Projekt
Vor diesem Hintergrund analysiert die Risk Habitat Megacity Initiative Möglichkeiten einer nachhaltigen Entwicklung in Santiago de Chile und befasste sich dabei mit einer Reihe von Themen: Verkehr, Energie, sozialräumliche Differenzierung, Landnutzung, Luftqualität sowie Ver- und Entsorgung im Bereich Abfall und Wasser. Santiago de Chile dient in diesem Zusammenhang als geeignete "Beispielstadt" in der zum einen die genannten Probleme evident sind, zum anderen bereits eine gute Forschungsinfrastruktur vorhanden ist, die eine fruchtbare Zusammenarbeit ermöglicht.
Ziele
Nach einer umfangreichen Bestandsaufnahme der gegenwärtigen Situation in allen Themenfeldern werden drei Szenarien entwickelt, die den Analyserahmen für die einzelnen Themen bilden. Ziel ist es, mögliche Zukünfte für Santiago de Chile bis 2030 zu entwerfen, um darauf aufbauend die drängenden Probleme zu identifizieren und die Wirksamkeit politischer Maßnahmen zu testen. Gleichzeitig wird der enge Kontakt zu Entscheidungsträgern in Politik und Planung in Santiago gesucht, um diese bei der Skizzierung potentieller Zukunftspfade der Stadt zu berücksichtigen sowie auch den Ergebnistransfer in die Praxis sicher zu stellen.
Vorgehensweise
Im Verkehrsbereich kooperiert das DLR – Institut für Verkehrsforschung (IVF) mit Wissenschaftlern der Universidad de Chile in Santiago. Für die Analyse werden Modelle zur Abbildung der Landnutzung und des Verkehrs angewendet. Umfangreiche Daten (Bevölkerung, Verkehrsnetzmodelle) werden für das Basisjahr 2010 sowie die drei Szenarioalternativen 2030 aufbereitet. In Ergänzung werden verkehrspolitische Maßnahmenpakete entworfen und gemäß den Annahmen in den Szenarien ausgerichtet. Die Verwendung der Modelle erlaubt unter Berücksichtigung der zu treffenden Annahmen für die demographische und ökonomische Entwicklung Santiagos die quantitative Abschätzung von Verkehrsindikatoren zur Beschreibung des zukünftigen Verkehrssystems der Stadt. Für jedes Szenario werden die Motorisierungsrate, die zu erwartenden Staueffekte, die Erreichbarkeiten, der Modal Split sowie die verkehrsbezogenen Emissionen berechnet. Die Fortschreibung der erwarteten Technologieentwicklung von Antrieben im Personen- und Wirtschaftsverkehr ist dabei Grundlage für die Abschätzung des Effekts der Maßnahmen auf Emissionen und Luftqualität in Santiago.
Ergebnisse
Die Projektergebnisse im Themenfeld Verkehr zeigen, dass trotz anhaltender Wachstumstendenzen insbesondere im motorisierten Individualverkehr, eine Reduktion beispielsweise der NOx-Emissionen von bis zu 60% bis 2030 möglich ist. Dies bedingt jedoch, dass eine anspruchsvolle Gesetzgebung hinsichtlich der Emissionsstandards von Fahrzeugen realisiert wird. Die prognostizierte Verdopplung der städtischen Pkw-Flotte bis 2030 wird gleichzeitig zu Engpässen in der Straßeninfrastruktur führen, die – trotz der Annahme eines substanziellen Ausbaus – nicht ausreicht, um heutige Erreichbarkeitsniveaus und mittlere Reisegeschwindigkeiten zu halten.
Das Projekt endete mit einer internationalen Stakeholderkonferenz im Oktober 2010. Dort wurden die Projektergebnisse vorgestellt und mit Vertretern aus Wissenschaft und Praxis diskutiert. Darüber hinaus waren über die gesamte Projektlaufzeit 22 Doktoranden aus Chile und Deutschland in den verschiedenen Themenbereichen eingebunden. Eine Kurzübersicht über die Ergebnisse im Themenfeld Verkehr sowie im Projekt insgesamt findet sich in der Ergebnisbroschüre.
Auftraggeber
Projektpartner
Projektlaufzeit
Von 07/2007 bis 06/2010