Auswirkungen wiederholter Schwerelosigkeit auf Stress und das Immunsystem



Raumfahrer sind aufgrund der vollkommen veränderten Lebensbedingungen während eines Raumfluges vielen neuen Reizen ausgesetzt. Diese Faktoren wie etwa das Fehlen der Schwerkraft, die potentiell lebensbedrohlichen Umstände und die räumlichen Einschränkungen können nicht nur das Allgemeinbefinden beeinträchtigen, sondern durch übertriebene Stressreaktionen auch Krankheiten auslösen.

Werden verschiedene Stressbewältigungs-Systeme aktiviert, so kann dies die Funktionen des Immunsystems stark beeinflussen. Die Dynamik der Antwort dieser "Stress-Antwort-Kaskaden" sowie ihre Folgen für das Immunsystem sind wahrscheinlich abhängig von der Dauer und Intensität der Stressfaktoren und können zudem interindividuell variieren.

Die Wissenschaftler wollen daher erstmals systematisch die Stressantworten bei Probanden untersuchen, die sowohl einer längerfristigen exposition als auch einer kurzzeitigen Stresssituation, die durch Raumfahrtkativitäten verursacht wird, ausgesetzt sind. Dabei werden die nervösen und hormonellen Stress-Antworten und ihre Folgen auf das Immunsystem und damit auf die Infektabwehr untersucht.

Auf der Basis der Ergebnisse vorangegangener Versuche aus der achten, neunten und zehnten DLR-Parabelflugkampagne sowie einer ESA-Kampagne 2012 und den Experimenten im Rahmen von MARS500 und der momentan auf der Internationale Raumstation ISS durchgeführten Studie IMMUNO werden gesunde Probanden untersucht, die 2009 auf der Antarktisstation Concordia überwinterten und dort mit nahezu identischen Untersuchungsmethoden erfasst wurden. Hierzu werden die Probanden vor, nach, sowie mehrfach während eines Parabelfluges untersucht. Veränderungen des Immunsystems - insbesondere der Infektabwehr - untersuchen die Forscher anhand von speziellen Blut-, Speichel-, Atem- und Urin-Analysen. 

Wenn es den Wissenschaftlern gelingt, die individuellen kurz- und langfristigen Auswirkungen der Stressfaktoren im Weltraum auf das Zusammenspiel von Stress und Immunsystem zu verstehen, könnten neue vorbeugende Therapien entwickelt werden. Durch diesen Schritt hin zu einer individualisierten Medizin könnten somit auch die medizinischen Voraussetzungen für sicherere astronautische Langzeitraumflüge geschaffen werden. Darüber hinaus werden die Erkenntnisse aus dem Parabelflugexperiment auch Patienten helfen, die akutem oder chronischem Stress ausgesetzt sind - etwa infolge von Operationen oder der Behandlung auf einer Intensivstation.


Kontakt
Dr. med. Alexander Chouker
Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität, München

Klinik für Anästhesiologie

Tel: +49 89 7095-6422

E-Mail: achouker@med.uni-muenchen.de
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