Auswirkungen wiederholter Schwerelosigkeit auf psychischen Stress und das Immunsystem sowie den Zellstoffwechsel



Raumfahrer sind durch Schwerelosigkeit vielfältigen seelischen und körperlichen Reizen ausgesetzt, die das Allgemeinbefinden beeinträchtigen und Krankheiten auslösen können. Wahrscheinlich verändert die Freisetzung von Stresshormonen wichtige Funktionen des Nerven- und des Immunsystems. Dies führt im menschlichen Körper zu Störungen der Infektabwehr, der Organdurchblutung und des Stoffwechsels. Die Wissenschaftler wollen überprüfen, ob Schwerelosigkeit eine neuro-endokrine Stress-Antwort bewirkt, die über die Freisetzung von Hormonen das Immunsystem und damit die Infektabwehr unterdrückt.

Während Parabelflugmanövern können akute Auswirkungen kurzzeitiger Schwerelosigkeit erfasst und mit den Langzeiteffekten, die man derzeit auf der Internationale Raumstation ISS untersucht, verglichen werden. Ziel dieses Parabelflug-Experimentes ist die Klärung folgender Fragen:

Führt wiederholte, kurzzeitige Schwerelosigkeit zu psychischem Stress?
Wird dadurch das Immunsystem gehemmt?
Mit welchen Methoden lässt sich der Einfluss kurzzeitiger Schwerelosigkeit auf stressbedingte Veränderungen des Immunsystems erfassen?

Hierzu werden zwei Probanden vor und nach, sowie mehrfach während eines Parabelfluges untersucht. Veränderungen des Immunsystems - insbesondere der Infektabwehr - untersuchen die Forscher anhand von speziellen Blut-, Speichel- und Urin-Analysen. Außerdem soll durch die Analyse der Atemluft geprüft werden, ob etwaige Anpassungsvorgänge des Organismus direkt messbar sind und in ihrem Verlauf abgebildet werden können.

Wenn es gelingt, die akuten Auswirkungen der Schwerelosigkeit auf das Zusammenspiel von Psyche und Immunsystem zu verstehen, können neue vorbeugende und therapeutische Maßnahmen entwickelt werden. Damit wären die medizinischen Voraussetzungen für astronautische Langzeitraumflüge geschaffen. Zudem können durch die Erprobung neuer, nicht-invasiver Techniken (Atemluft-Analyse) bisher kaum erforschte neurobiologische Stress-Systeme erstmals untersucht und den Resultaten "klassischer" Messmethoden gegenüber gestellt werden. Darüber hinaus könnten die Erkenntnisse aus dem Parabelflugexperiment auch Patienten helfen, die starkem Stress ausgesetzt sind - etwa infolge von Operationen oder der Behandlung auf einer Intensivstation.


Kontakt
Dr. med. Alexander Chouker
Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität, München

Klinik für Anästhesiologie

Tel: +49 89 7095-6422

E-Mail: achouker@med.uni-muenchen.de
URL dieses Artikels
http://www.dlr.de/rd/desktopdefault.aspx/tabid-4316/6960_read-10172/