Completed Projects

Konzept zur Identifizierung von Ladesäulenstandorten für stationsungebundene Car-Sharing-E-Fahrzeuge



Elektromobilität als nachhaltige und zukunftsfähige Form der Fortbewegung steht im Fokus der Öffentlichkeit, Politik und Wirtschaft. Der systematische Aufbau und sukzessive Ausbau einer Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge stellt dabei eine wesentliche Voraussetzung für die Etablierung des „Systems“ Elektromobilität dar. Dafür ist der Aufbau der öffentlichen Ladeinfrastruktur als wirtschaftlich nicht selbsttragend, eine strategische Planung sowie ein gemeinsames Vorgehen der beteiligten Akteure notwendig. Das Standortkonzept zur Ladesäuleninfrastruktur entsteht in Vorbereitung des geförderten Infrastrukturausbaus in Berlin. Geplant ist in Berlin kurzfristig der Aufbau von rund 300 Lademöglichkeiten. In einer weiteren Umsetzungsphase sollen bis Ende 2015 bis zu 800 Lademöglichkeiten installiert werden.

Projekt

Im Projekt "Konzept zur Identifizierung von Ladesäulenstandorten für stationsungebundene Carsharing-E-Fahrzeuge" wird ein wissenschaftlich fundiertes Vorgehen entwickelt und umgesetzt, um zukünftige Standorte für Lademöglichkeiten für Elektrofahrzeuge im Berliner Stadtgebiet zu bestimmen.

Für die nahe Zukunft ist damit zu rechnen, dass zunächst insbesondere Betreiber von großen Carsharing-Flotten Elektrofahrzeuge einsetzen werden. Deshalb soll die Standortanalyse im ersten Schritt primär auf die Bedürfnisse der Nutzer von stationsungebundenen Carsharing-Angeboten ausgerichtet werden.

Demgegenüber sind kurzfristig vergleichsweise geringe Zulassungszahlen von privat bzw. gewerblich genutzten Fahrzeugen zu erwarten. Außerdem werden diese Fahrzeuge überwiegend an der nichtöffentlichen Ladeeinrichtung am Wohn- bzw. Betriebsstandort geladen, so dass verglichen mit Carsharing-Flotten von geringem Ladebedarf im öffentlichen Raum ausgegangen wird.

Ziele

Das bisherige, individuelle Vorgehen einzelner Akteure bei der Errichtung von Lademöglichkeiten im öffentlichen Raum soll durch ein plangeleitetes, abgestimmtes Verfahren ersetzt werden. Im Rahmen dieses Projektes sollen Stadträume identifiziert werden, in denen ein Bedarf an Lademöglichkeiten für spezielle Nutzungsprofile von stationsungebundenen Carsharing-Kunden erwartet wird, der über das bestehende Infrastrukturangebot hinausgeht. Diese Identifikation dient als Grundlage für die Vorort-Prüfung und Umsetzung durch die anordnenden Behörden (Bezirksämter).

Vorgehensweise

  1. Abstimmungsprozess
    Im Projekt werden Gespräche mit wichtigen Stakeholdern (Carsharing-Betreibern, Fahrzeugherstellern, Energieversorgern und dem Senat) geführt. Hiermit werden nachfrageseitige Rahmenbedingungen abgestimmt, Erfahrungen und generelle Strategien der urbanen Elektromobilität, Ausgestaltung neuer Angebote, Marktreife und –einführung von Elektrofahrzeugen sowie Entwicklungspfade und mittelfristige Potenziale diskutiert.
  2. Erstellung von Nutzerprofilen
    Auf Grundlage der Erkenntnisse der Stakeholdergespräche und unter einbeziehen von Erfahrungen bisheriger Projekte werden Nutzerprofile der Elektromobilität formuliert. Hierbei wird auf die Nutzer flexiblen Carsharings fokussiert.
  3. Ermittlung von Mobilitätsmustern
    Das Mobilitätsverhalten der Personen wird anhand der empirischen Mobilitätsdaten des Systems repräsentativer Mobilitätserhebungen (SrV 2008) analysiert. So werden Mobilitätsmuster der Personen generiert, potenzielle E-Carsharing-Wege selektiert und die Quellen und Ziele der Wege in den 192 statistischen Gebieten der Stadt verortet.
  4. Lokalisierung von Prioritätsräumen
    Durch die gewonnen Erkenntnisse der Mobilitätsmuster sowie unter Beachtung weiterer Kriterien wie Stadt- und Bebauungsstruktur, Potenzial an substituierbaren privaten MIV-Wegen, Bevölkerungsstruktur und Bediengebieten der Carsharing-Anbieter wird ein Prioritätsraum für die erste Stufe des Ausbaus der Ladeinfrastruktur abgegrenzt.
  5. Modellierung und Simulation (VMZ-Berlin)
    Unter Nutzung der MIV-Matrix des Berlin-Brandenburger Verkehrsmodells erfolgt eine Feinverteilung der beobachteten Wege auf die statistische Ebene der 1200 Berliner Verkehrszellen. Anschließend werden aus den Wegen einzelner Nutzer fahrzeugbasierte Wegeketten der Carsharing-Fahrzeuge erstellt und der durchschnittliche tägliche Ladebedarf verortet.

Ergebnisse

Im Projekt wurde ein modellgestütztes Verfahren entworfen und umgesetzt, welches die verfügbaren Mobilitäts- und Verkehrsdaten der Stadt Berlin nutzt um Aussagen zur räumlichen Verteilung des Ladebedarfs von Elektrofahrzeugen zu treffen. In der Simulation wurden verschiedene Parameter variiert und mehrere Szenarien generiert. Zukünftig ist durch die Veränderung von Parametern, das Unterlegen von Annahmen durch konkrete Nutzungsdaten und die Integration weiterer Nutzergruppen eine Weiterentwicklung möglich.

Im Ergebnis wurden verkehrszellengenau Vorhersagen zum Ladebedarf von elektrisch betriebenen Carsharing-Fahrzeugen getroffen und der Senatsverwaltung auf dieser Grundlage ein entsprechender Verteilungsansatz der Lademöglichkeiten empfohlen.

Auftraggeber

  • Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Abteilung VII A

Projektpartner

  • DLR - Institut für Verkehrsforschung (IVF)
  • VMZ Berlin Betreibergesellschaft mbH

Projektlaufzeit

von 12/2011 bis 12/2012


Contact
Dipl.-Geograph Michael Hardinghaus
German Aerospace Center (DLR)

Institute of Transport Research
, Mobility and Urban Development
Tel: +49 30 67055-7970

Fax: +49 30 67055-283

E-Mail: Michael.Hardinghaus@dlr.de
URL for this article
http://www.dlr.de/vf/en/desktopdefault.aspx/tabid-958/4508_read-36923/