Querschnittsthemen

Internationale Kooperation



Auch nach über 50 Jahren bleibt Raumfahrt technologisch komplex. Sie fordert das Können und die Kreativität unserer Ingenieure, eine enge Zusammenarbeit in Wissenschaft und Forschung sowie eine langfristig konsistente Missions-Planung. Internationales Raumfahrtmanagement mit klar definierter Arbeitsteilung ist der Schlüssel zum Erfolg, um so effizient wie möglich in die Raumfahrt zu investieren.

Das Nationale Raumfahrtprogramm schafft mit eigenen Entwicklungen die Grundlage für Deutschlands Wettbewerbsfähigkeit in den modernen Raumfahrttechnologien und der Weltraumforschung. Denn nur auf Basis eigener Stärken können nationale Interessen in internationalen Kooperationen verfolgt werden. Eigene Systemkompetenzen sind erst recht dann bedeutend, wenn nationale oder unternehmerische Interessen nicht im internationalen Kontext umgesetzt werden können. Kooperation und Wettbewerb bleiben auch in der Raumfahrt die Grundpfeiler, um eigene Ziele effektiv zu erreichen.

Mit den national gestärkten und demonstrierten Kompetenzen bringt sich Deutschland in Kooperationen innerhalb der Europäischen Weltraumorganisation (ESA), der Europäischen Organisation für die Nutzung meteorologischer Satelliten (EUMETSAT), der Europäischen Union (EU) und mit außereuropäischen Partnern ein. So gewinnen in der Erdbeobachtung internationale Koordinationsforen wie die Group on Earth Observations, das Committee on Earth Observing Satellites und die International Charter Space and Major Disasters zunehmend an Bedeutung.

Ein weiteres wichtiges Gebiet ist die so genannte Weltraumlage. Mit ihr wird die Fähigkeit beschreiben, Umlaufbahnen von aktiven und ausgedienten Satelliten sowie von Weltraum-Müll zu beobachten und zu kontrollieren, um die Infrastrukturen im Erdorbit zu schützen. Sicherheit und Ordnung im All kann aber nur in internationaler Kooperation gewährleistet werden. Deshalb arbeiten die großen europäischen Raumfahrtnationen Deutschland und Frankreich hier besonders intensiv zusammen und in enger Abstimmung mit den USA.

Auch aufwändige Projekte, wie Raumsonden zu anderen Planeten, Weltraumteleskope oder die Internationale Raumstation, lassen sich nur in einer breit angelegten, mit klaren Zuständigkeiten und Kompetenzen organisierten multinationalen Kooperation realisieren. Dies gilt für die Missionskonzeption, den Bau von Instrumenten und Infrastrukturen, die wissenschaftliche Definition von Weltraum-Missionen sowie die benötigten Bodenstationen zur Gewährleistung des operationellen Betriebs.

Durch den Ausbau der internationalen Zusammenarbeit wird der deutschen Industrie die Beteiligung an Missionen eröffnet, die jenseits der nationalen Möglichkeiten liegen. Dies gilt auch für die deutschen Weltraumwissenschaften, die eng mit internationalen Partnern vernetzt sind. So tragen führende deutsche Forschungsinstitute der Max-Planck Gesellschaft, des DLR und der Universitäten maßgeblich zur internationalen Zusammenarbeit in diversen Schlüsselprojekten bei. Beispiele sind Infrarot- und Röntgenastronomie, Erforschung der Gravitationswellen, Weltraummedizien und grundlegende physikalische Prozesse, etwa in der Plasma- und Kolloidphysik oder Experimente zur Bose-Einstein Kondensation auf der Internationalen Raumstation.

Raumfahrt ist also prädestiniert für internationale Kooperationen. Sie ist dabei auch ein Instrument für die Völkerverständigung über die Raumfahrt hinaus. Nach dem Ende des Kalten Krieges führte das Programm der Internationalen Raumstation, dem bis heute komplexesten technologisch-wissenschaftlichen Unterfangen der Menschheit, zur friedlichen, intensiven und dauerhaften Zusammenarbeit der westlichen Partner USA, Kanada, Europa und Japan mit Russland. Heute unterstützen Kooperationen in der Raumfahrt zudem die Beziehungen etwa zu China, Indien oder Brasilien.

Konstruktive internationale Kooperation ist eine Chance, die sich für und aufgrund der Raumfahrt ergibt. Sie trägt zum nachhaltigen Ausbau des Wirtschafts- und Wissenschaftsstandorts Deutschlands bei. Daher ist es das Ziel des Raumfahrtmanagements, die internationalen Kooperationen mit klar definierten Projekten und Programmen auszubauen.


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