Tagebuch zur REXUS-5/6-Mission

Auf der Suche nach Meteoritenstaub



 Gastransporter vor der Ballon-Halle
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Donnerstag, 5. März 2009

Neuer Tag, gleiche Zeit: Pünktlich um 8.30 Uhr beginnt die Informationsrunde für alle Missionsteilnehmer. Per Baldemar informiert über den für diese Nacht geplanten Start von MIPAS-B/TELIS. "Dies ist eine der bislang wichtigsten Ballonmission für Esrange", erklärt er. Aus diesem Grund wird sich das Launch-Team heute ausschließlich um dieses Projekt kümmern. Der Wind kommt derzeit aus Süden, so dass der Ballon in Richtung des Hauptgebäudes nach Norden aufsteigt. Im Bereich der Höhenwinde, die aus westlicher Richtung kommen, ändert er dann seine Richtung und nimmt Kurs in Richtung Russland.

Aus Sicherheitsgründen darf beim Aufstieg niemand unter der Gondel stehen. Selbst die riesige Fläche des Ballon-Startplatzes, auf die locker ein Fußballstadion passen würde, ist für Zuschauer gesperrt. Nur im Inneren der Vorbereitungshalle für die Ballon-Nutzlasten, der so genannten Kathedrale, ist der Aufenthalt erlaubt. Natürlich könnte man versuchen, den Start aus der sicheren Entfernung des Radar Hills zu verfolgen, aber in der Dunkelheit wäre wohl kaum etwas zu erkennen. Die ambitionierten Hobby-Fotografen unter den Zuhörern schauen nicht gerade begeistert drein. Aber Sicherheit geht nun mal vor.

Anschließend ermahnt Per die Studentengruppen, konzentriert bei der Arbeit zu bleiben. Auch wer meine, fast fertig zu sein, solle sich nicht zurücklehnen. Denn wer nicht rechtzeitig alle Vorbereitungen abgeschlossen hat, dessen Experiment fliegt nur noch als Ballast mit. "Dann ist die Rakete nichts weiter als Feuerwerk", kommentiert Olle Persson. Diesen Appell benötigt das AGADE-Team nicht. Trotz nächtelanger Arbeit gibt es immer noch Probleme mit der Software, aber bis Freitagabend soll alles einwandfrei funktionieren.

 Test des CharPa-Experiments
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Meteoritenstaub als Grundlage für Nacht-leuchtende Eiswolken

Gegen Mittag bereiten Techniker der MORABA die Raketenspitze von REXUS 5 auf den Start vor. Im Gegensatz zu REXUS 6 wird diese im Flug von den restlichen Modulen abgetrennt. Unter der Spitze ist das Experiment CharPa (Charge state of the mesospheric smoke Particles) einer internationalen Doktorandengruppe der Universitäten Rostock und Stockholm montiert. Mit ihrer Apparatur machen sich die Forscher des Leibniz-Instituts für Atmosphärenphysik auf die Suche nach Meteoritenstaub. Wenn diese Himmelskörper in die Erdatmosphäre eindringen, hinterlassen sie dort kleinste Partikel, die elektrisch geladen sind.

Diese feinen Staubkörnchen haben einen Einfluss auf die Lufthülle unseres Planeten. So wird vermutet, dass sie an der Bildung von Nacht-leuchtenden Eiswolken beteiligt sind. Die Wolken entstehen in Höhen von rund 80 Kilometern. In dieser Schicht der Atmosphäre sind die Meteoritenpartikel die einzigen festen Teilchen, an denen sich der Wasserdampf niederschlagen und gefrieren kann. So wachsen die Eiskristalle mit der Zeit, und wenn genügend Partikel in der Luft schweben, entsteht eine Wolke.

Ziel der Doktoranden ist es, mit CharPa Anzahl und Dichte der Staubkörnchen zu bestimmen. Außerdem wollen sie ihre selbst entwickelte Methode testen, mit der sie die elektrischen Eigenschaften der Teilchen bestimmen. Die Messungen finden ab einer Höhe von etwa 60 Kilometern statt. Sie wird etwa 65 Sekunden nach dem Start erreicht.

 Raketenspitze von REXUS 5
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Ein pneumatisches System in der Raketenspitze trennt diese dann von der übrigen Nutzlast, so dass beide Teile unabhängig voneinander ihren Parabelflug fortsetzen. Beim freien Fall sprengt ein weiterer Mechanismus in 4,6 Kilometern Höhe die Nase der Raketenspitze ab, so dass sich der darunter befindliche Fallschirm entfalten kann. Ein Bergungssystem fängt auch die restliche Nutzlast auf.

Der Start-Termin für MIPAS-B/TELIS rückt näher

Gegen 16 Uhr wird bekannt, dass sich der Start des Ballons um eine halbe Stunde auf 0.30 Uhr verschiebt. Der Grund hierfür: Um diese Zeit befindet sich der Radarsatellit Envisat über Esrange. Dies ist eine ideale Gelegenheit, um die Daten des Instruments MIPAS-B auf der Gondel mit denen von MIPAS auf Envisat zu vergleichen.

Später am Abend dann eine weniger gute Nachricht: Der Wind frischt auf. Es ist fraglich, wie sich die Wetterbedingungen entwickeln werden. Wenn es zu windig ist, kann der Ballon nicht starten. Die Mission steht bis 22.30 Uhr auf "Hold". Erst dann wird bekannt gegeben, ob der Start stattfindet.

 Außentest für MIPAS-B/TELIS
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22.45 Uhr: Die Entscheidung ist gefallen. MIPAS-B/TELIS kann aufgrund zu starker Winde nicht starten. So beschließt das Team, den Abend für einen kurzen Außentest der Instrumente zu nutzen. Ein Kran hebt die schwere Gondel vorsichtig auf einen Anhänger.

Nun ist ein wenig Muskelkraft gefragt: Die Wissenschaftler schieben das Gefährt vor die Halle, um die Funktion der Anlagen bei den dortigen Temperaturen zu überprüfen. Knackige minus zwölf Grad zeigt das Thermometer. Der Test fällt positiv aus und die Gondel kann zurück ins Warme. Jetzt hoffen alle, dass auch das Glück noch mitspielt und die Mission vielleicht morgen starten kann.


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