Prüfanlage zur mehrachsigen thermomechanischen Prüfung



 Geöffneter Strahlungsofen (16kW) mit eingespannter Probe
zum Bild Geöffneter Strahlungsofen (16kW) mit eingespannter Probe

Mehrachsige Spannungszustände entstehen in gekühlten Bauteilen aufgrund des Temperaturgradienten, der sich über der Bauteilwand einstellt. Bei Innenkühlung, z.B. in den Schaufeln der ersten Stufe einer Triebwerkturbine, können die thermisch induzierten Spannungen nicht durch makroskopische Verformungen abgebaut werden. Durch die Zwängung des Bauteils entstehen mehrachsige Druckspannungen an der geheizten Seite und mehrachsige Zugspannungen an der gekühlten Seite. In herkömmlichen thermomechanischen Laborversuchen mit homogener Temperaturverteilung können diese Spannungszustände nicht erzeugt werden.

Die im Institut für Werkstoff-Forschung neu entwickelte Testanlage ermöglicht neben zeitlich variablen mechanischen und thermischen Lasten einen hohen thermischen Gradienten über der Probenwand. Der thermische Gradient wird in Hohlproben durch gleichzeitige Heizung der Außenwand mit einem konzentrierenden Strahlungsofen und Kühlung der Innenwand mit Druckluft aufgebaut. Nach der Aufheizphase des Prüflastzyklus stellt sich ein stationärer Temperaturgradient über der Probenwand ein.

Die hohe Leistungsdichte des Strahlungsofens ermöglicht hohe Aufheizraten, vergleichbar mit denen in einem Flugzeugtriebwerk. Hohe Abkühlraten werden mit einer Luftdusche erreicht. Dabei wird die Probe während der Abkühlphase eines Lastzyklus mit Hilfe einer Schiebertechnik von zwei Halbschalen umschlossen und gleichzeitig mit kalter Druckluft angeblasen.

Die realitätsnahe thermomechanische Prüfung bietet den Vorteil, dass die Daten aus dem Laborversuch auf Betriebsbedingungen übertragbar sind. Ein weiterer entscheidender Vorteil der hier vorgestellten Versuchsanlage sind die extrem kurzen Lastzykluszeiten – z.B. kann die Ermüdungsbeanspruchung, die während einer Flugmission in der Turbinenschaufel auftritt, in 3 bis 5 Minuten simuliert werden. 

Kenndaten:

Die Heizleistung der Anlage beträgt 16 kW. Für eine zylindrische Hohlprobe aus Nickelbasis Superlegierung werden z.B. folgende Versuchsdaten erreicht: Aufheizen von 100°C auf 1000°C in ca. 20 Sekunden, Abkühlen von 1000°C auf 100°C in ca.15 Sekunden, stationärer Temperaturgradient von 100°C pro mm. Die maximale mechanische Last beträgt 25kN.

 


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