Raumfahrt | 15. September 2016 | von Jan Wörner

Vega startet Satellitenkameras für Peru und Google

Quelle: ESA/CNES/Arianespace - Photo Optique Video du CSG - JM Guillon
Letzte Montagearbeiten vor dem Abflug: Der obere Teil der Vega wird auf die AVUM-Oberstufe der Rakete montiert.

+++ Update 16.09.2016 +++
Der gestrige Start der Vega war erfolgreich. Die Aufzeichnung des Starts gibt es hier.

Heute Nacht um 3:43 Uhr deutscher Zeit wird zum insgesamt siebten Mal der europäische Kleinlastträger Vega von Französisch-Guyana aus ins All starten. Vega hat gleich fünf kleine Erdbeobachtungssatelliten an Bord. Nachtaktive Menschen können sich den Start live unter www.arianespace.com ansehen. Die Satelliten und die dazugehörigen Adapter haben zusammen eine Masse von etwa 1230 Kilogramm.

Der größte Satellit an Bord der Vega ist ein Peruanischer Erdbeobachtungssatellit mit dem Namen PerúSAT-1. Der Satellit wurde im Auftrag der Peruanischen Raumfahrtagentur CONIDA von Airbus Defence and Space gebaut und hat eine Masse von circa 430 Kilogramm. Es ist der erste Erdbeobachtungssatellit Perus überhaupt. Er wird für eine Vielzahl von Erdbeobachtungsaufgaben eingesetzt werden: im Katastrophenschutz und -management, für Fischerei, Ozeanographie, Forstwirtschaft, Klimabeobachtung, Kartographie, Bergbau, Geologie, Gesundheitsmanagement, Land- und Forstwirtschaft und Hydrologie.##markend##

Quelle: ESA/CNES/Arianespace - Photo Optique Video du CSG - JM Guillon
Die vier Google-Skysat-Satelliten werden auf ihrem Adapter montiert.

Bei den anderen Kleinsatelliten an Bord der Vega handelt es sich um die kommerziellen Erdbeobachtungssatelliten Skysat-4 bis -7. Sie wurden im Auftrag von Terra Bella (früher Skybox Imaging) von Space Systems/Loral gebaut. Terra Bella ist ein Unternehmen, das für Google hochauflösende Satellitenaufnahmen anfertigt. Die räumliche Auflösung der Bilder beträgt circa einen Meter. Darüber hinaus können die Satelliten auch kurze Videos in hoher Auflösung aufnehmen. Jeder Satellit hat eine Masse von etwa 110 Kilogramm.

Verschiedene Orbits und Vermeidung von Weltraummüll

Quelle: ESA/CNES/Arianespace - Photo Optique Video du CSG - JM Guillon
Das Bild zeigt den Satelliten PerúSAT-1 bei der Integration im VESPA-Nutzlastadapter. Auf das Oberteil des Adapters werden dann die vier Google-Satelliten montiert, bevor die Nutzlastverkleidung die Satelliten sicher einkapselt.

Die Satelliten werden in unterschiedlichen sonnensynchronen Orbits in 500 Kilometer bis 700 Kilometer Höhe abgesetzt werden. Das besondere an sonnensynchronen Orbits ist, dass sich die Satelliten jeden Tag zur selben Tageszeit über demselben Punkt auf der Erde befinden. Somit lassen sich Veränderungen auf der Erde sehr gut dokumentieren.

Das Aussetzen der Satelliten in den verschiedenen Orbits ist Dank der wiederzündbaren AVUM-Oberstufe möglich. Zuerst werden die vier Skysat-Satelliten in ihrem Zielorbit abgesetzt. Danach zündet die Oberstufe erneut, um den Zielorbit des Perúsat 1 anzufliegen und ihn abzusetzen. Die Startkampagne endet nach zwei Stunden und sechs Minuten nach der insgesamt fünften Zündung der AVUM-Oberstufe, die das Deorbiting einleitet. Beim Deorbiting wird die Oberstufe kontrolliert in die Erdatmosphäre gestürzt, wo sie vollständig verbrennt. Ohne ein solch kontrolliertes Abstürzen würde die Oberstufe noch mehrere Jahre um die Erde kreisen.

Quelle: ESA/CNES/Arianespace - Photo Optique Video du CSG - JM Guillon
Vega im mobilen Startturm: Der obere Teil der Vega, bestehend aus Nutzlastverkleidung, Satelliten und zugehöriger Adapter, wird auf die Oberstufe der Rakete gehoben. Der mobile Startturm wird für den Start entfernt.

Weiterführende Informationen:
Livestream: www.arianespace.com
Missions-Infos (engl.): http://www.arianespace.com/mission/vega-flight-vv07/
Launchkit (engl.): http://www.arianespace.com/wp-content/uploads/2016/09/VV07-launchkit-GB-3.pdf
Vega-Seite des DLR: http://www.dlr.de/rd/desktopdefault.aspx/tabid-2279/3410_read-5112/
Vega-Seite der ESA: http://www.esa.int/Our_Activities/Launchers/Launch_vehicles/Vega

TrackbackURL

Über den Autor

Philip Kausche hat an der TU Berlin Luft- und Raumfahrttechnik studiert. Nach seiner Promotion wechselte er im Jahr 2015 innerhalb des DLR von Berlin-Charlottenburg nach Bonn-Oberkassel in die Abteilung Trägersysteme des Raumfahrtmanagements. Seitdem betreut er dort u.a. als Projektmanager das Programm zur Nutzungsphase des europäischen Schwerlastträgers Ariane 5. zur Autorenseite