörden die Möglichkeit gegeben werden, schnell und direkt Hilfe durch die Charta zu bekommen.

  • Was passiert im Katastrophenfall?

    Jede Aktivierung der Charta beginnt damit, dass am Standort Frascati (Italien) der Europäischen Weltraumorganisation ein Notruf eingeht. Dort wird überprüft, ob es sich bei dem Hilfesuchenden um einen autorisierten Nutzer handelt, und ob alle notwendigen Angaben vorliegen. Anschließend wird der "Emergency-on-Call Officer" (ECO) eingeschaltet. Dieser von den Charta-Mitgliedern im wöchentlichen Wechsel bereit gestellte fachliche Ersthelfer bestellt umgehend geeignete Satellitendaten bei den beteiligten Raumfahrtagenturen. Wenn der ECO seine Arbeit beendet, sind erst wenige Stunden nach dem Eingang des Notrufs vergangen.

    Anschließend wird das "Executive Secretariat" der Charta tätig. Hierbei handelt es sich um eine über den Globus verteilte Gruppe aus Mitarbeitern aller Charta-Organisationen. Dieses Sekretariat prüft, ob der jeweilige Notruf berechtigt und eine Aktivierung der Charta sinnvoll ist. Kommt es zu dem Schluss, dass eine Aktivierung der Charta nicht sinnvoll ist, werden die vom ECO getätigten Datenbestellungen wieder zurück genommen. Die Sekretäre haben also die Aufgabe, die zweckmäßige Verwendung der von den Charta-Mitgliedsagenturen eingebrachten Ressourcen und den gesamten Charta-Betrieb zu überwachen.

    Ist die Aktivierung hingegen berechtigt, so wird ein Projektmanager bestimmt. Zu diesem Zeitpunkt wird auch auf der Charta-Website über die neue Aktivierung informiert. Der Projektmanager ist das Bindeglied zwischen Raumfahrtagenturen, welche die Daten bereitstellen, und den Hilfesuchenden mit ihren jeweiligen Bedürfnissen. Er stellt sicher, dass die Informationen den Nutzern so zur Verfügung gestellt werden, wie sie benötigt werden: Manche Katastrophenschutzbehörden können beispielsweise Satellitenbilder selbst analysieren, während andere nur fertige Karten verwenden können. Die Aufgabe des Projektmanagers endet im Normalfall nach rund zwei Wochen mit der Schließung der Charta-Aktivierung.

 

 

Das DLR hat die Charta bereits seit dem Jahr 2002 über die ESA organisatorisch unterstützt, bevor es im Oktober 2010 zum elften Vollmitglied wurde. Mittlerweile ist das Konsortium weiter angewachsen. Das DLR Raumfahrtmanagement arbeitet im Rahmen der Charta-Mitgliedschaft eng mit dem Zentrum für Satellitengestützte Kriseninformation (DLR ZKI) in Oberpfaffenhofen zusammen. Das ZKI organisiert die Datenbereitstellung, die mit Mitteln des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie (BMWi) gefördert wird. Außerdem übernimmt es bis zu sechsmal im Jahr die ECO-Rolle für eine Woche.

 


Kontakt
Jens Danzeglocke
Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)

Raumfahrtmanagement
, Erdbeobachtung
Tel: +49 228 447-215

Fax: +49 228 447-747

E-Mail: Jens.Danzeglocke@dlr.de
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