Parabelflugkampagne

Parabelflug 2007

15. September 2007

Vom Traum zur Wirklichkeit

Als Anfang des Jahres 2007 bekannt wurde, wir würden eventuell die Chance bekommen, eine Schülerin oder einen Schüler mit auf einen Parabelflug zu schicken, konnte ich es kaum glauben. Es war doch zu der Zeit, als ich dort arbeitete, mein größter Traum, selber einmal mitzufliegen. Als wir dann das schriftliche Angebot bekamen, waren wir uns im Kollegium schnell einig, dass wir als Schule daran teilnehmen müssen, denn so eine Chance bekommt man so schnell nicht wieder.

Mit Frau Schippert, Herrn Hater, Herrn. Dr. Schlensog und mir fanden sich auch spontan vier Kollegen der Fachrichtungen Biologie und Physik, die gemeinsam die Arbeitsgruppe betreuen wollten, denn einen Parabelflug gibt es nicht zum Nulltarif. Auf Anfrage in den Oberstufenkursen fanden sich schnell Schüler, die sich für das Projekt interessierten und bereit waren, sich in die englischsprachige Fachliteratur einzuarbeiten sowie einige Nachmittage und Abende in Köln beim DLR zu verbringen.

 Die Schüler des MBG waren begeistert beim Projekt Parabelflug dabei.
zum Bild Die Schüler des MBG waren begeistert beim Projekt Parabelflug dabei.

Bei unserem ersten Seminar in Köln wurde schnell klar dass dieses nicht nur ein Vergnügen, sondern auch harte Arbeit auf einem Niveau, welches deutlich über das schulische hinausgeht, bedeutet. Bei der Vergabe der Seminarthemen stellte sich heraus, dass wir gleich den ersten Vortrag halten mussten. Dies barg natürlich Chancen und Risiken, da wir den Erwartungshorizont des DLR nicht kannten.

Nach einigen Treffen und vielen Gesprächen über die Inhalte stand unser Vortrag schließlich und wir konnten ihn vor unserem Publikum zur vollsten Zufriedenheit aller halten. Noch am selben Abend zogen wir das Los unter denjenigen, die am Flugtag 18 Jahre alt sein würden und den Parabelflug antreten dürften. Fortuna traf Renate Schmidt und Christian Weyers als ihren Ersatzkandidaten.

In den darauffolgenden Wochen hielten die anderen beiden Schulen ihre Fachvorträge und alle warteten gespannt darauf, dass wir in die Experimente eingewiesen werden würden, was nach den Sommerferien passieren sollte.

Nach den theoretischen Vorbereitungen lernten wir im August die Apparatur kennen, die von Renate während des Fluges bedient werden sollte. Wir - die Bodencrew - lernten, wie wir die Versuchskammern füllen und diese vor dem Flug einbauen müssen, damit die insgesamt zehn Videokameras dann in Schwerelosigkeit die Schwimmbewegungen der Einzeller richtig aufzeichnen. Damit wir diese später auswerten können und hoffentlich die Frage klären können, ob sich Pantoffeltierchen und ihr Räuber Dindinium an der Schwerkraft orientieren oder ob sie in Schwerelosigkeit orientierungslos schwimmen, was ja die logische Konsequenz wäre.

Jetzt wird's ernst ...

 Das Forschungsflugzeug ZERO-G startet seinen Parabelflug.
zum Bild Das Forschungsflugzeug ZERO-G startet seinen Parabelflug.

Am 6. September 2007 bekamen wir dann alle die Möglichkeit, sowohl unsere als auch die anderen Experimente im Airbus "Zero G" zu sehen und mit den anderen beteiligten Wissenschaftlern zu sprechen. Somit konnten wir erfahren, was diese erforschen wollten.

Am 12. September 2007 war Renates großer Tag. Wir (elf Schüler, Herr Dr. Winkler, Frau Weber, Herr Dr. Schlensog, Herr Hater und ich) trafen uns morgens um sechs Uhr am Martin-Butzer-Gymnasium, um uns zum DLR und dann weiter zum Flughafen Köln-Bonn zu begeben. Renate bekam am Flughafen ihren blauen Sicherheitsanzug, in dem sie 31 Parabeln fliegen sollte. Dies bedeutete für sie 31-mal zuerst 1,8-fache Schwerkraft - der Körper wiegt fast doppelt so viel als normal - dann 22 Sekunden Schwerelosigkeit - der Körper schwebt - und dann wieder 1,8-fache Schwerkraft.

Wir alle waren sehr erleichtert, als Renate nach fast vier Stunden strahlend wieder aus dem Flugzeug ausstieg und meinte, es wäre ein einmaliges Erlebnis gewesen, welches man kaum beschreiben könnte. Sie hatte während des Fluges nicht nur Zeit, das Experiment zu betreuen, sondern konnte auch Saltos in Schwerelosigkeit schlagen und durfte eine Parabel im Cockpit erleben.

 Renate nach der Landung.
zum Bild Renate nach der Landung.

Bis zum Abend des darauffolgenden Tages hatte Christian sich damit abgefunden, nur zweiter Sieger zu sein, als dann die E-Mail vom DLR kam, dass auch er am Samstag noch die Möglichkeit bekäme, zehn Parabeln zu fliegen. Am Samstag fuhren wir dann morgens um sechs Uhr wieder, allerdings dieses Mal mit einer kleinen Delegation von fünf Personen zum DLR, damit Christian seinen Flug antreten konnte. Als er am Mittag landete, hatte auch er allen anderen eine sehr seltene Erfahrung voraus, denn es gibt nur zwei Möglichkeiten Schwerelosigkeit zu erleben: entweder auf einem Parabelflug oder für längere Zeit auf der Internationalen Raumstation.

Wir danken dem Team vom DLR, dass unsere Schule die Möglichkeit bekommen hat und sind gespannt, was die Kooperation in den nächsten Jahren noch für Überraschungen bringt.

 Wissenschaftler, die am Parabelflug beteiligt waren.
zum Bild Wissenschaftler, die am Parabelflug beteiligt waren.

Geschrieben von Dirk Schalaster


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