Beanspruchungs- und Gesundheits-Monitoring im Parabelflug



Vieles deutet darauf hin, dass das Autonome Nervensystem auf psychische Belastung, wie etwa Stress, bei verschiedenen Menschen unterschiedlich reagiert. So erhöht sich bei vielen Personen der Blutdruck, einige reagieren mit Schweißausbrüchen und andere verspüren Magendruck. Man nennt dies das "Reaktionsmuster des Autonomen (nicht willentlich beeinflussbaren) Nervensystems". Diese Erfahrungen konnten bislang jedoch nicht mit einer standardisierten Versuchsanordnung durch messbare Daten bestätigt werden.

Bei der Rückkehr der Astronauten aus dem Orbit beeinflusst der Übergang zwischen Schwerelosigkeit und Erdschwerkraft deren Handlungsfähigkeit nachweislich. Hier soll das System HEALLY eingesetzt werden: Es kann neben dem Monitoring von lebenswichtigen Vitalparametern mit neuartigen Analyse-Modellen eine Aussage über das Gesamtmaß aktueller psychophysiologischer Beanspruchung liefern. In der Parabelflug-Kampagne sollen statistische Basisdaten gewonnen werden, die für das Monitoring im realen Rückkehrflug aus dem Weltraum als Referenzdaten dienen können.

Dazu werden in diesem Experiment Erstflieger der speziellen Stresssituation eines Parabelfluges ausgesetzt. In der Vorbereitungsphase führen die Wissenschaftler zu Kalibrierungszwecken einmal ein Referenzexperiment am Boden durch. Anhand der Messungen wollen sie nachweisen, dass sich das Reaktionsmuster entsprechend der Veränderungen von Puls, Herzschlagvolumen und Widerstand der äußeren Gefäße unterschiedlich auf die Belastung einstellt.

Diese Daten sollen eine Einordnung der Versuchspersonen in ein "Autonome Outlet Type"-Schema ermöglichen. Dies ist ein System zur Einteilung in Stress-Reaktions-Typen, bei dem auch die Belastungsgrenzen ermittelt werden. Im Flug werden HEALLY-Systeme im "plug-and-forget"-Verfahren den Probanden zum Monitoring lange vor dem Flug angelegt und erst lange hinterher abgenommen. Die Probanden gehen ihrer normalen, experimentellen oder fliegerischen Tätigkeit nach, markieren lediglich mit einer Markertaste die Intensität empfundenen Unwohlseins.

Das Fernziel der Untersuchungen ist es, ein diagnostisches Verfahren zu entwickeln, mit dessen Hilfe die Zuverlässigkeit von Handlungen in Stress-Situationen vorhergesagt werden kann. So könnte die aktuelle Belastbarkeit von Menschen ermittelt werden, die eine hohe berufliche Verantwortung tragen (wie Fluglotsen, Piloten oder Sprengstoffexperten).

Eine ähnliche Messeinrichtung, das NEUROLAB-2000M, ist ein Gerätesystem zur physiologischen und psychologischen Diagnose. Es wird ab August 2007 auch für Untersuchungen an den Astronauten auf der Internationalen Raumstation ISS eingesetzt. Hauptsächlich durch die Erfassung von Herz-Kreislauf-Funktionsdaten, die  während geistigen und körperlichen Tests erhoben werden, beurteilen Wissenschaftler die psychophysiologische Leistungsfähigkeit eines Menschen am Arbeitsplatz.


Kontakt
Dr. Bernd Johannes
DLR-Institut für Luft- und Raumfahrtmedizin
, Luft- und Raumfahrtpsychologie
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