Ulrich Kasparick, Parlamentarischen Staatssekretär im Ministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung, eröffnete die Konferenz. Er sieht in der Satellitennavigation einen wichtigen Baustein, um die Probleme im Verkehrsbereich zu lösen, wie etwa ein weiter steigendes Verkehrsaufkommen oder die häufige Staubildung. Denn die Satellitennavigation kann zusammen mit der Telematik helfen, die Effizienz zu steigern und die Kapazitäten voll auszuschöpfen.
Als besonderen Gast begrüßte er den Vizeminister des tschechischen Verkehrsministerium Petr Slegr, der am Vortag den "1. GALILEO User-Workshop - Railway Systems" begleitete. Mit einem Rundgang über die Ausstellung informierten sich die Politiker über aktuelle Forschungsprojekte und Entwicklungen in der Satellitennavigation an den Ständen der ESA, EADS und des SATNAV-Forums.
Die Mitglieder des SATNAV-Forums präsentierten neben Informationsmaterial Exponate aus den Bereichen der präzisen Positionierung, der Logistik und der Ortungssignale für maritime Anwendungen. Die Initiative GEOkomm aus Brandenburg verstärkte das Geoforschungszentrum GFZ aus Potsdam sowie die Id praxis GmbH, die einen ihrer Schwerpunkte im Bereich Internetportale für touristische Anwendungen hat. Das GFZ war durch ein Tsunami-Frühwarnsystem im indischen Ozean, das in Kooperation mit dem Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) entwickelt wurde, weltweit bekannt geworden.
Weltweite Referenzstationen können die Positionsgenauigkeit steigern
Die Alberding GmbH stellte eine mobile Satnav-Empfängerausstattung mit zugehöriger Referenzstation vor. Die Ausrüstung gehörte zu einem praktischen Feldversuch aus der Landwirtschaft zum Thema "Präzise Punkt Positionierung in Echtzeit". Im Versuch waren die verschiedenen Empfängertypen auf einer traktorähnlichen Landmaschine installiert.
Mit Hilfe der genau eingemessenen Referenzstation, GPS, dem firmeneigenen Korrekturdienst (DGPS-Dienst) und schließlich einer weiter entfernten Referenzstation wurde die Genauigkeitssteigerung der Position auf der Ackerfläche simuliert. Der Versuch sollte zeigen, wie durch Zusatzdienste auf Basis von weltweiten Referenzstationen die Positionsgenauigkeit in Echtzeit unterstützt und gesteigert werden kann. Bisher kann diese Positionsbestimmung nur mit Zeitverzögerung vorgenommen werden.
Das Fraunhofer Institut für Fabrikbetrieb und -automatisierung aus Magdeburg demonstrierte mit einem Gabelstapler, den die Besucher auf einem Planungstisch steuern konnten, die Kombination von verschiedenen Ortungs- und Identifikationstechnologien. Zur Ortung wurde die Gabelstaplerfahrt mit einer Videokamera erfasst, die Identifikation des Fahrzeugs erfolgte über Funk. Die Auswertung wurde auf verschieden graphischen Oberflächen eines PCs dargestellt, um die logistischen Abläufe zu analysieren und zu optimieren.
ALEGRO unterstützt die Navigation im Forschungshafen Rostock
Den Forschungshafen Rostock präsentierte das DLR mit dem Projekt ALEGRO. Es dient der Unterstützung hochpräziser und sicherheitskritischer Galileo-Anwendungen und -Dienste auf Basis eines lokalen maritimen Ergänzungssystems. Dem sicherheitskritischen Aspekt wird dabei besondere Beachtung gewidmet, da neben der zu erwartenden Präzision im Zentimeter-Bereich vor allem Informationen über die Zuverlässigkeit und Verfügbarkeit des Signals von Interesse sind.
Hierdurch werden etwa das Befahren der Fahrrinne und das Anlegen im Hafen mittels Satellitennavigation erst möglich. Am Stand konnten die Besucher life die Analyse von Ortungssignalen im Rostocker Hafen über das Internet verfolgen. In einem zukünftigen Projekt ist geplant, ALEGRO auch für eine Qualitätsanalyse der vom SeaGate Testbed abgestrahlten Galileosignale in Echtzeit zu nutzen.
Die Referenten des ersten Tages nahmen zu allgemeinen Themen der Branche Stellung. Silke Rittgerott aus dem Verkehrsministerium stellte die Aktivitäten der Bundesregierung zur Unterstützung der Anwenderindustrie vor. Ihr Ministerium moderiert als Schirmherr das SATNAV-Forum und unterstützt die nationale und europäische Visualisierung der regionalen SatNAV-Initiativen bei Messen und Veranstaltungen.
Das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) fördert im nationalen Raumfahrtprogramm Anwendungen sowie den Bau von Test- und Entwicklungsumgebungen mit Galileosignalen, wie etwa GATE in Berchtesgaden oder SeaGate im Rostocker Hafen. Das Anwendungszentrum Oberpfaffenhofen berichtete über den jährlichen Wettbewerb "European Satellite Navigation Competition", der wieder einmal bewies, dass die Anwendungsmöglichkeiten nahezu unendlich sind.
Neue Anwendungen sollen den Transport- und Logistikverkehr in Städten verringern
Peter Loef von der Initiative NAVISAT erläuterte, warum die Genauigkeiten mit GPS, GLONASS und Galileo für die hochgenaue Feldbestellung mit Maschinen (Precise Farming) nicht ausreicht, sondern Korrekturdaten für eine zuverlässige Steuerung der Landmaschinen notwendig sind. So liegen die benötigten Genauigkeiten zwischen fünf Metern für die Feldvermessung bis hin zu fünf Zentimetern für die Steuerung von Traktoren für die Feldpflege, Saat, Düngung und Ernte. Die erforderlichen Korrekturdaten können Satellitenpositionierungsdienste liefern, wie beispielsweise ASCOS.
Sowohl die Präsentationen als auch die Exponate betonten die Besonderheiten und Vorteile bei Nutzung der Satellitennavigation in den interessanten Wachstumsbranchen wie Telematik, Logistik und Präzisionsanwendungen und schlugen Brücken zwischen Anwendern und potentiellen Kunden der SATNAV-Technologien.