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Sicherheit



 Der Erdbeobachtungssatellit Sentinel-1
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Seit dem Ende des Kalten Krieges hat sich das Sicherheitsumfeld weltweit geändert. Die Folgen der Globalisierung, der internationale Terrorismus, die Versorgung mit Energie und Rohstoffen, der Klimawandel und Naturkatastrophen oder der Zerfall von Staaten sind aktuelle Risiken und Bedrohungen, die das Sicherheitsverständnis weltweit beeinflussen. Dies thematisieren nicht zuletzt die verteidigungspolitischen Richtlinien des Bundesministers für Verteidigung.

Um ihnen zu begegnen, ist die Sicherheitspolitik der Bundesrepublik Deutschland umfassend angelegt und basiert auf vernetzten Strukturen. Der erweiterte Sicherheitsbegriff ist in Deutschland geprägt durch gesamtstaatliches Handeln, multilaterale Koordinierung, Zusammenarbeit der Institutionen und Ressorts.

Hierzu leistet Raumfahrt einen wichtigen Beitrag. Dieser Bedeutung trägt die Raumfahrtstrategie der Bundesregierung Rechnung. Als Schlüssel für die Lösung globaler Herausforderungen stellt Raumfahrt in ressortübergreifender Zusammenarbeit wesentliche Fähigkeiten, beispielsweise zur Krisenbewältigung oder Frühwarnung bereit. Sicherheitspolitische Anforderungen sind zu einem maßgebenden Faktor in der Raumfahrt in Deutschland geworden.

Nun gilt es, diese neuen Aufgaben mit wirtschaftlichem Handeln in Einklang zu bringen: Dies bedeutet, dass, wo immer es sich politisch anbietet, Kooperationen im nationalen Rahmen Vorrang vor Eigeninitiativen erhalten. Eine gemeinsame Industriepolitik und Dual-Use-Technologien bieten einen breiten gesellschaftlichen Nutzen. Das geplante deutsche Satelliten-Projekt Heinrich Hertz steht exemplarisch für diese ressortgemeinsame Politik.

Bedeutung weltraumgestützter Systeme für die Sicherheit

Das europäische Erdbeobachtungsprogramm

Grundlage einer jeden Entscheidung ist die Kenntnis der aktuellen Lage. Je exakter, detaillierter und aktueller Lageinformationen sind, desto präziser lässt sich eine Situation bewerten und damit eine richtige Entscheidung fällen. Weltrauminfrastruktur ist eine wesentliche technische Grundlage zur Entscheidungsfindung auf der politischen Ebene. Bei militärischen Einsätzen stellen Kommunikations-, Erdbeobachtungs- und Navigationssatelliten Lageinformationen nahezu in Echtzeit weltweit zur Verfügung.

Doch nicht nur militärische Nutzer profitieren von diesen Diensten, auch zivile Hilfsorganisationen (Rotes Kreuz, THW) nutzen diese Fähigkeiten im Katastrophenfall. Wichtiges Element in der Kette von der Katastrophe zur Hilfe ist das Zentrum für Satellitengestützte Kriseninformation (ZKI): Das ZKI ist ein Service des Deutschen Fernerkundungsdatenzentrums (DFD) im DLR mit einem 24-Stunden-Service.

Dieser bietet schnelle Beschaffung, Aufbereitung und Analyse von Satellitendaten bei Natur- und Umweltkatastrophen, für humanitäre Hilfsaktivitäten und für die zivile Sicherheit. Die Satellitendaten werden nach den spezifischen Bedürfnissen für nationale und internationale politische Entscheidungsträger, Lagezentren sowie Hilfsorganisationen erstellt und stehen auch der Öffentlichkeit zur Verfügung.

Satelliten brauchen Schutz

Die zunehmende Bedeutung von orbitalen Strukturen für Gesellschaft und Politik erfordert den Schutz von Satelliten vor natürlichen und vom Menschen verursachten Gefahren. Zu den natürlichen Gefahren gehören Sonneneruptionen, deren elektromagnetisches Feld die Funktion von Satelliten stören kann, oder aber auch Kollisionen mit Meteoriten. Größere und gefährlichere Gefahren gehen jedoch vom Menschen aus. Die Raumfahrtaktivitäten der letzten Jahrzehnte haben eine große Menge Rückstände im Weltraum hinterlassen: Raketenoberstufen, alte, ausgediente Satelliten und viele zehntausend Trümmerteile. Ein großer Anstieg des Weltraummülls wurde im Februar 2009 verzeichnet, als zwei Kommunikationssatelliten miteinander kollidierten.

Raketen- und Satellitenkonzepte werden in Zukunft daraufhin entwickelt, keine oder kaum Restmüllteile in der Umlaufbahn zu hinterlassen. Auch hier werden die Leitlinien der neuen deutschen Raumfahrtstrategie deutlich: Raumfahrt muss sich am Prinzip der Nachhaltigkeit orientieren und auch zukünftigen Generationen Raumfahrt ermöglichen.

Doch neue Technologien zur Reduzierung von zukünftigem Weltraummüll allein reichen nicht aus. Die Gefahr für einen Satelliten, schon heute von einem Teilchen im Weltraum getroffen zu werden, macht es notwendig, Weltraummüll kontinuierlich zu analysieren, zu katalogisieren und damit ein Weltraumlagebild zu erarbeiten. Dies ist die Grundlage für sämtliche weiteren Maßnahmen, beispielsweise das Erstellen von Warnmeldungen, wenn sich Satelliten untereinander oder mit Weltraummüll auf Kollisionskurs befinden.

Weltraumlage in Deutschland

Da die Kenntnis der Weltraumlage von hoher politischer Bedeutung ist, hat die Bundesregierung den Aufbau eines nationalen Weltraumlagezentrums in Uedem am Niederrhein beschlossen. Weltraumlage ist ein Teil gesamtstaatlicher Sicherheitsvorsorge - das Weltraumlagezentrum setzt dies im ressortübergreifenden Ansatz um. Federführend durch die Luftwaffe werden künftig sowohl Soldaten als auch ziviles Personal des Raumfahrtmanagements den Weltraum überwachen und in Zukunft, wenn nötig, Satelliten, wie etwa die Bundeswehr-Aufklärungssatelliten SARLupe, ausweichen lassen und Ausweichempfehlungen für kommerzielle Satellitenanbieter anbieten, um nur die Kernaufgabe dieser Dienststelle zu nennen.

Weltraumlage im internationalen Umfeld

Weltraumlage ist jedoch nicht allein eine nationale Aufgabe, sondern erfordert koordinierte internationale Zusammenarbeit: In Europa sind Deutschland und Frankreich die einzigen Länder, die nennenswerte Infrastrukturen zur Erfassung der Weltraumlage besitzen. Beide Länder arbeiten gemeinsam an einem Weltraumlagesystem.

Die Vereinigten Staaten von Amerika verfügen derzeit über den modernsten Verbund von Sensoren. Die von ihnen ermittelten Daten bilden eine wesentliche Grundlage für die Sicherheit der europäischen Satelliten. Daher arbeitet Deutschland eng mit den USA zusammen.

Die Europäische Kommission wird in den kommenden Jahren Betreiber von etwa 40 Satelliten werden. Dazu gehören die GMES-Satelliten als auch die Galileo-Flotte. Deutschland wird im Sinne von partnerschaftlicher Kooperation mit der europäischen Kommission Lösungen für ein europäisches Weltraumlagesystem erarbeiten, ohne dabei nationale Souveränität über seine Sensoren aufzugeben.

Auch die Europäische Weltraumorganisation ESA wird ihren Beitrag leisten. Im European Space Operations Center (ESOC) in Darmstadt wird weltweit anerkannte Grundlagenforschung auf dem Gebiet Weltraummüll betrieben. Deutschland wird diese Kapazität weiter ausbauen und seine Position im internationalen Rahmen erhalten. Weitere mögliche Forschungsgebiete der ESA in Zusammenhang mit Weltraumlage können Weltraumwetter und Near Earth Objects (NEO) darstellen.


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