Start: 2014
Wissenschaftliche Zielsetzung
Schematische Zeichnung des Röntgenteleskops eROSITA
Seit dem Urknall dehnt sich das Universum aus. Eigentlich sollte diese Expansion durch die Schwerkraft der Materie verlangsamt werden. Doch angetrieben durch die Dunkle Energie beschleunigt sich die Ausdehnung sogar. Dabei ist das physikalische Phänomen "Dunkle Energie" weitgehend ungeklärt. Welche grundlegenden Kräfte stecken dahinter? War die Dunkle Energie früher stärker oder schwächer als sie es heute ist? Licht in das Dunkel soll das deutsche Röntgenteleskop eROSITA (extended Roentgen Survey with an Imaging Telescope Array) bringen, das unter der Federführung des Max-Planck-Instituts für extraterrestrische Physik in Garching gebaut wird.
Wie kann man die Dunkle Energie, die ja unsichtbar ist und sich nur auf riesigen Entfernungen bemerkbar macht, mit einem Röntgenteleskop erforschen? Der Schlüssel dazu sind Galaxienhaufen, Ansammlungen von bis zu mehreren Tausend Einzelgalaxien. Im Inneren dieser Galaxienhaufen befindet sich ein Gas, das so heiß ist, dass es Röntgenstrahlung aussendet und damit für eROSITA sichtbar wird. Etwa 100.000 Galaxienhaufen sollen identifiziert und ihre Verteilung in Raum und Zeit - denn schließlich sehen wir diese Objekte aufgrund der endlichen Lichtgeschwindigkeit in der Vergangenheit - bestimmt werden. Diese Verteilung wurde geprägt durch die Stärke der Dunklen Energie, deren Eigenschaften sich nun daraus ableiten lassen. Der Vergleich mit der Gegenwart, also der Beobachtung nahe gelegener Haufen, erschließt die zeitliche Variation der Strukturen. Und so lässt sich beispielsweise klären, ob und wie sich der Anteil der Dunklen Energie an der Energiedichte im Universum, die sie heute mit cirka 70 Prozent dominiert, im Laufe der kosmischen Evolution geändert hat.
Um die 100.000 Galaxienhaufen zu entdecken, wird eROSITA den gesamten Himmel mehrfach durchmustern und dabei auch zahlreiche andere Phänomene und Objekte, wie etwa aktive Kerne von Galaxien, Supernova-Überreste oder Röntgendoppelsterne beobachten.
eROSITA-Spiegelmodul
Teleskop und Satellit
Sieben parallel ausgerichtete Spiegelsysteme bilden die Optik des Röntgenteleskops. Ihre Kombination aus Lichtsammelfläche, Gesichtsfeld und Auflösungsvermögen ist bisher unerreicht. Im Brennpunkt jedes Spiegelsystems sitzt eine hochempfindliche CCD-Kamera, die speziell für eROSITA im Halbleiterlabor der Max-Planck-Gesellschaft entwickelt wurde. An der Entwicklung und wissenschaftlichen Betreuung des Teleskops beteiligen sich neben dem Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik auch die Universitäten Tübingen, Erlangen-Nürnberg und Hamburg, das Astrophysikalische Institut Potsdam und das Max-Planck-Institut für Astrophysik.
eROSITA soll 2013 auf dem Satelliten Spektrum-Röntgen-Gamma in den Weltraum gebracht werden, der als zweite Nutzlast das russische Teleskop ART-XC trägt. Dieses wird vom Space Research Institut in Moskau entwickelt. Eine Sojus-Fregat-Rakete bringt den Satelliten dann zum Lagrangepunkt L2 des Sonne-Erde-Systems, von wo aus eROSITA sieben Jahre lang die Beobachtungen durchführt, nach deren Analyse wir die Vergangenheit und die Zukunft des Universums besser verstehen werden.
Röntgenteleskop eROSITA
| Optik: |
7 Spiegelmodule, jedes mit 36 cm Durchmesser und aus 54 ineinander geschachtelten Spiegelschalen bestehend, deren Oberfläche aus einem Paraboloid und einem Hyperboloid (Wolter-I-Optik) zusammengesetzt ist |
| Brennweite: |
1,6 Meter |
| Detektor: |
CCD-Kamera, Kernstück ist ein Silizium-"Frame Store pnCCD", Bildfläche circa 3 x 3 Zentimeter, zusammengesetzt aus 384 x 384 Pixeln mit je 75 Mikrometern Größe, Zeitauflösung 50 Millisekunden, Betriebstemperatur -80°C |
| Gesichtsfeld: |
1° Durchmesser |
| Spektralbereich: |
0,2 - 12 keV (Kiloelektronenvolt) |
| Abmessungen: |
circa 3,2 Meter lang (mit geöffnetem Deckel 4,7 Meter) |
| Masse: |
735 Kilogramm |
Spektrum-Röntgen-Gamma-Mission
| Start: |
2014 auf einer Zenit-Fregat-Rakete vom Startplatz Baikonur, Kasachstan |
| Satellit: |
Russische Navigator-Plattform mit den beiden Teleskopen eROSITA und ART-XC |
| Orbit: |
um den Lagrange-Punkt L2 (1,5 Millionen Kilometer von der Erde) |
| Bodenstationen: |
Khimki bei Moskau und Baikonur |
Nominelle Missionsdauer: |
7 Jahre |