Ein Institut, in dem Träume wahr werden



Eine Vision, die bald Wirklichkeit sein könnte: Der Robonaut (hier in einer künstlerischen Darstellung) soll Arbeiten an der Internationalen Raumstation ISS verrichten.

DLR entwickelt Roboter, die Menschen im All ersetzen sollen

Was für Laien wie Science Fiction klingt, beginnt im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Oberpfaffenhofen bereits Wirklichkeit zu werden. In einigen Jahren will das Institut für Robotik und Mechatronik Roboter ins All schicken, die Astronauten ersetzen sollen. Angedacht ist insbesondere der Bau eines so genannten Robonauten, der tausende von Kilometern zurücklegen und so auch weit entfernte Satelliten reparieren kann. Auch in der Medizin hat das Institut bereits Pionierarbeit geleistet.

"Visionen" werden in dem DLR-Institut, das europaweit als eines der größten seiner Art gilt, ganz groß geschrieben. Denn der Institutsleiter, Professor Gerd Hirzinger, hat jede Menge davon. Unter anderem spricht er von "dem Auto, das sich weigert, einen Unfall zu bauen", oder von Robotern, die alten und behinderten Menschen 24 Stunden am Tag zur Seite stehen. Und natürlich von dem "Robonauten", der durch den Orbit segelt und defekte Satelliten daran hindert, auf die Erde zu stürzen.

Dass die Wissenschaftler von ihren Träumen gar nicht mehr so weit entfernt sind, haben sie in der Vergangenheit schon bewiesen. Vor allem bei den prestigeträchtigen Weltraumeinsätzen. Der "Durchbruch", so Hirzinger, gelang dem Institut 1993 bei der D2-Mission. "Wir haben erstmals gezeigt, dass man vieles auch vom Boden aus machen kann", sagt der Professor nicht ohne Stolz.

Von der Erde aus steuerten die Wissenschaftler ihren Roboterarm namens "Rotex" so genau, dass es ihm gelang, in der Schwerelosigkeit einen frei schwebenden Gegenstand einzufangen. Und das, obwohl das Steuersignal von der Erde den Roboter erst nach sechs Sekunden erreicht.
1999 gelang es dem Institut dann, den ersten "freifliegenden" Weltraumroboter ETSVII der japanischen Weltraumbehörde NASDA fernzuprogrammieren und ihn so zu steuern, dass er mittels "Schwimmbewegungen" seinen Trägersatelliten in eine andere Lage brachte.

Zur Zeit kooperiert das Institut laut Hirzinger mit der kanadischen Raumfahrtbehörde CSA, um die Fernsteuerung des neuen, spektakulären Roboter-Arms auf der internationalen Raumstation ISS vorzubereiten.

Das Institut beschränkt seine Arbeit aber keineswegs auf den Weltraum. Vor allem in der Medizin haben die Mitarbeiter in den vergangenen Jahren Pionierarbeit geleistet. Die Chirurgen von morgen werden dank der Robotertechnik auch bei aufwändigen Operationen darauf verzichten können, ihren Patienten große Wunden zuzufügen. Der Chirurg sitzt laut Hirzinger vor einem großen Bildschirm und steuert per Fernsteuerung den Roboterarm, der durch einen kleinen Schnitt in den Körper des Patienten eingeführt wird.

Unter anderem wurde laut Hirzinger im Klinikum Großhadern, im Münchner Herzzentrum und in Leipzig bereits mit Geräten aus den USA bereits nach diesem Prinzip operiert. "Die Chirurgen sagen uns, das ist wie Weihnachten", berichtet der Professor, dessen Mitarbeiter jetzt erstmals ein stark verbessertes europäisches System dieser Art entwickeln.

Dass das Institut auch wirtschaftlich arbeitet, wird an einer Zahl deutlich, die Hirzinger nennt: Dank der Zusammenarbeit mit großen Firmen – wie etwa dem Roboterhersteller KUKA und den Autoanbietern Porsche und BMW – finanziert sich das Institut zu 40 Prozent selbst. So wird etwa die "Space-Mouse", die ursprünglich zur Steuerung des Roboterarmes "Rotex" entwickelt wurde, weltweit an 100 000 Computer angeschlossen. Die Maus, die vor allem bei 3D-Grafikprogrammen zum Einsatz kommt, gilt als das "erfolgreichste europäische Computer-Peripheriegerät" überhaupt.


Kontakt
Robin Gruber
Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)

Institut für Robotik und Mechatronik
, Mechatronische Komponenten und Systeme
Tel: +49 8153 28-2499

Fax: +49 8153 28-1134

E-Mail: Robin.Gruber@dlr.de
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