Tagebuch zur REXUS-5/6-Mission

Pampers für die Wissenschaft



 REXUS-5-Experimente im Benchtest
zum Bild REXUS-5-Experimente im Benchtest

Freitag, 6. März 2009

Für REXUS 5 ist heute der Tag der Wahrheit: Ein Benchtest wird zeigen, ob alle Projekte flugbereit sind. Hierfür bauen Techniker die Experimente hintereinander auf einem Tisch auf und zwar in der gleichen Reihenfolge, wie in der Rakete. Nun wird alles miteinander und dem Servicemodul verkabelt und geprüft, ob das Zusammenspiel aller Komponenten funktioniert.

Bei diesem Flugsimulationstest gehen die Techniker die komplette Startsequenz durch. Dabei werden die Experimente genau nach Zeitplan aktiviert. "Das sind die realen Flugbedingungen, nur dass die Rakete nicht wirklich startet", erklärt Maria Roth, Leiterin des REXUS/BEXUS-Programms der DLR Raumfahrtmanagement.

Nicht alles funktioniert beim Benchtest auf Anhieb

Leider treten beim Test einige Fehler auf. Beim Projekt Itikka (finnisch: Moskito) von Studenten der Technischen Universität Tampere gibt es ein kleines Problem. Während des Flugsimulationstestes wird die Stromversorgung von extern auf die interne Batterie umgeschaltet. Der Bordcomputer von Itikka ist genau auf die 28 Volt des Labor-Stromnetzes ausgelegt.

 Das Itikka-Experimentmodul
zum Bild Das Itikka-Experimentmodul

Die Spannung der Batterie ist jedoch immer geringfügig höher. Hierauf reagiert der Computer etwas beleidigt und fährt sich erst einmal herunter, um sich neu zu booten. Dadurch gehen die vorher aufgespielten Kommandos für das Experiment verloren und müssen neu eingegeben werden. Das ist nicht weiter schlimm, dauert aber rund zwei Minuten.

Laut Startsequenz liegen zwischen dem Signal "Power on" für die Energie-Umschaltung und dem Startsignal 90 Sekunden - nicht genug für Itikka. Doch das Problem ist ebenso schnell wie einfach gelöst: Die Batterie wird jetzt etwas früher im Ablaufplan eingeschaltet, so dass ganze drei Minuten bis zum Start bleiben.

Itikka testet neue Elektronik und Technik für Studentenraketen

Mit Itikka wollen die Studenten eine selbst entwickelte Elektronik- und Intertialplattform für eine neue Generation von Studentenraketen testen. Diese werden auf REXUS 5 zum ersten Mal echten Flugbedingungen ausgesetzt. Bei einer Inertialplattform handelt es ich um ein Trägheits- und Lage-Messsystem. Es besteht aus drei senkrecht zueinander stehenden Beschleunigungs- und Drehgeschwindigkeits-Sensoren. Auch eine Kamera ist an Bord. Sie soll während des Fluges Luftaufnahmen von Lappland machen.

 Die Schrauben von CharPa werden mit Klebstoff gesichert.
zum Bild Die Schrauben von CharPa werden mit Klebstoff gesichert.

Etwas gravierender ist ein Fehler beim spanischen Vip-Bip-Experiment: Obwohl das Stromkabel angeschlossen ist, tut sich nichts. Daher muss das Team jetzt noch einmal alles geben, um rechtzeitig fertig zu werden. Und sie schaffen es! Nach einem erfolgreichen Test schäumen sie noch das Gehäuse der integrierten Kamera aus, um deren Stabilität zu erhöhen.

Beim CharPa-Experiment gibt es nur kleinere Probleme mit der Datenübertragung zur Bodenstation. Diese werden aber schnell behoben. Irina Strelnikova, die Teamleiterin, fixiert noch schnell die Schrauben mit Kleber, damit sie beim Start nicht locker werden. Es sieht ein bisschen aus, als ob sie mit Zinksalbe Pünktchen auf das Gerät malt. Anschließend schraubt Olle Persson es auf einen Adapter-Ring, über den es mit dem Ittika-Modul verbunden wird.

Ein "Knallfrosch-Test" simuliert die Zündung der Pyrotechnik

Nun findet ein "Knallfrosch-Test" statt. Dabei prüfen die Techniker, ob die Pyrotechnik am Bergungssystem einsatzfähig ist. Hierzu werden statt der Sprengvorrichtungen winzige Knallkörper an den entsprechenden Stellen gezündet. Es kracht, es blitzt, es raucht: Das kleine Feuerwerk sieht aus wie ein paar Ladykracher zu Sylvester und wird von den Umstehenden mit Spannung verfolgt.

 Einsatz von Windeln in der Raumfahrt-Technologie
zum Bild Einsatz von Windeln in der Raumfahrt-Technologie

Beim NISSE-Experiment tun sich derweil wunderliche Dinge: Olle hat einen Packen Windeln organisiert, den er nun unter den Boden der Anlage stopft. Pampers werden sich als neuer Werkstoff der Raumfahrttechnik wohl eher nicht durchsetzen, für REXUS 6 sind sie aber auf jeden Fall effektiv: Die Studenten könnten das Leck in der Apparatur zwar schließen, aber an einem der Ventile tritt gelegentlich noch ein Tropfen Wasser aus.

Das ist keine Gefahr für das Experiment, wohl aber für das darunter liegende Servicemodul mit seiner empfindlichen Elektronik. Die Windeln im Modul tun das, was sie sonst auch sollen: Flüssigkeit aufsaugen. Man muss sich nur zu helfen wissen.

Während die REXUS-Kampagne also ganz gut in der Zeit liegt, wird der Start des ersten Ballons leider um zwei Nächte verschoben. Frühestens am Sonntag sind die Wetterbedingungen gut genug für einen Flug. Jetzt heißt es: Daumen drücken!


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