Start: 27. September 2007
Wissenschaftliche Ziele
Als Asteroiden wird eine große Zahl von Kleinplaneten bezeichnet, deren Umlaufbahnen in der Regel zwischen denen des Mars und des Jupiter liegen. Sie bilden das Bindeglied zwischen den kleinen inneren Planeten (Merkur, Venus, Erde, Mars) und den großen äußeren Planeten (Jupiter, Saturn, Uranus, Neptun) unseres Sonnensystems. Sie haben sich bei der Entstehung unseres Sonnensystems zusammen mit den bekannten Planeten durch Akkretion gebildet.
Durch die enorme Gravitationskraft des Riesenplaneten Jupiter wurde ihre Evolution aber frühzeitig weitgehend gestoppt, mit der Folge, dass die Asteroiden in einem Zustand erhalten geblieben sind, der etwa zehn Millionen Jahre nach Bildung unseres Sonnensystems erreicht wurde. Diese Protoplaneten sind damit so etwas wie ein Geschichtsbuch der Planetenevolution, mit dem unser Verständnis von der Entwicklung der Erde und der anderen Planeten verbessert werden kann.
Aus diesem Grund hat die amerikanische Raumfahrtbehörde NASA am 27. September 2007 die Weltraummission "Dawn" gestartet Die Dawn-Sonde soll zwischen 2011 und 2015 zwei der größten Asteroiden, Vesta und Ceres, eingehend untersuchen.
Das erste Ziel der Sonde ist Vesta, der zweitschwerste aller Asteroiden (Vesta repräsentiert 8 Prozent der gesamten Asteroidenmassen). Der Asteroid wurde 1807 entdeckt, und hat die Form eines dreiachsigen Ellipsoids mit den Abmessungen 280 x 270 x 230 Kilometer. Der mittlere Abstand zur Sonne von 350 Millionen Kilometern (2,36 Astronomische Einheiten) führt zu einer Umlaufzeit von 3,63 Jahren. Vesta ist ein entwickelter Asteroid mit zwei großen Einschlagkratern am Südpol. Die Dawn-Sonde schwenkte am 15. Juli 2011 in einen Orbit um Vesta ein und erforschte den Kleinplaneten zwischen August 2011 und August 2012 für etwa ein Jahr. Die Orbithöhen wurden über mehrere Monate nach und nach von anfänglich 2.735 Kilometern auf schließlich 210 Kilometer verringert. Die mit den Bordkameras erfassten Bilder zeigten Details der Oberfläche von bis zu 20 Metern pro Pixel.
Durch den Einsatz seiner vier Instrumente wurde der Asteroid Vesta fast komplett kartiert und seine mineralogische Zusammensetzung erforscht. Die Bestimmung seines genauen Gravitationfeldes schloss die Untersuchung ab. Das Alter von Vesta wurde aus der Verteilung bestimmter Isotopenhäufigkeiten auf 4,565 Milliarden Jahre errechnet. Die Eigenrotation von Vesta beträgt 5,34 Stunden. Seine mittlere Dichte beträgt 3,475 Gramm pro Kubikzentimeter. Am auffälligsten auf der Oberfläche sind konzentrische Gräben oder Rinnen um den Äquator herum und vor allem zwei sich überlagernde Einschlagkrater mit 500 Kilometern Durchmesser im Südpolbereich. Dieser "Rheasilvia" genannte Bereich entstand vor etwa einer Milliarden Jahren durch Kollision von Vesta mit einem Kometen oder einem anderen Asteroiden. Bemerkenswert ist der 20 Kilometer hohe Zentralberg im Krater. Krater Rheasilvia überlagert den älteren Krater Veneneia (400 Kilometer Durchmesser), der vor rund zwei Milliarden Jahren entstand. Eine weitere Entdeckung waren so genannte "dunkle Flecken" in Kratern, deren Ursprung noch nicht erklärt werden kann. Die deutschen "Framing Cameras" (siehe unten) nahmen bis September 2012 mehr als 31.000 Bilder von Vesta auf, die jetzt intensiv ausgewertet werden.
Ceres, das zweite Hauptziel von Dawn ist der größte Asteroid (Nach neuer Definition durch die Internationale Astronomische Union gilt er seit Herbst 2006 als Zwergplanet) und wurde 1801 entdeckt. Seine Größe beträgt etwa 960 x 930 Kilometer. Ceres repräsentiert sogar etwa 30 Prozent der Masse aller Asteroiden. Die mittlere Entfernung zur Sonne beträgt 414 Millionen Kilometer (2,76 Astronomische Einheiten), die Umlaufzeit um die Sonne 4,6 Jahre. Ceres ist ein "nasser" Asteroid mit einem Wassergehalt von etwa 20 Prozent. Er hat seit seiner Entstehung noch keine großen Veränderungen seiner Form und Oberflächenbeschaffenheit erfahren. Dawn soll Ceres ab Februar 2015 für etwa sechs Monate umkreisen und aus dem Orbit heraus untersuchen.
Die Dawn-Sonde nutzt als Hauptantrieb für ihre Mission zu den Asteroiden einen Ionenantrieb ("Solar Electric Propulsion", SEP), der gegenüber einem konventionellen Raketenmotor den Vorteil eines etwa viermal größeren spezifischen Impulses hat, bei allerdings sehr geringer Schubleistung. Der SEP hat einen sehr geringen Verbrauch an Xenon-Gas von etwa 0,28 Kilogramm pro Tag, was zu einem niedrigen Startgewicht der Raumsonde führt. Dies ermöglicht die Nutzung einer kleineren und preiswerten Startrakete. Der Nachteil der geringen SEP-Schubleistung (etwa 90 Millinewton) ist eine sehr lange Flugzeit, die die Sonde bis zu ihren Zielen benötigt. Während der ersten fünf Jahre Flugzeit bis September 2012 hat Dawn lediglich 267 von 425 Kilogramm ihres Xenon-Gasvorrats verbraucht.
Instrumente
Dawn soll folgende Untersuchungen an den beiden Asteroiden vornehmen:
Dazu trägt Dawn vier Instrumente als Nutzlast:
Principal Investigator (PI) der Dawn-Mission ist Dr. Christopher T. Russell von der University of California, Los Angeles (UCLA). Er wird unterstützt durch ein internationales Team, zu dem auch zahlreiche deutsche Wissenschaftler gehören. Zum Zweck der Kartierung von Vesta hat das Team dessen Oberfläche in fünfzehn Kartierungsgebiete aufgeteilt. Die Ziele dieser Auswertung sind:
Deutscher Beitrag zu Dawn
Vom Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung (MPS) in Katlenburg-Lindau wurden mit Unterstützung des DLR-Instituts für Planetenforschung (IPF) in Berlin die zwei Framing Cameras (FCs) für die Dawn-Mission entwickelt und gebaut. Die FCs sind eine missionskritische Nutzlast , weil sie auch für die Navigation der Sonde während ihrer Orbits um die Asteroiden benötigt werden. Aus Sicherheitsgründen (Redundanz) wurden zwei baugleiche FCs auf Dawn installiert.
Der Hauptzweck der Kameras ist die optische Kartierung der Kleinplaneten aus dem Orbit. Die Vesta-Mission startete mit einem "Survey Orbit" (2.375 Kilometer Bahnhöhe vom 11. bis 29. August 2011) mit einer Auflösung von 270 Metern pro Pixel, gefolgt vom "High Altitude Mapping Orbit" (HAMO 1, 685 Kilometer Bahnhöhe vom 30. September bis 02. November 2011) mit 70 Metern pro Pixel Auflösung. Daran schloss sich der "Low Altitude Mapping Orbit" (LAMO, 210 Kilometer Bahnhöhe vom 12. Dezember 2011 bis zum 1. Mai 2012) an mit einer Auflösung von 20 Metern pro Bildpixel. Danach ging die Dawn-Sonde wieder auf einen höheren Orbit und führte eine 45-tägige HAMO2-Phase durch (HAMO 2, 685 Kilometer Bahnhöhe vom 15. Juni bis zum 25. Juli 2012). Im September 2012 verlies die Sonde dann die Umlaufbahn um Vesta endgültig und und begann ihren Flug zum zweiten Ziel, dem Asteroiden Ceres. Dieser soll im Februar 2015 erreicht werden.
Missionsdaten und technische Parameter