Spannendes aus der Raketenforschung
Um Satelliten in den Weltraum zu befördern, benötigt man Trägerraketen. Ariane 5 heißt die Trägerrakete der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) - sie hebt vom Weltraumbahnhof in Kourou, Französisch-Guyana, ab und kann bis zu 10 Tonnen Nutzlast in den Weltraum befördern. Wie die Rakete überhaupt vom Boden abheben kann, erklärten Susanne Schmieg, Diplom-Ingenieurin, und Heike Neumann, Diplom-Mathematikerin, beide tätig im DLR-Institut für Raumfahrtantriebe. Sie begleiteten hierzu die Mädchen an den Prüfstand P4 - eine riesige Anlage zum Testen von Raketentriebwerken. Raketen haben sehr viel Treibstoff an Bord. Beim Start werden die Triebwerke gezündet. Dabei verbrennen die Raketentreibstoffe und es entstehen heiße Gase. Durch eine sogenannte Expansionsdüse stößt die Rakete die heißen Verbrennungsgase mit hohem Druck aus. Dadurch entsteht der Schub in die Gegenrichtung. So hebt die Rakete ab und beginnt ihre Reise ins All. "Solche Weltraummissionen sind sehr teuer, deshalb müssen sich die Ingenieure und Wissenschaftler sicher sein, dass alles funktioniert", berichtete Susanne Schmieg. Und da die Triebwerke in einer Rakete sehr wichtig sind, müssen diese auf Herz und Nieren untersucht werden. "Dafür benötigen wir die verschiedensten Berufsgruppen: Physiker, Mathematiker, Ingenieure, Techniker und Handwerker", ergänzte Heike Neumann.
Die neu gewonnenen Eindrücke konnten die Mädchen gleich im Anschluss an den Prüfstandsbesuch im DLR_School_Lab an interaktiven Ausstellungsstücken und Experimenten selbst ausprobieren - und das ganze mit hochaktuellen Themen verbinden: Erst wenige Tage vor dem Girls'Day hatten deutsche Wissenschaftler ihre ersten astronomischen Messungen an Bord des deutsch-amerikanischen Stratosphären-Observatoriums für Infrarot-Astronomie, SOFIA, durchgeführt. Nun konnten die Schülerinnen an der Experimentierstation zum SOFIA-Projekt erkunden, nach welchen verborgenen Informationen die Wissenschaftler im Universum suchen und selbst mit Hilfe von Infrarotkameras in Dunkelwolken sehen und die Strahlungscharakteristika glühender Objekte herausfinden.
Schnell, schneller, am schnellsten: ultraschnelles Gefrieren von Lebensmitteln
Große Freude bereitete den Schülerinnen auch das Experimentieren mit Tiefsttemperaturen. Der absolute Nullpunkt liegt bei minus 273,15 Grad Celsius, einer Temperatur, bei der alle Teilchen der Materie erstarren. Dass man auch mit flüssigem Stickstoff ein leckeres Speiseeis in nur wenigen Minuten herstellen kann, davon wollten sich die Mädchen schon selbst überzeugen. Mit Schutzbrillen, Handschuhen und Laborkitteln ausgestattet, machten sie sich ans Werk: gefrorene Früchte, Zucker, Sahne und flüssigen Stickstoff bei minus 196 Grad Celsius in einem großen Gefäß cremig schlagen - mit nur wenigen Handgriffen ist im Nu das Früchteeis fertig. "Das ist mal eine coole Sache und absolut kein Hexenwerk", stellte Nina Hamann fest und genoss ihr Früchteeis.
Die Regie in den Werkstatträumen führten heute die DLR-Auszubildenden. Sie nahmen die Mädchen in Empfang und stellten ihre Ausbildung zum Industriemechaniker vor. Wie wichtig es während der Ausbildung ist, die verschiedenen Werkstoffe und ihre Eigenschaften kennenzulernen, erklärte ihnen der DLR-Werkstattleiter Klaus Eckert. Gerade in der Raumfahrt spielen Materialien eine besonders große Rolle: Wenn ein Raketentriebwerk gezündet wird, kommt es im Inneren des Triebwerks zu extrem heißen Temperaturen - auch wenn außerhalb extreme Minusgrade herrschen. Damit das Triebwerk sowohl der großen Hitze als auch der Kälte standhält, braucht es schon einen Materialmix mit besonderen Eigenschaften. Einer so extremen Beanspruchung kann Aluminium nicht standhalten. Aber für den Bau eines Teelichthalters ist es sehr gut geeignet. Hoch motiviert legten die Mädchen selbst Hand an und lernten so den Umgang mit Werkzeugen und Werkstoffen. Bohren, fräsen, feilen - das sind für die Mädchen nach diesem Werkstattbesuch keine Fremdwörter mehr.