Tagebuch zur REXUS-5/6-Mission

Roll Out für REXUS 6



 Gruppenbild mit Rakete
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Montag, 10. März 2009

Das Wetter lässt wirklich zu wünschen übrig: Es ist nasskalt und diesig. Doch bei den Studenten ist die Stimmung gut, denn gestern Abend ist es noch gelungen, auch die Nutzlast von REXUS 6 fertig zu stellen. Zusammen mit den Motoren lagert sie in der Skylark-Halle, in der die Raketenstufen vorbereit werden und wartet auf ihre weitere Verwendung. Vor allem das AGADE-Team ist erleichtert, da es seine Software noch rechtzeitig in den Griff bekommen hat: Das Experiment kann mit dem Servicemodul kommunizieren.

Beim 8.30-Uhr-Meeting geht Olle Persson, der schwedische Projektleiter des REXUS/BEXUS-Programms mit den Teams detailliert den Start-Ablauf durch, denn für heute Nachmittag ist ein Test-Countdown angesetzt. Daran schließt sich ein Vortrag zur Verifikation von Technologie-Entwicklungen an. Dies ist eine Art Fahrplan, den sich die Studenten erarbeiten müssen. Mit ihm können sie frühzeitig überprüfen, ob die Anforderungen an das Projekt erfüllt werden. Dies geschieht etwa anhand von Tests, Inspektionen oder externen Kontrollen.

REXUS 6 ist bereit für den Start

Derweil setzen die Ingenieure von DLR-MORABA (MObile RAketen-BAsis) in der Motorenhalle Nutzlast und Raketenstufe zusammen. Diese Arbeit erfordert viel Feingefühl und ist nicht ganz ungefährlich. Daher darf sich auch außer ihnen niemand im Raum aufhalten. Gegen 10.30 Uhr trudeln die Studenten von ihrem Workshop ein und machen sich für das angekündigte Gruppenfoto mit Rakete bereit. Doch die Montage dauert noch ein wenig länger und so muss sich die Truppe in Geduld fassen. Olle weist noch einmal darauf hin, dass sämtliche Funkgeräte - dazu zählen selbst Autoschlüssel mit Fernbedienung - im Umfeld der Motoren verboten sind.

 Roll Out von REXUS 6
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Dann endlich ist es soweit, rund 30 Leute strömen in die Skylark-Halle und bauen sich hinter REXUS 6 auf. In ihrer vollen Länge von rund sechs Metern ruht die Rakete am Ende des Raumes auf zwei Rollwagen. Dann heißt es: "Recht freundlich bitte!" Und die Auslöser der Kameras klicken. Blitzen dürfen sie nicht, das wäre in unmittelbarer Nähe von fast 300 Kilogramm hochexplosivem Sprengstoff nicht ratsam. Einer der Fotografen lässt die Studenten sogar einen Freudenhüpfer machen. Gutwillig folgen sie dem Wunsch. Dann ist erstmal Mittagspause.

Die Rakete tritt ihre Reise zur Startrampe an

Um 12 Uhr beginnt der "Roll Out", das Überführen der Rakete zum Startplatz. Per Baldemar dirigiert das gelbe Transportmobil in die Skylark-Halle. Ein Kran lädt REXUS 6 behutsam auf den Anhänger. Nun setzt sich das ungewöhnliche Gespann in Richtung Startplatz in Bewegung. Mit moderatem Tempo, blinkend und unter lautem Fiepen rollt der Transporter um das Gebäude herum, am MAXUS-Turm vorbei bis hin zum kleinen, langgestreckten Hangar, der die Startrampe beherbergt. Per begleitet diese Reise und passt auf, dass niemand der Rakete zu nahe kommt. Am Ziel wird die Rakete vom MORABA-Team in Empfang genommen. Es zieht den Anhänger ins Innere und kurbelt die Ladefläche nach oben zur horizontal gestellten Rampe. Nun wir die Rakete in langer Feinarbeit daran befestigt.

Um 14 Uhr soll die Entscheidung fallen, ob der Test-Countdown gestartet wird. Doch sie verzögert sich um unbestimmte Zeit. Für die Studenten heißt das: wieder warten. Um 15 Uhr findet eine meteorologische Besprechung zum Start des TWIN-Ballons statt. Derzeit sind die Wetterbedingungen nicht gerade optimal. Ein weiteres Meeting um 23 Uhr soll Klarheit bringen. Bei guten Voraussetzungen könnte die Mission in den frühen Morgenstunden starten.

Ein Test-Countdown simuliert den Startablauf

 Test-Countdown im Hauptgebäude
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17.20 Uhr: Endlich die Durchsage, dass der Test-Countdown beginnt. Nun arbeiten das Start-Team - bestehend aus Sicherheitsfachleuten und Ingenieuren - Missionskontrolle und Bodenstation den gesamten Ablauf der Countdown-Prozedur durch. Alles läuft ab wie beim realen Countdown, nur dass die Rakete nicht gestartet wird. Bei dem Test werden nicht nur Technik und Datenübertragung überprüft, sonder auch die Kommunikation aller Beteiligten untereinander durchgespielt. Rund drei Stunden dauert der Test.

Nun hängt es hauptsächlich von TWIN ab, ob REXUS 6 morgen planmäßig fliegen kann. Denn wenn der Ballon tatsächlich in der Frühe aufsteigt, ist das Start-Team für Stunden damit beschäftigt. Aus Sicherheitsgründen muss es danach eine Pause einlegen, denn müde und unkonzentriert dürfen die Beteiligten bei einem Raketenstart nicht sein. Also warten alle gespannt auf die Entscheidung des verantwortlichen Missionsteams.

Um 21.45 Uhr knackt es wieder in der Sprechanlage: Der Countdown für TWIN hat begonnen. Damit ist klar, dass es morgen keinen REXUS-Start geben wird, denn das Launch-Team wird bis spät in die Nacht beschäftigt sein. Der Test-Countdown für REXUS 6 hat außerdem ein kleines technisches Problem mit dem Empfang der GPS-Daten offenbart. Doch die Startverschiebung gibt den Technikern ausreichend Zeit, den Fehler zu beheben. Die Studenten sind ein wenig enttäuscht, gewinnen der Sache aber auch ihr Gutes ab: Nach vielen durcharbeiteten Nächten können sie morgen endlich einmal ausschlafen.


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