Am 1. März 2002 brachte eine Ariane 5 Europas größten Satelliten ENVISAT (Enviromental Satellite) vom europäischen Weltraumbahnhof Kourou in Französisch Guayana auf seine Umlaufbahn in 800 Kilometern Höhe. Seither umkreist er die Erde 14 Mal am Tag und sammelt Daten über den Zustand der Ozeane und der Landökosysteme, die Bewegung von Gletschern und Erdplatten sowie die Belastung der Luft.
Mit seinen zehn wissenschaftlichen Instrumenten liefert ENVISAT seither bis zu 280 Gigabyte Daten pro Tag - eine Menge, die etwa 60 DVDs entspricht. Weltweit arbeiten mehrere tausend Wissenschaftler an der Auswertung, und bis heute gab es zu ENVISAT bereits über 1300 Forschungsvorhaben.
Starke deutsche Beteiligung am Projekt
An der Entwicklung und am Bau von ENVISAT waren über 100 europäische Firmen beteiligt. Eine Führungsrolle hatte hierbei die Astrium GmbH. Sie leitete das Industriekonsortium und trug damit die Verantwortung für die sieben ESA-Instrumente. Weitere drei Instrumente wurden von Raumfahrtagenturen einzelner Mitgliedsländer bereitgestellt.
Die Astrium GmbH war Hauptauftragnehmer für die Atmosphärensensoren MIPAS (Michelson Interferometer for passive Atmospheric Spounding) und SCIAMACHY (Scanning Imaging Spectrometer for Atmospheric Chartography). Letzterer wurde zusammen mit der niederländischen Firma Fokker gebaut. Bei ENVISAT beteiligten sich auch kleinere und mittlere Firmen aus mehreren Bundesländern, wie etwa OHB aus Bremen, die Jena-Optronik GmbH aus Jena oder die Carl-Zeiss AG aus Oberkochem.
Der Betrieb von ENVISAT erfolgt vom ESA-Kontrollzentrum in Darmstadt aus. Im Deutschen Fernerkundungsdatenzentrum (DFD) des DLR in Oberpfaffenhofen werden Daten von den drei Atmosphären-Messinstrumenten (SCIAMACHY, MIPAS und GOMOS) sowie Daten des Radarsinstrumentes ASAR verarbeitet, archiviert und an Wissenschaftler weltweit verteilt.
Die wissenschaftliche Expertise für die Instrumente SCIAMACHY und MIPAS liegt bei der Universität Bremen und beim Forschungszentrum Karlsruhe. Somit besitzt Deutschland im Rahmen von ENVISAT eine Spitzenposition bei der Beobachtung der Atmosphäre. Auch an der Auswertung der anderen Sensoren sind deutsche Wissenschaftler wesentlich beteiligt.
Die Daten von ENVISAT haben längst Einzug in den Alltag gehalten. So werden regelmäßig Informationen der Sonneneinstrahlung an Betreiber von Solar-Anlagen geliefert, die Schifffahrt mit Informationen über Eisbedeckung versorgt und Landbedeckungs-Informationen für die Raumplanung zur Verfügung gestellt. Die Daten sollen auch im Rahmen des GMES-Programms (Global Monitoring for Environment and Security) verwendet werden. GMES ist eine gemeinsame Initiative der Europäischen Kommission und der Europäischen Raumfahrtorganisation ESA für Globale Umwelt- und Sicherheitsüberwachung.
Bereits jetzt macht man sich Gedanken über die Zeit nach Universal-Satelliten wie ENVISAT. Die ESA setzt in Zukunft auf eine neue Generation von flexiblen und kostengünstigen Einzelmissionen, die jeweils wissenschaftlichen Spezialfragen nachgehen. In kurzer, regelmäßiger Folge starten hierfür die Satelliten in den Erdorbit. Sechs solcher "Earth Explorer" genannter Missionen sind bereits geplant.
Missionsparameter