Raumfahrtplanung



Die deutsche Raumfahrt kann auf ein erfolgreiches Jahrzehnt zurück blicken. Sie hat sich in Europa und weltweit die Position als vielfach führender und zuverlässiger Technologielieferant und willkommener Kooperationspartner erarbeitet. Sie leistet aber auch seit vielen Jahren und auf unterschiedlichen Gebieten wichtige Beiträge zu einem hohen Lebensstandard, zu Fortschritten in der Wissenschaft und zur Sicherheit in Deutschland und Europa. Sie ist Motor für die wirtschaftliche Entwicklung eines Landes und ein wichtiger Faktor in der deutschen Standortpolitik.

Aus dem gesetzlichen Auftrag und den politischen Vorgaben der Raumfahrtstrategie der Bundesregierung ergeben sich übergeordnete Ziele für das Raumfahrtmanagement. Diese setzen wir um in Programmen und Missionen der Bereiche:

 

  • Grundlagen der deutschen Raumfahrtplanung

    Im Koalitionsvertrag von 2009 haben sich die Regierungsparteien auf eine Neuausrichtung der Raumfahrtpolitik festgelegt: Deutschland braucht klare Ziele in der Raumfahrt. Dafür wird eine eigenständige Raumfahrtstrategie mit klaren Missions- und Technologiezielen innerhalb eines Jahres weiterentwickelt. Im November 2010 hat die Bundesregierung ihre Raumfahrt-strategie für eine zukunftsfähige deutsche Raumfahrt im Kabinett beschlossen und am 1. Dezember 2010 der Fachöffentlichkeit vorgestellt.

    Grundlage hierfür ist das Raumfahrtaufgabenübertragungsgesetzes (RAÜG). Es betraut das DLR mit den Agenturaufgaben zur Erstellung der deutschen Raumfahrtplanung und der Wahrnehmung deutscher Raumfahrtinteressen im internationalen Rahmen, insbesondere gegenüber der ESA. Auf Basis des RAÜG erteilt das Raumfahrtmanagement im DLR ebenso Aufträge und Zuwendungen für Raumfahrtprojekte im Nationalen Raumfahrtprogramm, von der Beratung von Antragsstellern über Förderentscheidungen bis hin zum Technologietransfer.

     

 

Den gesellschaftlichen Nutzen der Raumfahrt mehren

Das Raumfahrtmanagement bewertet seine Fördervorhaben und Aufträge an deren wissenschaftlicher Exzellenz und wirtschaftlicher Effizienz. Wachsende Bedeutung erlangen darüber hinaus Beiträge zu globalen Herausforderungen, denn wir wollen schneller auf neue Herausforderungen reagieren und Lösungen anbieten. Eine unserer zentralen Aufgabe ist es, hierfür alle Interessensgruppen in den Dialog über die Zukunft der Raumfahrt einzubinden. Dazu gehört es, unsere Tätigkeiten und die der Raumfahrt in Deutschland insgesamt transparent darzustellen. Zu diesem Zweck informiert das Raumfahrtmanagement über seine Arbeit die Politik, Wissenschaft, Wirtschaft, Medien und Öffentlichkeit eigenständig in einem vielfältigen Angebot.

Wissenschaftliche Exzellenz garantieren

Wir leben heute in einer Wissensgesellschaft, in der die kognitive Leistungsfähigkeit eines jeden einzelnen die Zukunftsfähigkeit unseres Landes beeinflusst. Wissen ist zur strategischen Ressource des 21. Jahrhunderts geworden. Der Wettbewerb um die besten Köpfe ist im vollen Gange. Nur auf Basis exzellenter nationaler Kompetenzen wird sich Deutschland als bedeutende Wirtschaftsnation mit hohem Lebensstandard, intakter sozialer Fürsorge und effektiver innerer wie externer Sicherheit in europäischer Kooperation und im internationalen Wettbewerb behaupten können. Hochqualifizierte, anspruchsvolle wissenschaftliche Forschung und gezielte Nachwuchsförderung sind hierfür unverzichtbare Nährböden.

Raumfahrt ermöglicht neue Erkenntnisse über die Beschaffenheit und Entwicklung unseres Sonnensystems und des Universums. Sie schafft neue Möglichkeiten zur experimentellen Überprüfung von grundlegenden physikalischen Fragen, etwa zur Relativitätstheorie und liefert neues Wissen über den Einfluss der Gravitation auf biologische, medizinische und physikalische Vorgänge. Die Forschung unter Weltraumbedingungen widmet sich der Medizin des Menschen sowie Fragen der Biologie, Physik und Materialkunde.

Raumfahrt richtet den Blick aber auch auf unseren Heimatplaneten Erde: Die Erforschung unseres Klimasystems, unserer Atmosphäre, der tropischen Regenwälder, Ozeane oder Pole ist unverzichtbar für das Verständnis, den Schutz und damit den Fortbestand unseres Ökosystems. Exzellente Forschung kann und soll aber auch bei Launchern, Satelliten und anderer Raumfahrtinfrastruktur stattfinden. Die Förderung exzellenter Vorhaben in der Grundlagenforschung und der angewandten Forschung, die auch andere Wissensgebiete befruchten können, ist daher ein besonderes Anliegen des Raumfahrtmanagements.

Kommerzialisierung und Innovationen fördern

Ein wichtiger Erfolgsmaßstab, den die Raumfahrtstrategie der Bundesregierung vorgibt, ist die stärkere kommerzielle Nutzung von Raumfahrttechnologien. Das zielt auf ganz unterschiedliche Aktionsfelder, die auszubauen sind: zum einen die stärkere kommerzielle Nutzung von Satellitendaten, zum anderen die Anwendungen von Raumfahrttechnologien in anderen Branchen. Dabei werden sehr unterschiedliche Zielgruppen angesprochen:

  • große Systemfirmen
  • kleine und mittlere Unternehmen (KMU) in der Raumfahrt und in Anwenderbranchen
  • Existenzgründer in der Raumfahrt und in Anwenderbranchen

In allen drei Bereichen wird das Raumfahrtmanagement seine Aktivitäten ausbauen. Raumfahrt ist neben ihrer Funktion als Instrument für Wirtschaft, Wissenschaft und Politik immer schon eine reiche Quelle für Innovationen und auch für Spin-offs gewesen. Denn die extremen Bedingungen des Weltalls fordern die Kreativität von Ingenieuren und Wissenschaftlern aufs Äußerste heraus.

Technologieentwicklungen und Innovationen zu fördern und den Transfer in marktreife Produkte oder Dienste vorzubereiten, ist eine wachsende Aufgabe in der deutschen Raumfahrtplanung. Dafür sollen aus Raumfahrtvorhaben konkrete Anwendungspotenziale für möglichst viele Industriesektoren und Nutzer gezielt abgeleitet werden.

Effizienz in der Raumfahrt weiter steigern

Raumfahrt wird Zukunft viel stärker an ihrer Kompetenz gemessen werden, mit den staatlichen Budgets verlässlich und verantwortlich zu wirtschaften. Ziel des Raumfahrtmanagements ist es, Raumfahrt nach dem besten Kosten-Nutzen-Verhältnis auszurichten und die technologische wie finanzielle Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Raumfahrtindustrie zu gewährleisten.

Dies umfasst die Kostenkalkulation von Raumfahrtmissionen über die Planung mit validen Missions-Vorstudien für eine zuverlässige und rechtzeitige Abschätzung von technischen und finanziellen Risiken, ein stringentes Cost Engineering, die langfristige Qualitätssicherung der Soft- und Hardware sowie Datennutzung und -auswertung bis zum Ende der Mission. Bei Satelliten schließt dieses im Sinne einer nachhaltigen Raumfahrt das gezielte sichere Entsorgen ein, im Einklang mit internationalen Regelungen (Code of Conduct). Für anspruchsvolle Raumfahrtprojekte werden wir hierfür intelligente ingenieurtechnische Lösungen suchen sowie moderne Betriebsszenarien entwickeln und etablieren.

Kooperationen stärken und neue Partner gewinnen

Für die langfristige Sicherung des Wirtschaftsstandortes Deutschland und des europäischen Wirtschaftsraums ist die nachhaltige Zusammenarbeit auf nationaler und internationaler Ebene ein wichtiger Erfolgsfaktor. Das Raumfahrtmanagement leistet seinen Beitrag hierfür in der engen Vernetzung von Hochtechnologie-Kompetenzen in Deutschland und Kooperationen mit Partnerländern, insbesondere den ESA-Mitgliedsstaaten.

Eine stetige Herausforderung besteht hierbei in der Einbeziehung neuer Partner aus Wissenschaft und Wirtschaft, für welche die Raumfahrt bislang noch nicht genutzte Potenziale bietet und die aktive, zielorientierte Gestaltung solcher Netzwerke. Hier wird das Raumfahrtmanagement neue Initiativen ergreifen.

Nachwuchs gewinnen und fördern

Die Raumfahrt leistet seit langem einen wichtigen Beitrag, um dem Fachkräftemangel insbesondere in naturwissenschaftlichen und technischen Berufen besser zu begegnen. Denn Raumfahrt ist wie kaum eine andere Disziplin geeignet, junge Menschen für Naturwissenschaft und Technik zu begeistern. Das Raumfahrtmanagement unterstützt daher auch in Zukunft gezielt die Forschung an Universitäten und die Bildungsarbeit an Schulen.


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