Querschnittsthemen

Souveränität



Souveränität bedeutet Eigenverantwortung und Selbstbestimmung des Staates. Sie setzt die unabhängige Handlungsfähigkeit der staatlichen Organe voraus. Raumfahrt als Instrument mit einzigartigen Möglichkeiten für die Urteilsfähigkeit in Politik und Verwaltung ist ein wichtiger Garant für souveränes Handeln Deutschlands.

Sie stärkt die Position unseres Landes im europäischen Staatenverbund und in der internationalen Völkergemeinschaft. Um dieser Rolle gerecht zu werden, benötigt die Raumfahrt in Deutschland ein hohes Maß von technologischen und wissenschaftlichen Systemkompetenzen. Diese werden durch das Deutsche Raumfahrtprogramm sichergestellt.

Souveränes staatliches Handeln bedarf des permanenten und ungehinderten Zugangs zu unabhängigen, zeitnahen und verifizierbaren Informationen. Diese Fähigkeit gewinnt im Informationszeitalter, in dem vielfältige, aber oft ungeprüfte Informationen und Meinungen in hoher Geschwindigkeit global verbreitet werden, zunehmend an Bedeutung.

Satelliten für die Erdbeobachtung, Kommunikation und Navigation decken den Informationsbedarf der Bundes- und Landesregierungen, der Behörden sowie der zivilen und militärischen Einsätzkräfte. So liefern deutsche Erdbeobachtungssatelliten Informationen für die Stadt- und Verkehrsplanung, die Klimapolitik oder das Katastrophenmanagement.

Erdbeobachtungsdaten aus dem Weltraum bieten aktuelle und unverfälschte Informationen aus ansonsten unzugänglichen Gebieten in hoher Auflösung und in globaler Perspektive. Satellitenkommunikation garantiert nicht nur die multimediale Kommunikation in Deutschland, sondern auch die missionskritische Verbindung zu Hilf- und Einsatzkräften im Ausland.

Souveränität bedeutet Unabhängigkeit, nicht Autarkie. Ausgewählte Felder der Raumfahrt, die für unabhängiges staatliches Handeln notwendig sind, die aber die Möglichkeiten eines einzelnen Landes überschreiten, werden in europäischer Kooperation wahrgenommen. Hierbei engagiert sich Deutschland stark in der Europäischen Weltraumorganisation (ESA), der Europäische Organisation für die Nutzung meteorologischer Satelliten (EUMETSAT) und in den Weltraumprogrammen der Europäischen Union (EU).

Trägerraketen sind für eine unabhängige Raumfahrt unverzichtbar. Sie erst ermöglichen die erweiterte staatliche Souveränität durch Satelliten-Anwendungen. Deshalb verfolgt Deutschland gemeinsam mit den ESA-Partnern das Ziel, den ungehinderten Zugang Europas zum Weltraum langfristig zu sichern. Dies erfolgt mit den Trägersystemen Ariane-5, Sojus und Vega vom europäischen Weltraumbahnhof in Kourou.

Ein weiteres Beispiel für die gemeinschaftliche Interessenswahrnehmung ist das Europäische Satellitennavigationssystem Galileo. Dieses Programm der EU wird Deutschland und Europa helfen, ihre Unabhängigkeit von den militärisch kontrollierten Navigationssystemen anderer Staaten zu erreichen.

Um die hierfür benötigten Weltraumsysteme errichten zu können, benötigt Deutschland eine kompetente Raumfahrtindustrie und -forschung. Deshalb fördert das Raumfahrtmanagement gezielt industrielle Kernkompetenzen. Diese liegen etwa in Konstruktion und Bau von Raketen-Oberstufen, von Weltrauminstrumenten oder den so genannten Satelliten-Bussen, den Satelliten-Chassis.

Das Raumfahrtmanagement fördert hierbei sowohl große Systemanbieter als auch kleine und mittlere Unternehmen (KMU). Die Weltraumforschung und der wissenschaftliche Nachwuchs werden im Rahmen des Deutschen Raumfahrtprogramms in nationalen, europäischen und multilateralen Programmen gefördert. Nach dem Prinzip der "best science" werden die Wissenschaftsmissionen der ESA ausgewählt, wozu innovative wissenschaftliche For-schungsinstrumente im Nationalen Raumfahrtprogramm entwickelt werden.


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