DGLR-Vortragsreihe beim DLR in Bonn gestartet
Die Doppelmission "Herschel/Planck" war am 3. Februar Auftakt-Thema einer neuen Vortragsreihe der Deutschen Gesellschaft für Luft- und Raumfahrt (DGLR) in Kombination mit dem Freundeskreis Luftwaffe e.V. Die Veranstaltungen finden in den Räumlichkeiten der Raumfahrtmanagement des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Bonn-Oberkassel statt, da die Gesellschaft nach Auszug aus ihrem angestammten Domizil an der Godesberger Allee Ende 2009 vorübergehend heimatlos ist. Zu Beginn hieß Projektdirektor Christoph Hohage die Vertreter der Gesellschaft sowie alle Gäste herzlich willkommen.
Dr.-Ing. Christian Gritzner, wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Abteilung Extraterrestrik der DLR Raumfahrtmanagement, stellte in seiner Präsentation die ersten Erfolge der kürzlich gestarteten Doppelmission "Herschel/Planck" vor: Die beiden Weltraum-Teleskope der Europäischen Weltraumorganisation ESA sollen Daten liefern, die über die Entstehung des Universums aufklären. Sie umkreisen seit Mitte 2009 auf unterschiedlichen Umlaufbahnen den sogenannten Lagrange-Punkt 2 des Erde-Sonne-Systems in einer Entfernung von rund 1,5 Millionen Kilometern zur Erde.
Da sie sehr kalte kosmische Objekte im infraroten Teil des Lichtspektrums aufnehmen, müssen ihre Instrumente noch kälter gehalten werden, damit das Messergebnis nicht verfälscht wird. Somit bilden die Bereiche der Satelliten, in denen die Instrumente gelagert sind, mit einer künstlich erzeugten Temperatur von minus 271 Grad Celsius die kältesten Punkte des Universums. Nur in irdischen Laboren können noch tiefere Temperaturen erreicht werden.
Derzeit begeistern beide Satelliten weltweit Astro-Wissenschaftler mit ihren spektakulären Bildern und Informationen. So liefern die Instrumente PACS und SPIRE faszinierende Aufnahmen, beispielsweise von stellaren Staubwolken im Sternbild "Kreuz des Südens". Sie sind Teil der Herschel-Mission, an welcher Deutschland maßgeblich beteiligt ist. Doch im August 2009 musste das Projekt auch einen ersten Rückschlag überwinden: HIFI, das dritte Instrument an Bord, war ausgefallen. Der Fehler - ein Bauteilversagen infolge einer abrupten Selbstabschaltung - konnte inzwischen durch ein Software-Update korrigiert werden. Seit Jahresbeginn arbeitet HIFI fehlerfrei.
Auch "Planck" hat die Inbetriebnahmephase erfolgreich abgeschlossen. Seine erste Himmelsdurchmusterung, ein Blick in die Vergangenheit des Universums, ist fast komplett - die wissenschaftliche Nutzergemeinde ist derzeit mit der Auswertung der Daten beschäftigt. Schon bald sollen erste Ergebnisse der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Man erhofft sich von Planck und Herschel unter anderem neue Erkenntnisse über die Bildung von Galaxien und einzelnen Sternen.
Im Anschluss an den Vortrag ergab sich die Gelegenheit zum lebhaften Gedanken- und Erfahrungsaustausch, bei dem auch andere Fachbereiche der Raumfahrt, wie zum Beispiel die Forschung unter Weltraumbedingungen, zur Sprache kamen.
Die Veranstaltungen, welche wechselweise jeweils von der DGLR oder vom Freundeskreis Luftwaffe e.V. gestaltet werden, finden 2010 mit Ausnahme von Juli und August einmal im Monat statt, jeweils mittwochs um 17:00 Uhr (genaue Daten und Themen auf Anfrage).