28. März 2022 | Daten und Fakten für journalistische Recherche und gesellschaftliche Diskussion

Güterverkehr in Deutschland – Verkehrsmittel im Vergleich

Schwerpunkt: Mobilität in Deutschland

Der zweite Beitrag der Veröffentlichungsreihe „Daten und Fakten“ nimmt ebenfalls die Mobilität in Deutschland in den Blick und konzentriert sich dabei auf den Güterverkehr. Im Mittelpunkt steht die Entwicklung der Verkehrsleistung mit Fokus auf Straße, Schiene und Binnenschiff sowie die dabei entstehenden CO2-Äquivalente.

Verkehrsleistung des Güterverkehrs in Deutschland

  • Tonnenkilometer sind eine Einheit zur Messung der Verkehrsleistung im Güterverkehr. Die Güterverkehrsleistung beschreibt die zurückgelegte Strecke von Gütern innerhalb eines definierten Zeitraums. Die hier verwendeten Zahlen stammen vom Bundesministerium für Digitales und Verkehr (BMDV) – Verkehr in Zahlen.
  • Methodik: Die hier dargestellten Verkehrsleistungen basieren auf Datenerhebungen beziehungsweise verpflichtenden Meldungen zur Erfassung wirtschaftlicher Daten an das Kraftfahrt-Bundesamt und das Statistische Bundesamt (destatis).
  • Der Gütertransport mittels Rohrfernleitungen, Seeschifffahrt und Luftfracht ist hier nicht aufgeführt.

Kontinuierliches, starkes Wachstum

  • Im Jahr 2020 wurden insgesamt 654,6 Milliarden Tonnenkilometer zurückgelegt. Corona-bedingt liegt dieser Wert unter dem des Jahres 2019 mit 678,7 Milliarden Tonnenkilometern.
  • In den letzten 30 Jahren ist der Güterverkehr kontinuierlich auf starkem Niveau gewachsen – beginnend bei 383,9 Milliarden Tonnenkilometern im Jahr 1991. Insgesamt handelt es sich um einen Anstieg von rund 70 Prozent.
    Hintergrund: Insgesamt spiegelt die Zunahme der Güterverkehrsleistung die steigende internationale Arbeitsteilung mit den daraus entstehenden Lieferketten sowie die Entwicklung der deutschen Wirtschaft insgesamt (Entwicklung des Brutto-Inlands-Produkt) wider. Das Wachstum der Güterverkehrsleistung insgesamt ist vor allem durch das Wachstum des Güterverkehrs auf der Straße bedingt. Ein Grund dafür ist die Entwicklung der deutschen Wirtschaft und deren logistischen Anforderungen. Dazu zählen zum Beispiel kleinere Sendungsgrößen sowie die flexiblere und zeitgenauere Zustellung von Vorprodukten und Rohstoffen in Verbindung mit insgesamt geringen Logistik- beziehungsweise Transportkosten. Auch auf der Schiene hat der Güterverkehr um mehr als die Hälfte zugenommen. Hier wuchs in den vergangenen beiden Jahrzehnten vor allem der Transport im intermodalen Verkehr zwischen einigen europäischen Seehäfen und den Umschlagterminals innerhalb Deutschlands. In diesem Bereich konnten ebenfalls die Transporte bei der Binnenschifffahrt zunehmen, wohingegen die Transporte von Massengütern – vor allem von Rohstoffen, chemischen Vorprodukten, Zement und Mineralölprodukten – sowohl auf der Schiene als auch bei der Binnenschifffahrt rückläufig sind.
  • Die etwas niedrigeren Zahlen in den Jahren 2009 bis 2014 sind bedingt durch die weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise.
  • Der Güterverkehr auf der Straße ist mit weitem Abstand das dominante Verkehrsmittel im deutschen Güterverkehr. Er machte im Jahr 2020 74 Prozent des gesamten Güterverkehrs aus. Auf den Eisenbahnverkehr entfallen rund 18 Prozent und auf den Binnenschiffsverkehr sieben Prozent – alle Zahlen gerundet.

  • Güterverkehr auf der Straße:

    • Zum Begriff: Inlands-Güterverkehr mit deutschen und ausländischen Lkw im Binnenverkehr (Start und Ziel in Deutschland), Im- und Exportverkehr (Start- oder Ziel im Ausland, hier nur der Teil auf deutschen Straßen mitgerechnet) sowie Transitverkehr (Start- und Ziel im Ausland, hier nur Teil auf deutschen Straßen mitgerechnet).
    • Im Jahr 2020 wurden insgesamt 487,4 Milliarden Tonnenkilometer auf deutschen Straßen erbracht.
    • In den letzten drei Jahrzehnten hat sich der deutsche Straßengüterverkehr verdoppelt: von 245,7 Milliarden in 1991 auf 498,6 Milliarden Tonnenkilometer in 2019 (Corona-Jahr 2020: 487,4 Milliarden).

  • Güterverkehr auf der Schiene:

    • Zum Begriff: Inlands-Schienengüterverkehr von allen in Deutschland zugelassenen Eisenbahnverkehrsunternehmen im Binnenverkehr (Start und Ziel in Deutschland), Im- und Exportverkehr (Start- oder Ziel im Ausland, hier nur der Teil auf dem deutschen Schienennetz mitgerechnet) sowie Transitverkehr (Start- und Ziel im Ausland, hier nur Teil auf dem deutschen Schienennetz mitgerechnet); nicht berücksichtigt: Transporte innerhalb von Schienennetzen von Werksbahnen, zum Beispiel Bahnen in Tagebauen, in Häfen und innerhalb von großen Industriebetrieben.
    • 2020 wurden rund 120,9 Milliarden Tonnenkilometer zurückgelegt. Vor Corona im Jahr 2019 waren es 129,2 Milliarden Tonnenkilometer.
    • In den letzten dreißig Jahren ist Verkehrsleistung um etwas mehr als 50 Prozent gewachsen, allerdings nicht so stark wie der Güterverkehr auf der Straße. 1991 lag der Wert bei 82,2 Milliarden Tonnenkilometern.

  • Güterverkehr per Binnenschiff:

    • Zum Begriff: Inlands-Transport auf dem deutschen Wasserstraßennetz von deutschen und ausländischen Partikulieren (selbstständige Schiffseigentümer, die auch selbst fahren und in der Regel ein bis zwei Schiffe besitzen) und Reedereien im Binnenverkehr (Start und Ziel in Deutschland), Im- und Exportverkehr (Start- oder Ziel im Ausland, hier nur der Teil auf deutschen Wasserstraßen mitgerechnet) sowie Transitverkehr (Start- und Zielort im Ausland, hier nur Teil auf deutschen Wasserstraßen mitgerechnet).
    • Mehr als 50 Milliarden Tonnenkilometer wurden im Jahr 2019 per Binnenschiff zurückgelegt. Corona-bedingt waren es im Jahr 2020 nur noch 46,3 Milliarden Tonnenkilometer.
    • In den letzten drei Jahrzehnten stieg die Verkehrsleistung der Binnenschifffahrt bis zur weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise leicht an, gefolgt von einem ebenfalls leichten Rückgang. Die Tonnenkilometerzahl betrug im Jahr 1991 56 Milliarden.
    • Hintergrund: Die Binnenschifffahrt unterliegt vor allem Schwankungen aufgrund von Hoch- oder Niedrigwasser. 90 Prozent der Transporte finden auf dem Rhein, seinen Zuflüssen sowie auf Kanälen statt. Trotz der vergleichsweise geringen Transportleistungen ist die Binnenschifffahrt vor allem für die Chemie- und Stahlindustrie sowie die Mineralölwirtschaft wichtig aufgrund der hohen transportierbaren Massen und der geringen Transportkosten.

CO2-Äquivalente des Güterverkehrs in Deutschland

Ausgewiesen sind in der Grafik die sogenannten CO2-Äquivalente (CO2e). Diese sind eine Maßeinheit, um die Klimawirkung unterschiedlicher Treibhausgase zu vereinheitlichen. Berücksichtigt sind die Treibhausgase Kohlenstoffdioxid (CO2), Methan (CH4) und Distickstoffmonoxid (N2O). Die CO2e-Emissionen sind auf Basis von fahrzeugspezifischen Emissionsfaktoren und den entsprechenden Verkehrsleistungen ermittelt. Das hierfür eingesetzt Modell ist das Transport Emission Model (TREMOD 6.21: Entwicklung der CO2e-Emissionen für den Inlandsverkehr) des Instituts für Energie- und Umweltforschung (ifeu), welches die Berechnungen für das Umweltbundesamt (UBA) durchführt.

Kontinuierlicher Anstieg der Emissionen entsprechend dem Anstieg der Verkehrsleistung, wenig Effizienzgewinne

  • Im Jahr 2020 betrugen die CO2e-Emissionen des Güterverkehrs insgesamt 58,10 Millionen Tonnen.
  • In den letzten 30 Jahren sind die CO2e-Emissionen kontinuierlich gestiegen – um insgesamt rund 60 Prozent. Im Jahr 1991 lag der Wert bei 41,42 Millionen Tonnen CO2e-Emissionen.
  • Auch bei den CO2e-Emissionen dominiert der Güterverkehr auf der Straße mit sehr weitem Abstand. Im Jahr 2020 macht er 97,5 Prozent der gesamten CO2e-Emissionen des Güterverkehrs aus. Auf die Schiene entfallen 0,26 Prozent, auf die Binnenschifffahrt etwa 2 Prozent (gerundete Zahlen).

  • Güterverkehr auf der Straße:

    • Im Jahr 2020 verursachte der Güterverkehr auf der Straße 56,67 Millionen Tonnen CO2e-Emissionen, ein Corona-bedingter Rückgang gegenüber dem Vorjahr mit 59,78 Millionen Tonnen.
    • In den letzten drei Jahrzehnten ist der Ausstoß von Emissionen um fast 50 Prozent gestiegen: von 38,67 Millionen Tonnen im Jahr 1991 auf rund 56,67 Millionen Tonnen CO2e. Die Verkehrsleistung hat sich im selben Zeitraum verdoppelt.
      Hintergrund dieser Entwicklung sind Verbesserungen bei den durchschnittlichen Kraftstoffverbrauchswerten von Lkw sowie eine effizientere Transportlogistik. Letztere beruht vor allem auf einer steigenden durchschnittlichen Auslastung und weniger Leerfahrten. Dazu kommt der statistische Effekt infolge des sehr starken Wachstums im Segment des Güterfernverkehrs auf der Straße. Dieser wird mit großen Lastzügen mit 40 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht durchgeführt und weist in Verbindung mit der durchschnittlichen Auslastung einen geringeren spezifischen CO2e-Wert je Tonnenkilometer auf als kleinere Lkw. Dies hat zur Folge, dass der CO2e-Anstieg hinter dem Anstieg des gesamten Güterverkehrs auf der Straße – dieser umfasst auch den Straßengüterverkehr mit kleineren Lkw – zurückbleibt.
      Vor allem der Straßengüterfernverkehr wird heute fast zu 100 Prozent mit dieselbetriebenen Lkw durchgeführt. Um die CO2e-Emissionen signifikant zu senken, braucht es deshalb einen Antriebswechsel. Ein schneller Übergang zu elektrisch angetriebenen Lkw mit Batterien oder mit grünem Wasserstoff und Brennstoffzelle wären realistische Wege.

  • Güterverkehr auf der Schiene:

    • Im Jahr 2020 verursachte der Güterverkehr auf der Schiene 0,15 Millionen Tonnen CO2e. Im Vor-Corona-Jahr 2019 lag der Wert bei 0,18 Millionen Tonnen.
    • In den letzten drei Jahrzehnten sanken die Emissionen des Güterverkehrs auf der Schiene um fast 85 Prozent – von 0,98 Millionen Tonnen CO2e-Emissionen im Jahr 1991 auf 0,15 Millionen Tonnen im Jahr 2020. Die Verkehrsleistung stieg hingegen um mehr als 50 Prozent.
      Hintergrund: Der Güterverkehr auf der Schiene wird bereits heute zu mehr als 90 Prozent durch elektrische Traktion realisiert – also auf dem elektrifizierten Teil des Netzes, der bereits hoch ausgelastet ist. Das bedeutet gleichzeitig, dass dieser Anteil nur noch geringfügig durch die Elektrifizierung weiterer Strecken erhöht werden kann.
      Die noch verbleibenden CO2e-Emissionen stammen vom Verkehr auf nicht elektrifizierten Strecken, vom Rangieren sowie von Fahrten auf nicht elektrifizierten Industrie- und Anschlussbahnen. Um diese weiter zu reduzieren, sind alternative Antriebe und erneuerbare Kraftstoffe erforderlich.
      Bei den CO2e-Emissionen des Güterverkehrs auf der Schiene ist zu berücksichtigen, dass deren Bilanzierung im Verkehr auf Fahrzeugebene („tank-to-wheel“) erfolgt. Sie enthalten nicht die Emissionen aus der Stromerzeugung. Diese werden im Energiesektor erfasst, weil diese in den Kraftwerken verursacht werden. Der eingesetzte Strom für den gesamten Schienenverkehr (Personen und Güter) stammt jedoch zu 60 Prozent aus erneuerbaren Quellen – laut dem Interessenverband Allianz pro Schiene.

  • Güterverkehr per Binnenschiff:

    • 2020 stieß der Güterverkehr per Binnenschiff 1,19 Millionen Tonnen CO2e aus. Im Jahr 2019 waren es 1,25 Millionen Tonnen.
    • 1991 waren es 1,77 Millionen Tonnen. Der CO2e-Ausstoß hat sich insgesamt um knapp ein Drittel verringert, während die Verkehrsleistung nur geringfügig geändert hat.
    • Hintergrund ist vor allem die Effizienzverbesserung durch den Einsatz neuerer und größerer Binnenschiffe. Diese haben einen geringeren CO2e-Ausstoß je Tonnenkilometer. Das Binnenschiff weist im Vergleich zu den anderen Verkehrsträgern den geringsten spezifischen Primärenergiebedarf je Tonnenkilometer auf. Das hängt mit den hauptsächlich transportierten Massengütern zusammen sowie den großen Transporteinheiten, die zwar nur vergleichsweise langsam, aber dafür mit geringem Energiebedarf auf den Wasserstraßen unterwegs sind.

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