abgeschlossene Projekte

Modellregion Elektromobilität Berlin/Potsdam, E-City-Logistik



 Elektromobilität im Post und Lieferverkehr
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Elektromobilität wird ein immer wichtigeres Thema in der Forschung, in den Medien und in der Gesellschaft. Bisher hat sich die Wissenschaft vor allem mit der Elektromobilität im Personenverkehr beschäftigt. Inzwischen rückt zunehmend der Wirtschaftsverkehr in den Fokus. Allerdings ist der aktuelle Stand von Wissenschaft und Technik in Hinblick auf den Einsatz von Elektrofahrzeugen im Wirtschaftsverkehr unzureichend. Es gibt nicht genügend Informationen über Fahrzyklen, Energiebedarf und die Nutzerakzeptanz von Elektrofahrzeugen im Wirtschaftsverkehr.

Zu Beginn der 1990er Jahre war die City-Logistik ein Sammelbegriff für eine Vielzahl von Konzepten zur Bündelung der städtischen Güterverkehrslogistik. Heute setzt City-Logistik auf die Einsicht der Beteiligten, dass eine Gebietslogistik nicht nur für die Bewohner und Besucher der Städte, sondern auch für Transportunternehmen und den Handel (speziell den Einzelhandel) ein Vorteil sein kann. Ein integriertes Konzept im Sinne aller Akteure ist daher ein wesentliches Anliegen der heutigen City-Logistik.

Projekt

Die Modellregion Berlin/Potsdam ist eine von acht deutschen Modellregionen, in denen zahlreiche Demonstrationsprojekte die Einführung von Elektromobilität fördern und veranschaulichen. Das Anliegen des Projekts E-City-Logistik ist die Verknüpfung von Elektromobilität und City-Logistik. Zum einen werden neue Konzepte im KEP-Bereich (Kurier-, Express- und Paketzustellung) mit Lkw ≤3,5 t erprobt. Zum anderen werden für Güterverkehre im Textiltransport zwei Lkw ≤7,5 t im Stadtgebiet eingesetzt. Mit ordnungsrechtlichen Maßnahmen wird die Einführung neuer elektromobiler City-Logistik-Konzepte unterstützt. Das DLR-Institut für Verkehrsforschung (IVF) übernimmt die sozialwissenschaftliche Begleitforschung des Projekts und arbeitet eng mit Fraunhofer IKP und der Berliner VMZ zusammen, um die Nutzung von Elektrofahrzeugen zu untersuchen.

 Ladekabel griffbereit: Bundesverkehrsminister Dr. Ramsauer beim Start des Projektes am 21.12.2010
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Ziele

Ziel des Vorhabens ist es, die verkehrlichen sowie die energie- und umweltseitigen Potentiale elektrisch angetriebener Fahrzeuge im innerstädtischen Belieferungsverkehr aufzuzeigen. Der logistische und ordnungsrechtliche Gestaltungsbedarf soll verdeutlicht werden, um die damit verbundenen Potentiale ausschöpfen zu können. Die verkehrlichen Potentiale liegen insbesondere in der durch Elektrofahrzeuge möglichen Ausdehnung der Belieferung in die Tagesrandlage. Diese Praxis kann zu einer zeitlichen Entzerrung der Lieferverkehre führen. Die Projekterkenntnisse werden in einem Benutzerhandbuch gebündelt und sollen Hinweise zur Einführung elektrischer Lieferfahrzeuge im städtischen Verkehr geben.

Vorgehensweise

Das IVF ist verantwortlich für die Vorbereitung, Durchführung und Auswertung einer Wirkungsanalyse zur Bestimmung vor- und nachteiliger verkehrlicher, ökologischer und betrieblicher Effekte der Einführung von E-Fahrzeugen im Güterverkehr. Im Vordergrund stehen dabei die Untersuchung der Akzeptanz, des Nutzerverhaltens sowie die Verhaltensänderungen bei Transportdienstleistern, Fahrern, Kunden und Anwohnern. Des Weiteren werden ordnungsrechtliche Aspekte sowie die Entwicklung ordnungsrechtlicher Szenarien im Zusammenhang mit der Einführung der E-Fahrzeuge betrachtet. Zur Realisierung der Ziele werden verschiedene empirische Methoden angewandt. Dazu zählen die schriftliche Befragung der Fahrer, Interviews mit Anwohnern und Kunden sowie eine begleitende Beobachtung.

Ergebnisse

Die erste Projektphase beschäftigte sich mit den Erwartungen und dem Ist-Zustand vor Beginn der Nutzung der Elektrofahrzeuge. Hierfür liegen folgende Ergebnisse vor:

Vor dem Einsatz der Elektrofahrzeuge haben sowohl die Fahrer als auch die Disponenten positive Erwartungen an die Fahrzeuge. Bezogen auf die Transportfähigkeiten und Handhabung der Fahrzeuge als auch was den Fahrspaß und -komfort angeht, wird erwartet, dass die Elektrofahrzeuge den herkömmlichen Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor nicht nachstehen. Lediglich bei den Fahrzeugeigenschaften, die mit der Batterie zusammenhängen, werden Zweifel geäußert. Mit einer ausreichenden Reichweite der Fahrzeuge wird nur teilweise gerechnet. Skepsis herrscht auch hinsichtlich einer kurzen Ladedauer der Batterie sowie der Verfügbarkeit von Ladeinfrastruktur und Ökostrom. Insgesamt jedoch überwiegen die positiven Assoziationen, sodass eine Einführung von Elektrofahrzeugen im Wirtschaftsverkehr nicht durch eine Ablehnung von Fahrern oder Disponenten behindert wird.

Trotz der Erwartungsäußerungen zu diversen Aspekten der Elektromobilität allgemein und den Elektrofahrzeugen im speziellen, zeigt sich sowohl bei Fahrern als auch bei Disponenten, dass der Informationsstand zur Elektromobilität und ihren Kosten insgesamt gering ist.

Die qualitativen Untersuchungen belegen ferner,dass die Erwartungshaltung zwischen den unterschiedlichen Branchen des Wirtschaftsverkehrs zwar ähnlich positiv ist und in der Elektromobilität eine realistische Zukunft gesehen wird, mit entsprechenden Vorteilen für die Umwelt und die Unternehmen. Die Anforderungen an die Elektromobilität sind jedoch heterogen und unterscheiden sich hinsichtlich Batteriekapazität, Reichweite und Fahrzeugausstattung sehr deutlich, sodass je nach Einsatzmuster verschiedene Elektrofahrzeuge zum Einsatz kommen müssen.

Auftraggeber

  • Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung, BMVBS

Projektpartner

  • Deutsche Post DHL
  • Meyer&Meyer
  • Fraunhofer-IPK
  • Logistic Network Consultance, LNC
  • Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Berlin, SenStadt
  • Verkehrsmanagementzentrale Berlin, VMZ
  • SGE Green Energy Solutions AG

Projektlaufzeit

von 07/2010 bis 06/2011


Kontakt
Dr.-Ing. Verena Ehrler
Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)

Institut für Verkehrsforschung
, Wirtschaftsverkehr
Tel: +49 30 67055-453

Fax: +49 30 67055-283

E-Mail: Verena.Ehrler@dlr.de
URL dieses Artikels
http://www.dlr.de/vf/desktopdefault.aspx/tabid-958/4508_read-28668/
Links zu diesem Artikel
http://www.bmvbs.de/SharedDocs/DE/Artikel/UI/modellregion-berlin-potsdam.html?nn=36210
http://www.now-gmbh.de/elektromobilitaet/modellregionen.html