Tagebuch TEXUS 44

Und täglich grüßt das Murmeltier



 Verschneites Raketenmodell auf ESRANGE
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Samstag, 2. Februar 2008

Der Countdown für TEXUS 44 soll um 4.30 Uhr beginnen. Gegen 4.00 Uhr wird ein Wetterballon ausgesandt. Kurz darauf kommt das Ergebnis der Messung: Die Bodenwinde sind zu stark und zu unstetig. Mit acht bis elf Metern pro Sekunde weht ein böiger Wind aus südlicher Richtung. Countdown und Start werden daraufhin abgesagt. Nein, das ist kein Déjà-vu. Es kommt einem nur so vor.

Dabei fällt das Warten immer schwerer, und die Zeit drängt. Denn mit der Verzögerung verschiebt sich auch der Start von TEXUS 45, der für den 7. Februar geplant war. Laut Meteorologen sind die Wetterbedingungen am Sonntag und Montag am besten. Danach zieht schon wieder die nächste Tieffront über Lappland herauf.

In den Labors und Hallen beim Startturm wird derweil weiter getestet und vorbereitet. Auch die italienischen Gravitationsbiologen um Prof. Saverio Ambesi von der Universität Udine verlieren nicht die Geduld. Die Wissenschaftler möchten herausfinden, wie die Reizübertragung durch Schwerelosigkeit beeinflusst wird. Hierzu benutzen sie die Schilddrüsenzellen von Ratten. Die Zellen, die sich in einer Nährlösung befinden, aktivieren die Forscher mit einem Hormon, dem Thyreotropin. Hierdurch schütten diese zyklisches AMP (Adenosinmonophosphat) aus.

Im Körper setzt AMP seinerseits verschiedene Stoffwechselreaktionen in Gang. Im Experiment hingegen wird den Proben zu einem bestimmten Zeitpunkt Aceton hinzugefügt. Es tötet die Zellen ab und friert dadurch den Status Quo ein. Anschließend messen die Forscher, wie viel AMP gebildet wurde. Neben dem eigentlichen Experiment, bei dem die Zellen der Schwerelosigkeit ausgesetzt werden, führen sie zusätzlich drei Referenzuntersuchungen durch. Dazu fügen sie einer Gruppe von Schilddrüsenzellen Aceton zu, sobald die Phase der Schwerelosigkeit einsetzt.

 Das Nutzlastmodul mit Zentrifuge
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Referenzversuche sollen die Qualität der Ergebnisse überprüfen

Hierdurch soll die Belastung ermittelt werden, welche die Proben durch die Beschleunigung beim Start erfahren. Eine zweite Gruppe von Zellen befindet sich in einer Zentrifuge, in der sie während der Schwerelosigkeit so beschleunigt werden, dass sie normaler Erdschwerkraft unterliegen. Eine dritte Gruppe von Proben durchläuft das Experiment im Labor am Boden. Durch die unterschiedlichen Referenzuntersuchungen wird die Qualität der Experiment-Ergebnisse überprüft.

Gegen Abend hört es endlich auf zu schneien, und die Wolkendecke reißt an einigen Stellen auf. Ob sich wohl auch die Windbedingungen bessern werden? Beim Abendbrot in der Kantine werden jedenfalls noch Wetten auf den morgigen Start angenommen. Die Forscher und Techniker nehmen die anhaltenden Startverschiebungen mit Humor: Als Abendprogramm steht die TV-Verfilmung von "Per Anhalter durch die Galaxis" auf dem Programm.


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