Grünes Licht für Galileo-Testgebiet Berchtesgaden



 Das Gebiet der GATE Testumgebung
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Satellitennavigation mit GATE steht Nutzern zur Verfügung

Als eine der ersten landgestützten Testumgebungen für das zukünftige europäische Satellitennavigationssystem Galileo ist die im Berchtesgadener Land errichtete Sendeanlage GATE nun einsatzbereit. Die Endabnahme wurde am 9. und 10. Juli 2008 erfolgreich durchgeführt. Damit stehen in der Region im äußersten Südosten Bayerns potenziellen Entwicklern von Navigations-Hardware und -software sowie damit verbundenen Dienstleistungen realitätsgetreue Galileo-Signale zur Verfügung.

Im Auftrag der Bundesregierung hat die Raumfahrtmanagement des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) das Projekt mit zehn Millionen Euro finanziert. Unter Führung des Hauptauftragnehmers IFEN GmbH hatte sich ein GATE-Konsortium zusammengeschlossen, bestehend aus den Firmen EADS Astrium, Kayser-Threde, Telematica e.K, VEGA IT und VCS.

Weiterhin beteiligt waren das Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen, das Institut für Erdmessung und Navigation an der Universität der Bundeswehr in München, das DLR-Institut für Kommunikation und Navigation sowie das Deutsche Raumfahrtkontrollzentrum des DLR in Oberpfaffenhofen.

Realistisches und flexibles Testszenario

Sechs Sendestationen strahlen die Galileo-Signale in das Testgebiet aus; sie befinden sich in der Nähe der Gipfel des Grünstein, Toter Mann, Hochthron, Kneifelspitze, Kehlstein und Jenner. Zum Tal weisen die Stationen einen Höhenunterschied von bis zu 1.250 Metern auf. Da sich die Berge in allen Richtungen rund um Berchtesgaden befinden, lässt sich eine hohe Ausleuchtung des Testgebiets erreichen. Die Positionierungsgenauigkeit liegt für die horizontale Echtzeitnavigation mit der Frequenz E1 bei einem Wert von besser als zehn Meter.

GATE bietet aufgrund seiner Topologie die einzigartige Gelegenheit, Empfangstechnologien für Galileo auch unter realistischen und grundsätzlich überall zu erwartenden Störeinflüssen (zum Beispiel Mehrwege-Effekte) zu testen. Zusammen mit den beiden bereits gestarteten Testsatelliten Giove-A und Giove-B stehen derzeit insgesamt acht Galileo-Signalquellen bereit, wobei die sechs GATE- Signalgeneratoren  auch natürliche Effekte - zum Beispiel durch Ionosphäre und Troposphäre verursachte Signalbeeinflussungen - simulieren sowie die Signalstärken nach Bedarf variieren können. Somit kann von GATE am Ort des Nutzers ein echter Überflug von sechs Galileo-Satelliten simuliert werden.

 Future Satellite Navigation System Galileo
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Offener Dienst als Schwerpunkt

Mit GATE wird die Lücke zwischen einer reinen laborgebundenen Testkonstellation und dem realen Galileo-Navigationssystem geschlossen. GATE ermöglicht somit eine frühzeitige Entwicklung und Überprüfung von Technologien, Empfangsgeräten, Anwendungen und Diensten unter realistischen Umgebungsbedingungen.

GATE fokussiert auf den kostenlosen Galileo-Dienst, den "Galileo Open Service", der für den sogenannten "landmobilen Markt" -  zum Beispiel Autoverkehr, Landwirtschaft, Freizeit (Wanderer oder Kletterer) - besonders wichtig ist. Der Luftraum über Berchtesgaden und eine Eisenbahnstrecke im Testgebiet lassen sich mit bestimmten Einschränkungen ebenfalls nutzen.

Alternative zu GPS und GLONASS

Galileo ist das größte technologische Gemeinschaftsprojekt der Europäischen Union und der Europäischen Weltraumorganisation ESA. Europa erhält mit diesem weltumspannenden Satellitennavigationssystem eine Alternative zum US-amerikanischen GPS und dem im Aufbau befindlichen russischen Pendant GLONASS. Gleichzeitig gewinnt die europäische Industrie technologisch wichtige Kompetenzen für die Bereiche Satellitennutzlast, Bodenbetrieb und Endgeräte.

Nach dem derzeitigen Stand der Planung soll Galileo um 2013 aus einer Konstellation von dreißig Satelliten auf drei kreisförmigen Umlaufbahnen in einer Höhe von 24.000 Kilometern bestehen. Die Satelliten erhalten Unterstützung durch ein weltweit verzweigtes Netz von Bodenstationen. Gegenüber GPS zeichnet sich Galileo durch verbesserte Positionsgenauigkeit und -verfügbarkeit aus.

Es bietet ein speziell auf zivile Nutzer zugeschnittenes Konzept, angefangen von einem offenen und einem kommerziellen Dienst über Such- und Rettungsdienste bis hin zu Services für sicherheitsrelevante und hoheitliche Anwendungen. Die Verbindung von Navigationsdaten mit Kommunikations-, Geoinformations- und lokalen Informationssystemen ermöglicht neuartige Anwendungsbereiche und Dienste.

Ansprechpartner für die Nutzung von GATE ist der Hauptauftragnehmer IFEN GmbH. Gemeinsam mit dem Interessenten werden geeignete Nutzungsarten und Testszenarien durch die IFEN GmbH erarbeitet. Dafür steht ein spezielles Planungswerkzeug zur Verfügung, das den Testablauf auf dem Computer simuliert, bevor im Versuchsgebiet der reale Ablauf durchgeführt wird.


Contact
Dr. Michael Heyl
German Aerospace Center

Space Administration
, Navigation
Tel: +49 228 447-480

Fax: +49 228 447-703

E-Mail: Michael.Heyl@dlr.de
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